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Von Mozart bis David Garrett: Sex, Drugs & Strings - So doll treibt es die Klassik-Szene

David Garrett hatte zeitweise Ärger mit den New Yorker Behörden. Er ist nicht der erste deutsche Geiger. Was ist nur in der Klassik-Branche los? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Klassische Musiker und Komponisten haben es schon immer krachen lassen.

Wolfgang Amadeus Mozart und David Garrett

Komponist Wolfgang Amadeus Mozart und Stargeiger David Garrett

"Ich scheiss dir auf d' nasen" (Mozart, 1877)

Wolfgang Amadeus Mozart gilt vielen als Götterliebling. Als unangefochtener Herrscher im Reich der schönen Künste. Kaum einer, so die weit verbreitete Vorstellung, kam der himmlischen Musik so nahe wie er. Doch Mozart hatte auch eine andere Seite. Er hatte einen ausgeprägten Hang zu Analerotik, den er vor allem in den Briefen an seine in Augsburg lebende Cousine Maria Anna Thekla Mozart auslebte. Die zwischen 1777 und 1781 verfassten "Bäsle-Briefe" strotzen nur vor fäkalerotischen Anspielungen.

dreck! - - dreck! - o dreck! - o süsses wort! - dreck! - schmeck! - auch schön! - dreck, schmeck! - dreck! - leck - o charmante! - dreck, leck! - das freüet mich! - dreck, schmeck und leck! - schmeck dreck, und leck dreck!

Lange Zeit wurden solche Passagen zensiert, passten sie doch nicht in das Bild das tadellosen Genies. Heute dagegen ist klar, dass höchste künstlerische Vergeistigung mit einer triebhaften Natur durchaus Hand in Hand gehen können. Und wers nicht glaubt, der soll mich lecken ohne End, von nunan bis in Ewickeit.

Lange vor David Garrett durchwehte die Klassik also ein zügelloser Geist. So doll trieben es die großen Komponisten, dass sich zahlreiche mit der Geschlechtskrankheit Syphilis infizierten, darunter Franz Schubert, Friedrich Smetana oder Hugo Wolf.

Richard Wagner bediente sich bei seinen Förderern

Keiner von ihnen dürfte jedoch so liebestoll und dabei so dreist gewesen sein wie Richard Wagner. Der war nicht nur ein genialischer Komponist, sondern ein Lebemann, der häufig mehr Geld ausgab, als er besaß. Weswegen er zeitlebens auf Gönner angewiesen war. Einer davon war der in Zürich lebende Kaufmann Otto Wesendonck. Der unterstützte Wagner ab 1853 finanziell, 1857 durfte der Komponist das Gartenhaus seiner Villa beziehen. Das hinderte Wagner nicht daran, eine Affäre mit Ottos Frau Mathilde Wesendonck zu beginnen. 

Ganz ähnlich erging es dem Dirigenten Hans von Bülow, der sich für Wagners Musik einsetzte und einige seiner Kompositionen zur Uraufführung brachte: Richard Wagner fing eine Affäre mit Bülows Ehefrau Cosima an, aus der möglicherweise eine Tochter hervorging. 1870 ließ sich Cosima scheiden und heiratete Wagner. 

Paganini litt unter Dauererektion

Nicht nur Komponisten sind für ihren überbordenden Lebenswandel bekannt, auch Geiger. Der berühmteste Virtuose auf diesem Instrument ist Niccolò Paganini. Der soll unter einer Dauererektion gelitten haben, Verstorben ist er dann aber, wenn die Berichte stimme, an Syphilis. Wegen der Dauererektion wollte er sich von dem berühmten Arzt Samuel Hahnemann behandeln lassen, dem Erfinder der Homöopathie. Der brach die Verhandlung jäh ab, nachdem sich Paganini seiner Frau angenähert hatte.

Damit ist Paganini noch glimpflich davon gekommen. Den Leipziger Violinist Stefan Arzberger könnte eine Partynacht deutlich teurer zustehen kommen. Gegen den Musiker ermittelten New Yorker Behörden zeitweise wegen versuchten Mordes - ließen die Anklage jedoch nach einem Deal wieder fallen.

Wie bei "Mozart in the Jungle"

Wie es scheint, hat die Klassik-Szene der Rockmusik in puncto Party und Exzesse längst den Rang abgelaufen. Davon erzählt auch die sehenswerte Amazon-Serie "Mozart in the Jungle", die auf den Memoiren einer New Yorker Oboistin beruht. Der Untertitel des Buches lautet "Sex, Drugs, and Classical Music". Wer die Folgen um den durchgeknallten (fiktiven) Dirigenten Rodrigo De Souza (Gael Garcia Bernal) und seine Musiker gesehen hat, wundert sich dann nicht mehr, dass ein Stargeiger wie David Garrett sich über einen Escort-Service eine Porno-Darstellerin bucht. 

Mozart hätte wohl nur Müde gelächelt und gesagt: "It's only Rock 'n' Roll (But I Like It)".

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