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Kunstkrimi: Jagd nach der schönen Frau

Ein Gemälde rettete Edward Engelberg vor 77 Jahren das Leben. Um herauszufinden, wohin das Bild verschwand, sucht er gemeinsam mit dem deutschen Rechercheteam "Follow the money" nach Spuren. Und jeder kann mitmachen. 

Von Gesa Steeger

Fahndungsplakat

Edward Engelberg verdankt sein Leben vermutlich einer schönen Frau. Nur leider ist diese seit 77 Jahren verschwunden. München im November 1938: Die Nazis ziehen ihre Kreise um die jüdische Bevölkerung immer enger. Nach der Pogromnacht folgen Verhaftungswellen. Auch Edward Engelbergs Vater wird verhaftet. Zurück bleiben die Mutter und die beiden Kinder. Zwei Wochen später: Mutter Paula nimmt die schöne Frau von der Wand und verschwindet. Als sie Stunden später zurückkehrt, ist das Bild weg. Dafür trägt sie etwas viel wertvolleres bei sich: Visa für die Schweiz. Für sich, die beiden Kinder und ihren Mann. Der Familie Engelberg gelingt, was vielen anderen verwehrt bleibt: Sie entkommt. Über die Schweiz wandern sie später in die USA aus.

Wo ist das Bild heute?

Oregon, USA, fast 80 Jahre später: Das deutsche Recherchekollektiv "Follow the money" besucht Edward Engelberg in seinem neuen Leben. Den Kontakt vermittelt Edward Engelberts Sohn Stephen, selber Journalist und fasziniert von der Geschichte seiner Familie. Ebenso wie sein Vater fragt er sich: Was ist mit der schönen Frau passiert? An wen wendete sich seine Großmutter Paula in ihrer Not? Wo ist das Bild heute?

Ausgestattet mit dieser Geschichte und einer Suche, deren Ende offen ist, kehren "Follow the money" nach Deutschland zurück. Ihr Ziel: Die schöne Frau finden und den Engelbergs den Schlüssel zu ihrer Familiengeschichte geben. Ihr Plan: eine Suche, die jeder, der will, mitverfolgen und mitbestimmen kann - per WhatsApp, Blog oder Facebook.

Mittlerweile geht das multimediale Projekt "Kunstjagd" in die vierte Woche. Das Interesse ist groß: Über 700 Menschen verfolgen die Bilder-Jagd per WhatsApp. Hinweise kommen fast täglich. Doch die Recherche ist schwierig. Ein Rückerstattungsantrag von Paula Engelberg führt die Journalisten zu einem Antrag auf einen Koffer mit Wertgegenständen. Die Galeristen, die damals schon ihre Häuser in München hatten, können nicht weiterhelfen. Keiner hatte je von dem verschollenen Bild gehört. Auch eine Reise nach Tschechien, die die Journalisten näher an den Maler der schönen Frau, den deutschen Künstler Otto Theodor W. Stein, heranbringen soll, bleibt ohne Ergebnisse.

Hobbydetektive gefragt

Mit ihrer Suche sind die Engelbergs nicht allein. Hunderten jüdischen Familien wurden während des Nazi-Regimes Kunstwerke und Wertgegenstände aller Art abgepresst oder geraubt. Schaut man sich auf Seiten wie www.lostart.de um, einer Online-Datenbank, auf der Raubkunst gesucht werden kann, wird man von der Fülle an Gesuchen fast erdrückt. Viele dieser Kunstschätze sind für die rechtmäßigen Besitzer verloren - sie lagern in Depots, hängen in zwielichtigen Privatsammlungen oder geistern mit falschen Provenienzen auf dem internationalen Kunstmarkt herum.

Noch drei Wochen gibt sich die Recherchegruppe, um die schöne Frau zu finden. Sollte die Suche bis dahin keine Schlüsse auf den Aufenthaltsort des Bildes liefern, bleibt die Geschichte der Engelbergs im Dunkeln. Jetzt sind die Hobbydetektive gefragt: Wo ist das Gemälde, das Edward Engelbergs Leben rettete? Ideen und Hinweise an: www.kunstjagd.com