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Österreichische Medien stänkern gegen Ann Sophie

Während Ann Sophie mit Charme und Witz daran arbeitet, dem Gastland Österreich zu gefallen, nennt die lokale Presse sie eine "Zicke". Jetzt sagte die Sängerin auch noch einen Auftritt ab.

Von Lars Peters, Wien

Beim ESC hört die Freundschaft zwischen Österreich und Deutschland auf: Bei 47 gemeinsamen Teilnahmen am Liederwettstreit gab Deutschland dem Alpenland 30 Mal null Punkte. Sogar Udo Jürgens blitzte 1966 bei seinem Sieg mit "Merci, Cherie" ab. Null Punkte von den Piefkes! Umgekehrt fällt die Bilanz nur wenig besser aus: Österreich ließ Deutschland 21 Mal bei der Punktevergabe links liegen. Nicole bekam mit "Ein bisschen Frieden" 1982 immerhin ein Mitleidspünktchen. "Wir haben noch Luft nach oben", sagte Österreichs Kulturminister Josef Ostermayer beim ESC-Empfang des deutschen Botschafters in Wien.

Ann Sophie tut hier in Wien alles, damit der Zähler nach ihrem Auftritt am Samstag nicht auf 22 springt. Dass das einiges von ihr abfordern würde, war der 24-jährigen Hamburgerin von Anfang an klar: Umfangreiche Proben, offizielle Termine, Interview-Marathons. Ihre Tage in Wien sind von morgens bis zum späten Abend durchgetaktet. Und immer heißt es: Lächeln, freundlich sein, singen.

Ihre Charmeoffensive zeigt bei den internationalen Journalisten in Wien Wirkung: Bereits bei der ersten Pressekonferenz am vergangenen Sonntag überzeugte sie mit Humor und Schlagfertigkeit. Direkt danach ging es weiter mit Einzelinterviews, auch mit dem stern. Und auch hier hatte Ann Sophie Spaß, war gut gelaunt und flirtete mit den Zuschauern, die live über Periscope zugeschaltet waren.

Umso größer war die Überraschung am Dienstag beim Blick in die kostenlose österreichische Tageszeitung "Heute". Die hatte am selben Tag wie der stern ein Interview mit Ann Sophie geführt und fand sie dabei "ganz schön zickig", weil sie angeblich beim Händeschütteln sitzen geblieben sei, genervt wirkte und auch beim Tschüss sagen nicht aufstand.

Heute legt nun die österreichische Boulevard-Website "oe24.at" nach: Jede Regung von Ann Sophie wird da analysiert. So werden ihr im Handumdrehen "miese Laune", "gequältes Lächeln" und "mürrische" Antworten attestiert. Dass Ann Sophie erkältet und damit jeder öffentliche Termin harte Arbeit ist und Überwindung erfordert, wird dabei mit keinem Wort erwähnt. Am Mittwoch sagte sie aufgrund ihrer Erkältung sogar einen Auftritt im Eurovision Village vor dem Wiener Rathaus ab. Reine Vorsichtsmaßnahme, heißt es. So werden ganz sicher keine Brücken gebaut, wie es das Motto des ESC mit diesem Wettbewerb eigentlich vorsieht.

Die Aussagen der österreichischen Presse wirken über weite Strecken an den Haaren herbeigezogen. Im Interview mit dem stern, das am selben Tag geführt wurde, war Ann Sophie jedenfalls bestens gelaunt. Das Video davon gibt es hier. Mürrisch oder gar zickig war sie da zu keinem Zeitpunkt. Auch bei der Pressekonferenz am heutigen Vormittag plänkelte Ann Sophie locker mit den Journalisten.

Das "Kümmert-Gate" ist immer noch präsent

Kurz angebunden war sie nur bei einer Frage: Eine Journalistin wollte wissen, wie nach den gut verlaufenen Proben hier in Wien nun die Unterstützung in Deutschland sei. Eine Anspielung auf den deutschen Vorentscheid, bei dem eigentlich Andreas Kümmert gewonnen hatte. Ann Sophie antwortete, dass ja auch ein paar Leute für sie beim Vorentscheid angerufen hätten. Von diesen, aber auch von Menschen hier in Wien vor Ort erfahre sie viel Unterstützung. "Wenn das die Frage beantwortet", schiebt die Deutsche kurz hinterher und wendet sich dem nächsten Journalisten zu.

Für einen Moment ist hier nicht die starke und immer professionelle, sondern die verletzliche Ann Sophie zu sehen. Denn so sehr sie es auch versucht: Das "Kümmert-Gate" konnte sie immer noch nicht hinter sich lassen. Sicher auch, weil es selbst in Deutschland immer wieder thematisiert wird.

Es wird Zeit, dass die Deutschen endlich nach vorn schauen und Ann Sophie die Unterstützung zukommen lassen, die sie verdient. Und ihr allem voran die Daumen drücken, dass sie gesund ist für den großen Auftritt. So kann sie am Samstag unbeschwerter auf die Bühne der Wiener Stadthalle gehen und mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Talent auch die österreichischen Zuschauer überzeugen. Beim Voting sollten Punkte aus Österreich für Deutschland dann eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

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