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Fast ausverkauft, trotzdem pleite Dem "Fusion"-Festival fehlen mehrere Millionen Euro – nun droht dem Event die Insolvenz

Bunte Lichter und Ballons bei Nacht beim Fusion-Festival
Seit 1997 findet auf einem ehemaligen russischen Militärflugplatz in Mecklenburg-Vorpommern das Fusion-Festival statt
© Christian Charisius/ / Picture Alliance
Trotz erhöhter Ticketpreise und Fördergeldern droht den Betreiber:innen des Fusion-Festivals die Zahlungsunfähigkeit. Gründe dafür gibt es genug.

Bunt, laut und grell – nicht nur in Deutschland kennt und liebt man die Fusion, eines der größten Festivals in Mecklenburg-Vorpommern. Nach einer pandemiebedingten Pause von zwei Jahren feierten vom 29. Juni bis 3. Juli 2022 Zehntausende Gäst:innen bei der Fusion in Lärz. Was nach einem vollen Erfolg klingt, hat in Wirklichkeit die finanzielle Schieflage der Betreiber:innen verstärkt.

"Der Wermutstropfen an der Geschichte ist, dass wir aktuell ein sehr großes finanzielles Defizit haben und jetzt schnell handeln müssen, damit nicht das gesamte Projekt Kulturkosmos in eine existenzielle Krise rutscht", schreiben die Betreiber:innen "Kulturkosmos" in ihrem Newsletter vom 6. August 2022. Man rechne mit einer Fehlsumme von 1,5 bis 2 Millionen Euro. Den genauen Betrag wisse man noch nicht, aber "das ist deutlich mehr als erwartet", so der Kulturkosmos.

Verein plant Verkauf von Grundstücken und Haus für Flüchtlinge

Als Gründe für das Defizit werden "enorme Preissteigerungen" für Materialien, Dienstleistungen, Technik und Infrastruktur genannt. "Was wir auch unterschätzt hatten, war der Mehraufwand und die damit verbundenen Kosten für den Aufbau des Festivals und der Infrastruktur nach zwei festivalfreien Jahren."

Um das Defizit auszugleichen, planen die Organisator:innen dem Newsletter zufolge unter anderem den Verkauf von Immobilien, darunter zwölf Baugrundstücke in der Gegend. Auch ein dreistöckiges Haus direkt an der Mecklenburgischen Seenplatte, welches der "Kulturkosmos" 2015 kaufte und sanierte, um Wohnraum für Geflüchtete zu schaffen, soll verkauft werden. Darüber hinaus wurde um Spenden gebeten.

Teurere Eintrittskarten und ein Gang zur Bank lösen Finanzprobleme nicht

Ein Kredit von der Bank würde die finanziellen Probleme laut der Festival-Betreiber:innen nicht lösen. "Banken wollen aber grundsätzlich keine großen Summen über kurze Laufzeiten verleihen, da wurden wir erst mal auf einen Dispo-Kredit zu hohen Zinssätzen und auch nicht in der Höhe, die wir bräuchten, vertröstet", erklären sie in dem Newsletter.

Bei der diesjährigen Fusion durften den Veranstalter:innen zufolge 80.000 Teilnehmer:innen einschließlich Mitwirkende auf dem Festivalgelände sein. Hintergrund für die beschränkte Zahl ist der Streit um das Fusion-Festival, bei dem erstmals ein Großeinsatz sowie Präsenz der Polizei auf dem Festivalgelände zur Debatte standen.

Bei 15.000 Mitwirkenden seien damit maximal 65.000 zahlende Besucher:innen möglich gewesen, so die Organisator:innen. 64.000 Tickets seien verkauft worden. In früheren Jahren seien 70.000 Besucher:innen möglich gewesen. Diese Einnahmen fehlten. Die Tickets für die Fusion 2022 wurden für 220 Euro verkauft, also 70 Euro teurer als jene des zuvor stattgefundenen Festivals.

Transparente Kostenaufschlüsselung soll kommen

Aus einem früheren Newsletter geht hervor, dass sich der Kulturkosmos während der festivalfreien Jahre 2020 und 2021 mit Ausgaben in Millionenhöhe konfrontiert sah. Allein die Gehälter der festangestellten Vereinsmitarbeiter:innen hätten sich auf 750.000 Euro belaufen.

Auch hätte der Bau der neuen "Turmbühne" 500.000 Euro verschlungen, deren Baukosten die Veranstalter:innen eigenen Angaben nach "stark unterschätzt" hatten. Dazu kamen stark gestiegene Kosten für Materialien, Dienstleistungen, Technik und Infrastruktur.

Rock am Ring 2022 Fans

"Wir wollen, sobald wir alle Zahlen überschauen können, unsere Ausgaben auf unserer Webseite zusammen stellen, um die Situation transparent zu machen und damit sichtbar wird, was denn wie viel Geld verschlungen hat", so die Veranstalter:innen.

Quellen: Newsletter Fusion, dpa, NDR


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