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Bernd Begemann: "Das war Xavier Naidoos Schuld"

Seit Jahren tourt Bernd Begemann unermüdlich durchs Land und hält in seinen Songs die Gegenwart fest. Im stern.de-Interview spricht der Songschreiber über den Zustand der deutschen Popmusik - und deren Auswirkungen auf dem Fußballplatz.

Bezeichnet sich selbst als "elektrischen Liedermacher": Bernd Begemann

Bezeichnet sich selbst als "elektrischen Liedermacher": Bernd Begemann

Ihre neue Platte bezeichnen Sie als Pop-Singspiel. Müssen wir demnächst damit rechnen, dass Bernd Begemann in Bayreuth aufgeführt wird?

Ein Singspiel ist ja eine Nummer kleiner als die Oper. Mein neues Album besteht aus Liedern, die zusammengenommen einen Sinn ergeben. Man kann sie einzeln hören, aber wenn man sie zusammen hört, befeuern sie sich untereinander, sie erhellen sich. Darauf muss ich irgendwie hinweisen. Das Ganze kann ich auf keinen Fall Rock-Oper nennen. Ich persönlich denke da an ellenlange Agit-Prop-Opern aus den 70er Jahren, wo am Ende rauskommt, dass der kleine Mann verarscht wird. Da habe ich keinen Bock drauf. Lieder-Zyklus klingt auch eklig, wie ein Frauenproblem. Konzept-Album ist ebenfalls ein hässliches Wort. Singspiel ist dagegen ein unbelasteter Ausdruck. Das Singspiel war ein Gegenentwurf zur Oper.

War das Album von Anfang an so geplant?

Ich hatte zunächst mehrere Lieder, bei denen klar wurde, dass es hier eine Tendenz ist, dass es um einen bestimmten Vorgang geht: sexuelles Vagabundieren. Und wie eklig sexuelles Vagabundieren ist. Und wie interessant. Häusliches Glück. Wie schwierig das ist. Was für ein Halt häusliches Glück sein kann. Und wie sehr es einen ersticken kann. Das sind natürlich zwei Seiten derselben Münze. Das geht manchmal ineinander über. Manchmal führt sexuelles Vagabundieren zu häuslichem Glück. Insgesamt ergibt die Platte eine Erzählung, die man auch in der Literatur haben könnte.

Die Texte setzen sich auf sehr realistische Weise mit den schönen wie schlechten Seiten einer Langzeitbeziehung auseinander. Warum gibt es so wenige deutschsprachige Songs, die solche Themen behandeln?

Weil die wenigsten deutschsprachigen Songschreiber über Sachen schreiben, die interessant sind. Das, worüber ich schreibe, ist doch meine Biografie und die von 98 Prozent aller Leute, die wir kennen. Nach dem Schulabschluss haben sie große Pläne, und zehn Jahre später haben sie Kinder am Hals oder Hypotheken abzubezahlen. Oder stecken in der Großstadt fest und es gibt nichts, worauf sie sich freuen können. Hier geht es um die typische neubürgerliche Biografie. Es gibt einen Neo-Biedermeier. Die Leute wollen nicht daran erinnert werden, wie sie selbst leben. Darum geht es aber in der Kunst. Dass man seine Realität und Umgebung in etwas Betrachtenswertes verwandelst. Die Leute stehen aber auf Exotismus, das kommt jetzt wieder: New York, Rio, Tokio.

In einem Lied geht es auch über das Thema Sex in einer Langzeitbeziehung.

Die Platte ist in vier Teile aufgeteilt. Im letzten Teil geht es darum, wie es sich anfühlt, wenn man mit jemandem schon längere Zeit intim ist. Wenn man die Frau ansieht und weiß, man wird vielleicht in einer Stunde ein bisschen schmusen, ein bisschen Liebe machen. Ich weiß genau, wie das sein wird, wenn wir Liebe machen. Vielleicht wird es Variationen geben, aber im Grunde kann ich es voraussagen. Es ist für manche Leute bestimmt abstoßend, über Sex zu schreiben. Ich kann nur sagen, ich habe eine solche Beziehung selbst erlebt. Ich wollte nicht schockieren, ich wollte sagen wie es ist.

Gehört da Überwindung zu, über so etwas zu schreiben?

Es ist mehr eine Beunruhigung. Ich schreibe Lieder, weil ich beunruhigt bin, und ich will dieser Beunruhigung Herr werden. Ich will herausfinden, was mein Leben ausmacht. Hinterher bin ich bereichert, hinterher gehört mir mein Leben. Vorher gehört es mir nicht.

Dennoch gibt man sehr viel von sich preis.

Ich bin absolut überzeugt, dass ich mich nicht sehr von anderen Menschen unterscheide. Goethe hat mal gesagt: Jeder Mensch birgt in sich Eigenschaften, die, würde er sie enthüllen, Abscheu hervorrufen. Daraus kann man nun folgern, man soll sie nicht enthüllen. Oder es ist nicht wirklich schlimm, sie zu enthüllen, weil es nicht schlimmer ist als die abscheulichen Dinge, die andere in sich bergen.

Warum schreiben nur wenige Musiker über solche Abgründe?

Die meisten gehen so unglaubliche Umwege. Silbermond haben zum Beispiel dieses Lied "Symphonie" geschrieben. Ich weiß bis heute nicht, worum es dabei geht. Oder Xavier Naidoo: Bei ihm habe ich das Gefühl, der schreibt über sehr einfache Dinge und macht es so unglaublich kompliziert. Das ist so pompös, so prätentiös. Das darf man eigentlich nicht. In keinem anderen Land der Welt ist Popmusik so pompös und so umständlich. "Dieser Weg wird kein leichter sein": Das kann man auch anders ausdrücken. Kein Wunder, dass die deutsche Nationalmannschaft gegen Italien ihren Weg verstolpert hat. Ich glaube, das war Xaviers Schuld. Die Italiener haben bestimmt etwas Lustiges, Schnelles gehört, eine Tarantella.

Sie sind kürzlich Vater geworden. Könnte es passieren, dass Ihr nächstes Album von dieser Erfahrung handelt?

Da bin ich sehr vorsichtig. Es gibt nur sehr wenige gute Songs über Vaterschaft. Die schlimmsten Popsongs aller Zeiten gehen über diese elterliche Verzückung. Das ist die intimste Sache überhaupt. Ich finde Vaterschaft viel intimer als Sexualität.

Rolf Zuckowksi hat bestimmt auch schöne Lieder über Vaterschaft geschrieben.

Rolf Zuckowksi und Reinhard May sind bestimmt glückliche Menschen. Ich fand es aber nie so besonders interessant, glücklich zu sein, nur glücklich zu sein. Unglücklichsein find ich natürlich auch nicht gut. Jede Form von Statik ist furchtbar.

Interview: Carsten Heidböhmer
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(