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Hörbuch-Tipp

"The Woman in the Window": Stell dir vor, du beobachtest einen Mord, und niemand glaubt dir

Die alleinstehende Anna Fox verbringt die Tage damit, ihre Nachbarn zu beobachten, alte Filme zu gucken und viel Wein zu trinken. Eines Tages wird sie Zeugin eines Mordes - doch niemand glaubt ihr. "The Woman in the Window" ist eine unterhaltsame Hommage an Alfred Hitchcock.

"The Woman in the Window"

Wie der von James Stewart gespielte Held in Alfred Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" ist auch die Protagonistin in "The Woman in the Window" an ihr Haus gekettet - jedoch aus einem ganz anderen Grund.

Worum geht es?

Seit einem traumatischen Erlebnis leidet Anna Fox an einer Angststörung: Weite Plätze und Menschenmengen versetzten sie in Panik. So hat sie seit Monaten ihr Haus nicht mehr verlassen, indem sie allein lebt, seit Mann und Tochter sie verlassen haben. Sie verbringt die Tage damit, ihre Nachbarn zu beobachten, Merlot zu süppeln und alte Filme zu gucken. Einziger Kontakt zur Außenwelt ist ihre neue Nachbarin Jane Russell, die sie manchmal besucht. Doch dann beobachtet Anna, wie diese Frau ermordet wird. Als sie die Polizei einschaltet, will ihr niemand glauben - zumal ihr Nachbar eine Frau präsentiert, die behauptet Jane Russell zu sein.

Wer spricht?

Gelesen wird dieses von der bekannten Schauspielerin Nina Kunzendorf, die viele noch als resolute Kommissarin Conny Mey aus dem Frankfurt-"Tatort" kennen. Hier spricht sie eine ganz andere Rolle: die einer verunsicherten, zeitweise benebelten Frau, die ihre Mitte sucht. Das gelingt ihr vorzüglich, auch wenn es über die Strecke von knapp elf Stunden anstrengend ist, einer solchen Stimme zu lauschen.

Warum lohnt sich das Hörbuch?

"The Woman in the Window"

Das Hörbuch "The Woman in the Window", gelesen von Nina Kunzendorf, ist bei Audible zum Download erhältlich.

Der Krimi ist eine Mischung aus dem legendären Alfred-Hitchcock-Film "Das Fenster zum Hof" und dem (mittlerweile verfilmten) Bestseller "Girl on the Train". Wie der Fotograf Jeff Jeffries bei Hitch ist auch hier die Heldin ans Haus gekettet - und beobachtet ihre Nachbarschaft durch die Linse ihrer Kamera. Und wie Rachel Watson aus Paula Hawkins' Roman ist sie Alkoholikerin und wird deswegen von niemandem für voll genommen. Die Anleihen werden jedoch in die Handlung eingebettet: Die Hauptfigur Anna Fox verbringt ihre Abende damit, DVDs aus ihrer Film-noir-Sammlung zu gucken, darunter auch "Das Fenster zum Hof". Immer wieder überlagern sich Elemente dieser Filme mit der Wahrnehmung der Protagonistin, sodass nicht immer klar ist: Was hat sie wirklich gesehen, und was ist der Kombination aus ihrem überbordenten Film-, Tablette- und Alkoholkonsum geschuldet?

Was stört?

So reizvoll das Spiel mit filmischen und literarischen Vorbildern für den Kenner sein mag - der Nachteil liegt auf der Hand: Die Geschichte ist bisweilen arg vorhersehbar. Das trägt zum zwischenzeitlichen Spannungsabfall bei, zumal das Buch nicht so brillant geschrieben ist, um dieses Manko auszubügeln. 

Für wen eignet sich das Hörbuch?

Die Temperaturen sind hoch, die Ferienmonate stehen vor der Tür: Wer einen brauchbaren Begleiter für Nachmittage am Strand oder Abende auf dem Balkon sucht, ist mit "The Woman in the Window" gut bedient.