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ESC-Vorentscheid-Gewinner Elaiza: Die Fräuleinwunder vom Lande

Ela wer? Elaiza! Eine völlig unbekannte Girlgroup hat den ESC-Vorentscheid gewonnen. Wer sind die drei Mädels vom Lande, die Unheilig geschlagen haben, und welche Chancen haben sie in Kopenhagen?

Von Jens Maier, Köln

Mit Tränen in den Augen sitzt Ela Steinmetz da. "In der Garderobe habe ich geweint", gibt die Sängerin der Band Elaiza am Donnerstagabend in Köln auf der Pressekonferenz zu. "Ich wollte nicht vor der Kamera weinen", erklärt sie, weil ja niemand denken solle, dass sie traurig sei an diesem Jubeltag. "Aber als ich allein war, brachen alle Dämme." Es waren Tränen des Glücks.

Völlig überraschend hat die unbekannte Band Elaiza den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gewonnen. Die drei Mädels um Frontfrau Steinmetz, Akkordeonspielerin Yvonne Grünwald und Bassistin Natalie Plöger haben mit ihrem Gute-Laune-Titel "Is it right" selbst die deutschen Musikgrößen Unheilig und Santiano hinter sich gelassen und sich das Ticket für Kopenhagen gesichert. Eine kleine Sensation.

Drei Mädels vom Lande ringen den Grafen nieder. Das ist fast so, als hätte die Frauenmannschaft des VfR 09 Saarbrücken die millionenschweren Jungs vom FC Bayern zu Fall gebracht. Elaiza sind die Siegerinnen der Herzen. Das Publikum scheint sich in die Geschichte der Nobodys, die plötzlich auf der ganz großen Bühne stehen, geradezu verliebt zu haben. Nicht nur ihr Song, sondern vor allem ihre sympathische Art dürfte am Ende den Ausschlag für den klaren Sieg gegeben haben.

Youtube, Köln, Kopenhagen

Wer sind die drei Mädchen, die Deutschland verzaubern? Sängerin Ela Steinmetz ist in der Ukraine geboren und zog nach dem Tod ihres Vaters als achtjähriges Kind mit ihrer polnischen Mutter ins Saarland. Die Musik war ihr in die Wiege gelegt. Ihre Mama ist selbst Jazz- und Opernsängerin und hat sie bei ihrem Wunsch, als Singer- und Songwriterin zu arbeiten, bestärkt. Mit 16 Jahren zog die heute 21-Jährige nach Berlin. Und lernte dort - Achtung - bei einer "Schnapsverkostung", wie es in einer Pressemitteilung heißt, die aus Sachsen-Anhalt stammende Yvonne und Ostfriesin Natalie kennen.

Schnapsverkostung? "So ganz stimmt das nicht", stellt die Sängerin mit den blonden Stoppelhaaren klar. "Ich habe Yvonne in Berlin im Studio bei Proben kennengelernt." Als die Idee geboren war, eine Mädchenband zu gründen, hätten sie sich auf die Suche nach einer Kontrabassistin gemacht. "Natalie haben wir dann über einen Freund kennengelernt, der auch Schnaps brennt." So entstehen Legenden.

Vielen ESC-Fans scheint mit der Wahl der Happy-Band ein Stein vom Herzen gefallen zu sein. "Alles ist besser als der Grusel-Graf", sagt einer in der Kölnarena. Doch das wird sich erst in Kopenhagen zeigen. Dass sie jetzt für Deutschland zum ESC fahren, können die drei selbst kaum fassen. "Erst Youtube, dann Hamburg, dann Köln, und jetzt Kopenhagen!", sagt Steinmetz stolz über den kometenhaften Aufstieg. Kommt da etwa noch mehr? Steht Deutschland nach Lenas Sieg beim ESC in Oslo 2010 ein neues Fräuleinwunder bevor?

In Kopenhagen nur Außenseiter

Ihre natürliche Art und ihre Begeisterung für die Musik werden Elaiza sicherlich auch in Kopenhagen viele Sympathien einbringen. Ela kann nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Russisch und Englisch losquasseln, was das Zeug hält. "Is it right" wird seine Fans finden. Englische Buchmacher sehen den Song momentan auf Rand zehn. Von einem Sieg allerdings kann keine Rede sein. Vor 130 Millionen Fernsehzuschauern quer durch Europa und gegen 24 Konkurrenten im Finale zu bestehen, ist eine andere Hausnummer, als die Kölnarena zum Schunkeln zu bringen.

Untergehen, wie einige unken, werden Elaiza trotzdem nicht. Schließlich hat Deutschland mit Saarländerinnen beim Grand Prix keine schlechten Erfahrungen gemacht. 1982 war da ein kleines Mädchen aus Saarbrücken, das mit seiner weißen Gitarre von "Ein bisschen Frieden sang". Der Rest ist Geschichte.