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Ausstellung in Bonn: Das dritte Geschlecht - in der Kunst ein alter Hut

In der Ausstellung "Stereo_Typen" zeigt das Bonner Kunstmuseum jetzt Zeichnungen, Drucke und Fotografien, die sich mit dem dritten Geschlecht beschäftigen. Erstmal nichts Ungewöhnliches. Überraschend ist aber, dass das Thema in der Kunst schon seit Jahrhunderten eine Rolle spielt.

Drittes Geschlecht? Ist für die Kunst ein alter Hut

Kampf für das dritte Geschlecht: In der Kunst lehnt man sich schon seit Jahrzehnten gegen die Zwei-Geschlechter-Ordnung auf

Getty Images

Die Medien sind voll mit Bildern und Texten der Queer- und Transgender-Bewegung. Sie sind bunt, laut und modern. Man könnte fast das Gefühl bekommen, das dritte Geschlecht sei eine neue Idee. Aber das ist ein Irrtum. In vielen Gesellschaften existieren seit Jahrhunderten Bezeichnungen für Personengruppen, die aus dem klassischen Mann-Frau-Schema fallen. Entweder, weil sie körperlich beiden Geschlechtern zugeordnet werden können, oder weil sie sich emotional weder dem Leben als Mann, noch dem als Frau unterordnen können und wollen. In Deutschland verbreitete sich der Begriff des dritten Geschlechts, als der Schriftsteller Ernst von Wolzogen 1899 einen gleichnamigen Roman veröffentlichte und darin über eine bisexuelle Frau schrieb.

Kunst gegen die Zwei-Geschlechter-Ordnung

Auch für deutsche Künstler ist das dritte Geschlecht schon seit vielen Jahren ein Thema, wie die Ausstellung Stereo_Typen zeigt, die ab dem 20. März im Kunstmuseum Bonn zu sehen ist. 

Die Schau umfasst unter anderem Werke von Sigmar Polke, Wolfgang Tillmans, Katharina Sieverding und Jürgen Klauke, die die Zwei-Geschlechter-Ordnung schon früh anzweifelten. Gezeigt werden hauptsächlich Zeichnungen, Drucke und Fotografien, weil diese durch das kleinere Format und den häufig spontanen Gestus für Reflexionen über die eigene Identität besonders geeignet seien.

Die Übersicht beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit Werken von August Macke. Themen wie Rollenspiele, Maskierungen, Identitätsbefragungen, Faszination für das Androgyne - all das habe es schon damals gegeben, sagt Kuratorin Barbara Scheuermann. "Das Großartige an Kunst ist ja, dass sie die Möglichkeit bietet, vermeintlich Gegebenes in Frage zu stellen, Alternativen zur Wirklichkeit durchzuspielen und damit einen anderen Blick auf unsere Welt zu erlauben. Genau hierauf wollen wir aufmerksam machen", so Scheuermann weiter. Vielen Künstlern und Künstlerinnen sei es darum gegangen, erst einmal alles zu durchkreuzen, was als "normal" unterstellt werde. Ein Schwerpunkt der Schau sind die 70er und 80er Jahre. 

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sve / DPA