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Ausnahmetalent im Wandel: Ryley Walker erkundet auf «Deafman Glance» neues Terrain

Ryley Walker lässt sich in seinen Songs gerne treiben. Aber vom Wunsch nach Veränderung getrieben, ist der Sänger und Gitarrist sein neues Album strukturierter angegangen.

Ryley Walker

Ryley Walker hat sich neu inspirieren lassen. Foto: Evan Jenkins

Getragen, ruhig, luftig. Mit dem Eröffnungsstück «In Castle Dome» macht der US-Amerikaner Ryley Walker genau da weiter, wo das letzte Album «Golden Sings That Have Been Sung» endete.

Doch dann enden die Gemeinsamkeiten bereits. Schon das zweite Stück auf «Deafman Glance» zeigt, dass der Sänger und Gitarrist sein klangliches Universum erweitern will. Zwar flackert das frei-fließende Jam-Gefühl der früheren Platten noch auf etlichen Liedern auf, doch insgesamt ist das neue Album wesentlich strenger durchstrukturiert.

«Accomodations» ähnelt einer jazzlastigen Klangcollage, «Can’t Ask Why» mündet nach eineinhalb Minuten Glöckchenflirren in ein Zeitlupen-artige Melodie, die sich später zu einem waschechten Rockriff entwickelt. Walker will als Musiker nicht stehen bleiben, probiert aus.

Nach zwei hochgelobten, stilistisch eigenwilligen Studioalben - irgendwo zwischen Bert Jansch, Nick Drake und dem frühen David Crosby - war absehbar, dass der rastlose Musiker weiteres Terrain erkunden würde, alles andere wäre wohl auch enttäuschend. Das Ergebnis - eingespielt in Chicago mit starker Band und produziert von Walker und Ex-Wilco-Mitglied LeRoy Bach - überzeugt nicht immer, an die Klasse der Vorgänger reicht «Deafman Glance» nicht ganz heran.

Dennoch: Viele Stücke, etwa «Telluride Speed» oder das tranceartige «Expired», sind Perlen, die nichts vermissen lassen. Insgesamt ist «Deafman Glance» eine starke Platte, die Momentaufnahme eines musikalischen Ausnahmetalents im Wandel.

In Deutschland tritt Walker vorerst nur am 24. Juli in München auf. Im November kehrt er für weitere Konzerte zurück.

dpa
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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo