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ESC 2019: "Deutschland? Weit hinten!" – Warum den S!sters niemand eine gute Platzierung zutraut

Wer vertritt Deutschland beim ESC 2019? Viele Fernsehzuschauer kennen die Antwort nicht. Sisters heißt das Duo, das am Samstagabend in Tel Aviv mit einem Frauenpower-Song punkten möchte. Doch das dürfte sehr, sehr schwer werden.

ESC 2019 Sisters

Carlotta Truman (l.) und Laurita Spinelli bilden das Duo "Sisters" und treten beim ESC für Deutschland an

DPA

"Don’t be Drags, just be Queens", ruft Carlotta ins Mikrofon. Ein bisschen Anschmeicheln an die LGBT-Zielgruppe kann schließlich nicht schaden. Gerade hat das Duo S!sters seine Probe für den ESC in Tel Aviv absolviert. Anders als beim deutschen Vorentscheid werden Laura Kästel und Carlotta Truman nicht auf einer drehbaren Bühne zu sehen sein, sondern stehen am Anfang ihres Songs "Sister" weit auseinander, um dann aufeinander zuzugehen. Damit die beiden Frauen trotzdem miteinander agieren können, werden ihre Gesichter auf einer riesigen LED-Leinwand im Hintergrund zu sehen sein. Eine schöne Idee – zu einem Song, bei dem viele sagen, er sei "doch okay". Leider wird das am Samstagabend nicht reichen.

Im Video: Das sind die Favoriten beim ESC 2019

Nach dem zweiten Halbfinale stehen die Finalisten des Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv, Israel, auf der Bühne.

ESC 2019: Warum niemand das deutsche Duo auf dem Zettel hat

Deutschland droht beim Eurovision Song Contest 2019 erneut abzustürzen. Nach der guten Platzierung von Michael Schulte (4. Platz) im vergangenen Jahr schien der Erfolg zurück zu sein. Endlich wieder ein bisschen Lena-Land. Doch glaubt man den Buchmachern und den internationalen Fans, wird S!sters sich eher im Levina-Ann-Sophie-Jamie-Lee-Punktekeller wiederfinden. "Deutschland? Weit hinten!", heißt es unisono. Selbst den letzten Platz halten einige für möglich.

Haben Kästel und Truman das verdient? Nein! Die beiden schlagen sich in Israel gut. Sie sind im Eurovillage am Strand von Tel Aviv vor tausenden Zuschauern aufgetreten und machen genau das, was sie tun sollen: funktionieren. Doch das ist nicht genug. Es kommen gleich mehrere Dinge zusammen, die sich negativ auf die Platzierung auswirken werden.

Der Song "Sister" ist kein Hit. In Deutschland hat er es knapp unter die Top 100 der Charts geschafft. Auch die Botschaft des Liedes kommt nicht an. Es geht um die Verschwesterung von Frauen, die in einer von Männern dominierten Welt zusammenhalten sollen. Doch das nimmt man Kästel und Truman kaum ab. Die Castingshow-Veteraninnen ("Star Search" und "The Voice Kids") sind keine zweite Netta – und auch keine zweiten Michael Schulte, der mit dem Song über seinen verstorbenen Vater 2018 zu Tränen rührte.

Selbst England weiß besser, wie ESC geht

Viele andere Länder sind sehr viel besser. Nicht nur die Favoriten wie Schweden, Holland oder Russland. Auch Teilnehmer, die sich am Ende nur im Mittelfeld tummeln, können besser ESC. Zum Beispiel Michael Rice aus Großbritannien. Einem Land, das sich in den vergangenen Jahren beim ESC ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckerte und jetzt vermutlich noch den Brexit-Malus erhält. Doch wer den ziemlich runden Rice (er besitzt einen Waffelladen und isst gerne) bei der Probe erlebt hat weiß, was Bühnenpräsenz bedeutet. Er rotzt sein "Bigger" frech raus. Fantastisch, frech und mutig. Rice hat Spaß – und das ist ihm anzumerken.

Sollte kein Punktewunder geschehen, müssen sich die deutschen Zuschauer fragen lassen, was sie geritten hat, dieses Duo im Vorentscheid nach Tel Aviv zu schicken. Müsste man doch zu einer internen Auswahl zurückkehren, wie die Niederlande es mit dem Favoriten Duncan Laurence vorgemacht haben? Oder muss im NDR-Vorentscheids-Modus erneut alles auf den Kopf gestellt werden? Die Analyse wird hart und schwierig werden.

Als der ESC 1979 in Jerusalem stattfand, schickte Deutschland schon einmal eine gecastete Band, die niemand kannte, nach Israel. Damals belegten Dschinghis Khan mit "Dschinghis Khan" den vierten Platz. Eine Sensation, die sich dieses Jahr nicht wiederholen wird.

Im Video: Das ESC-Finale ist komplett

Video: Das ESC-Finale ist komplett


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