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ESC 2011: Grand-Prix-Luft auf dem Düsseldorfer Flughafen

Beim "echten" Grand Prix geht der Probenmarathon los - allerdings unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit. Bei einem kleineren Gesangswettbewerb am Düsseldorfer Flughafen konnte jedermann schon mal Grand-Prix-Luft schnuppern.

Als die fünf Männer in tiefen Tönen Lenas Siegertitel "Satellite" anstimmen, kann man ihn plötzlich fühlen: den Eurovision-Geist in Düsseldorf. Die Zuschauer im Terminal jubeln, sie fangen an zu schunkeln. Auf der Bühne stehen - aus Lenas Heimatstadt - die "Hannover Harmonists". Sie sind eine von elf deutschen A-cappella-Formationen beim "Airport Grand Prix" am Sonntag im Düsseldorfer Flughafen. Zwei Wochen vor dem großen Finale des Eurovision Song Contest (ESC) am 14. Mai wollen sie mit Liedern wie "Guildo hat Euch lieb" oder "Wadde Hadde Dudde Da" deutsche Grand-Prix-Geschichte zum Leben erwecken.

Dem Publikum gefällt es. Während ein paar Kilometer weiter am Sonntag die Proben der Künstler für den "richtigen" Grand Prix begonnen haben, stehen mehrere Hundert Zuschauer vor der Bühne am Flughafen, klatschen, singen mit. Der Probenmarathon in der Düsseldorfer Arena ist für das breite Publikum nicht zugänglich, aber hier vor den Toren der Halle breitet sich spürbar die Grand-Prix-Stimmung aus. Nach Angaben der Veranstalter wurden über den Tag verteilt insgesamt 15 000 Menschen am Flughafen erwartet, die zumindest kurz vorbeischauen. Einige Besucher sind extra für den Wettbewerb angereist, andere vertreiben sich bloß die Wartezeit bis zum Abflug.

Ein älteres Paar hat sich Klappstühle mitgebracht, um die Show bequemer verfolgen zu können. Begeistert fiebern sie den Highlights des Tages entgegen: dem Auftritt von Schlagersängerin Nicole, die am Abend ihr Gewinnerlied von 1982, "Ein bisschen Frieden" singen sollte, sowie der Performance von Lys Assia, der Gewinnerin des ersten Grand Prix von 1956, die ihren damaligen Siegertitel "Refrain" anstimmen wollte.

Wie beim großen Grand Prix geht es auch auf der Bühne im Flughafen bunt zu: "Peter and the Wolvettes" performen Abba-Songs auf hohen Plateaus, "Die Vierte Frau" singen - passend zum Ambiente - in Stewardess-Kostümen. Eine fünfköpfige Jury, in der auch der langjährige ESC-Kommentator Peter Urban sitzt, vergibt Punkte. Nur dass es am Ende keine Verlierer gibt, wie Patrick Croonen, Eventmanager des Flughafens, erläutert: Jede Gruppe bekommt einen Preis.

Das wird beim ESC-Finale in zwei Wochen anders sein. Dass es dabei für Lena mit ihrem Song "Taken By A Stranger" zum Sieg reicht, glaubt beim "Airport Grand Prix" nicht jeder. ESC-Kommentator Peter Urban prophezeit ihr den sechsten Platz, "vielleicht auch besser als das". Schließlich habe Lena sich im Vergleich zum vorigen Jahr musikalisch verbessert. Musikproduzent Dieter Falk - ebenfalls in der Jury am Flughafen - glaubt an eine Platzierung um den zehnten Platz herum. "Lenas Lied bleibt nicht direkt kleben", sagt er. "Man muss es dreimal hören, bevor es hängen bleibt."

Olivia Konieczny, DPA / DPA