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Vorentscheid: Gesucht: Song und Sänger für den Eurovision Song Contest

Deutschland will weg vom letzten Platz: Der ESC-Vorentscheid 2017 soll nach den enttäuschenden Ergebnissen der vergangenen Jahre anders ablaufen. Die Verantwortlichen setzen auf ein Konzept, mit dem Lena Meyer-Landrut bereits Erfolg hatte.

Die Jury des ESC-Vorentscheids 2017: Tim Bendzko, Lena Meyer-Landrut und Florian Sibereisen (v.l.n.r.)

Die Jury des ESC-Vorentscheids 2017: Tim Bendzko, Lena Meyer-Landrut und Florian Sibereisen (v.l.n.r.)

Ein neuer Song für Deutschland soll gefunden werden und auch der passende Künstler fehlt noch. Beides soll am kommenden Donnerstag beim ESC-Vorentscheid festgelegt werden. In Köln treten fünf Sänger und Sängerinnen an, sie wollen beim Eurovision Song Contest (ESC) 2017 in Kiew die enttäuschenden Platzierungen der vergangenen Jahre wieder gut machen.

Fünf Kandidaten sind noch im Rennen 

Nachdem 2016 eine kunterbunte Mischung aus oft schon etablierten Musikern und Bands um das Ticket buhlen durfte, kehrt der zuständige NDR dieses Jahr zu einem klassischen Casting zurück. Es gab offenes Vorsingen in Köln und Hamburg, zudem ein Online-Bewerbungsverfahren. Gesucht wurden ausdrücklich Einzelkünstler, keine Bands. Nach und nach fand man so fünf junge Musiker, die nun gegeneinander antreten.

Die Namen dürften höchstens Experten etwas sagen. Ins Rennen gehen Yosefin Buohler (21), Axel Maximilian Feige (28), Felicia Lu Kürbiß (21), Isabella "Levina" Lueen (25) und Helene Nissen (20). Der neue ESC-Jahrgang bringt hier und da bereits Casting-Erfahrung mit, Felicia Lu Kürbiß etwa stand im Finale von "Rising Star". In dieser Altersklasse von Musikern heißt das aber eigentlich nichts, mittlerweile wurde gefühlt ja schon halb Deutschland durchgecastet. Mit einem riesigen Bekanntheitsvorsprung kann jedenfalls keiner der Kandidaten auftrumpfen. Das heißt: gleiche Ausgangsbedingungen.

Wilhelm Richter (o.l.), Isabella Lueen (o.r.), Helene Nissen, Axel Maximilian Feige und Felicia Lu Kürbiß (v.l.n.r.)

Wilhelm Richter (o.l.), Isabella Lueen (o.r.), Helene Nissen, Axel Maximilian Feige und Felicia Lu Kürbiß (v.l.n.r.) könnten beim ESC für Deutschland singen

Alte Erfolgsrezepte werden aufgegriffen

Hinzu kommt, dass auch der Song, den der Gewinner oder die Gewinnerin beim ESC am 13. Mai singen wird, bereits geschrieben ist. Er heißt entweder "Perfect Life" oder "Wildfire", beide Titel stammen aus der Feder ausländischer Komponisten. Im Vorentscheid muss das Publikum nicht nur den besten Kandidaten bestimmen, sondern auch den besseren der beiden Songs. Das macht das Verfahren etwas kompliziert, soll aber dazu führen, dass diesmal mehr herausspringt als der letzte Platz, den Jamie-Lee Kriewitz 2016 in Stockholm einfuhr. Auch die hatte einst mit "The Voice of Germany" ein Casting gewonnen, konnte davon aber international nicht profitieren.

Wer bei all dem leise den Namen "Lena Meyer-Landrut" im Innenohr zu hören glaubt, liegt wohl nicht ganz falsch. Die bislang letzte deutsche ESC-Gewinnerin ist für die diesjährige Auswahl in mehrfacher Hinsicht relevant. Zum einen, weil sie eben damals - vor ihrem Sieg 2010 - auch in einem ESC-Casting gefunden worden war und anschließend eine Art Blaupause lieferte, wie aus einem unbeschriebenen Blatt ein europäisches Phänomen werden kann. Zudem stammte auch ihr Hit "Satellite" von einem internationalen Komponisten-Gespann. Das diesjährige Verfahren klingt ganz ähnlich.

Beim ESC-Vorentscheid kann jeder abstimmen 

Klar ist aber auch: 2017 ist nicht 2010. Erfolgreiche Formeln funktionieren oft einmal und dann nie wieder. Die Schweden beispielsweise mühten sich regelmäßig daran ab, ein zweites Abba zu entdecken. Der deutsche Teilnehmer müsste wohl mehr zu bieten haben, als ein Lena-Wiedergänger zu sein.

Darüber befinden kann übrigens jemand, der die entsprechende Kompetenz für den Lena-Faktor mitbringt. Lena Meyer-Landrut sitzt praktischerweise selbst in der Jury des Vorentscheids, zusammen mit Volksmusik-Moderator Florian Silbereisen und Sänger Tim Bendzko. Allerdings nur in kommentierender Rolle - so wie beim Lena-Casting 2010. Die Entscheidung liegt allein bei den Zuschauern. Das Erste überträgt den ESC-Vorentscheid am 9. Februar ab 20.15 Uhr.

ESC 2016: Zehn Fakten fürs Song-Contest-Angeberwissen
fri / DPA