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M. Beisenherz: "Sorry, ich bin privat hier": Alisa und die Pisa-Boys: Neues von der Bachelorette

Wenn "Die Bachelorette" läuft, schiebt unser Kolumnist eine Sonderschicht ein. Dieses Kopulationscasting in der Pheromongolei ist schließlich Fernsehunterhaltung genau nach seinem Geschmack - oder doch nicht?

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Micky Beisenherz hat für uns "Die Bachelorette" angeschaut.

Micky Beisenherz hat für uns "Die Bachelorette" angeschaut.

Samstags kommt das Sams, mittwochs die Liebe. Verzeihen Sie mir den Euphemismus. Ich bin einfach nur dankbar, dass es noch möglich ist, im Fernsehen Menschen zu verkuppeln, die weder die primären Geschlechtsorgane in die Linse drücken, noch einen Betreuer brauchen. Das ist jetzt kein hoher Anspruch, aber Anspruch ist jetzt vielleicht auch ein bisschen...also... lassen wir das. Außerdem ist das Zielobjekt dieses Kopulationscastings Lehrerin (hört, hört!) – man darf hier also getrost vom RTL-"Telekolleg Biologie" sprechen.

Bereits im letzten Jahr hat mir "Die Bachelorette" sehr viel Freude bereitet. Das mag sicher daran gelegen haben, dass der Ex-Freund meiner Frau dort Kandidat, ach, was sag ich, Finalist (jawohl!) war. Herrliche Fernsehabende waren das. Für mich. Besagter Vorgänger eroberte zwar schlussendlich nicht die Bachelorette, wurde danach aber eine gewisse Zeit lang mit Natascha Ochsenknecht gesichtet - darf also mit Fug und Recht als wahrer Gewinner betrachtet werden.

Doppelstunde Kurvendiskussion

In dieser Spielzeit von "Tinder - das Musical" sucht eine gewisse Alisa die Liebe, oder findet, wenn das schon nicht klappt, später einen Startplatz bei "Let's Dance". Die Fernsehbalz hätte die Singlelette streng genommen gar nicht nötig, denn als Referendarin kann man sich bekanntermaßen im Lehrerzimmer einen Beau nach dem anderen rauspicken. Schön, dass sie es dennoch unter medialer Beobachtung tut. Sonst wäre uns die gestrige Folge entgangen, in der die Mathelehrerin die Liebe und das Meer rauschen lässt. Gruppendate. Am Strand. Im Bikini.

Doppelstunde Kurvendiskussion (höhöhö).

Gleich sechs paarungswillige Leerkörper stehen wie Verbalmasturbanten um die bedauernswerte Frau herum und reden auf sie ein - eine Bukkakophonie vom Feinsten.

Nachvollziehbar, dass sie sich schnell zum Einzeldate verzieht. Zum Beispiel mit Gordon aus Dessau, der aussieht, als hätte man Bachelor Paul Janke vor drei Jahren einfach an eben diesem Strand ausgesetzt. Gleich zu Beginn des - nun ja -  Gesprächs der Schock: Gordon ist bereits Vater eines Kindes. Die Folge eines One-Night-Stands mit falscher, bzw. fehlender Verhütung. In Zeiten Bill Cosbys nachvollziehbar, dass sich viele Frauen mittlerweile scheuen, vorm Sex eine Pille zu nehmen.

Die Kandidaten: Premium-Exponate der Generation "Weißwieischmeine"

Mag sein, dass das mit dem Nachwuchs bei Alisa ein Minuspunkt war. Dennoch zählt der junge Vater noch eindeutig zu den Besseren in diesem Reigen. Premium-Exponate der Generation "Weißwieischmeine". Männer, deren erotischer Erfahrungsschatz sich weitestgehend auf das Abspielen von Kay-One-Songs beschränken dürfte.

Hat Alisa nicht einen massiven Knick im amourösen Kompass, muss sie sich bei dem Angebot vorkommen wie ein Hells Angel am veganen Buffet. Zweifellos hat hier der Erfolg von "Berlin Tag & Nacht" beim Schwesterkanal RTL2 Einfluss auf die Kandidatenfindung gehabt. Der Eindruck einer McFit-Klassenfahrt liegt in der Luft.

Toll ist wie immer der Sound. Ähnlich wie beim "Dschungelcamp" ist man permanent versucht, mit der "Shazam"-App vor dem Flatscreen zu hängen und die unterlegten Songs zu taggen. Außerdem der Look. Das sieht alles klasse aus. Manchmal vielleicht sogar ein wenig zu klasse.

Die Einzeldates wirken ausnahmslos wie Footage aus Jochen-Schweizer-Imagevideos. Speedboat, Paratriking, Schlagmichtoting... Allein auf den Gesprächswert der Attendater zu setzen - das war wohl allen zu heikel. Verständlicherweise.

Lästerei am Planschbecken in der Pheromongolei

Ebenfalls auffällig ist bei dieser Staffel der verstärkte Ausschlag des Krawallometers: Für Eskalationsfreunde ist das natürlich ein Schritt in die richtige Richtung. In der letztjährigen Ausgabe waren die Kandidaten der Liebeslotterie so entspannt, dass sie nach kollektiver Blitzverkumpelung damit zufrieden waren, bierselig am Pool abzuhängen. Da war es fast eine Strafe, weg von den Kumpels zum Einzeldate mit der Bachelorette zu müssen.

Das sieht in diesem Jahr schon anders aus.

In der Pheromongolei wird rund um das Planschbecken gelästert, geweint und gepöbelt, werden Feindschaften kultiviert. Die finale Nacht der Neurosen: Schauplatz eines offenen Disputes zwischen Deniz - einem dauerwimmernden Zweimetermann, der wirkt, als würde er pausenlos Sinnsprüche bei Facebook posten - und dem Nagelstudiobetreiber Robbin.

Robbin, ein frecher Pfiffikus, offensichtlich als Kind in den Topf mit Kunstleder gefallen, maßt sich kess an, das private Gespräch zwischen Alisa und Deniz zu torpedieren. Was dieser mit Tränen der Wut quittiert. Der Streit bleibt folgenlos. Gehen müssen andere:

Till aus Kiel.

Marvin aus Lotte (offenbar der Name der Mutter).

Für mich als Connaisseur guten Fernsehens ist klar: Eher findet ein persischer Schimpanse im All die Liebe, als dass ich noch eine weitere Folge dieser Softsexklamotte gucken werde.

Gut, nächste Woche vielleicht.

Man will ja wissen, wie's weiter geht, nech.

Den Teilnehmern wiederum kann ich nur dringend raten: Strengt Euch an, dieses Ding, ja, das Herz von Alisa zu gewinnen.

Natascha Ochsenknecht wartet schon.

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