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Hotspot: Von Berlin begeistert: Ein Liebesbrief der Pet Shop Boys

Von Bowie, Depeche Mode und U2 gibt es herausragende Alben aus und über Berlin. Nun haben auch die Pet Shop Boys in den berühmten Hansa Studios eine starke Platte gemacht. Die Briten sind langjährige Fans der deutschen Hauptstadt - und «Hotspot» bezeugt das.

Pet Shop Boys

Die Pet Shop Boys stehen auf Berlin. Foto: Phil Fisk/dpa

David Bowie hat es getan, aber auch Depeche Mode und U2. Die «Berlin-Alben» dieser Pop-Ikonen - «Heroes» (1977), «Some Great Reward» (1984), «Achtung Baby» (1991) - gehören zu ihren besten Werken.

Nun reihen sich auch die Pet Shop Boys bei den großen Musikern ein, die von der Atmosphäre der (längst legendären) Hansa Studios am Potsdamer Platz zu einer starken Platte inspiriert wurden.

Ob «Hotspot» wie die oben Genannten ein Klassiker wird, muss sich erst noch zeigen. Die zehn Tracks umfassende Songsammlung enthält immerhin alles, was langjährige Fans des englischen Elektropop-Duos lieben: eingängige Melodien zwischen Dancefloor-Euphorie («Happy People») und nachmitternächtlicher Melancholie («Only The Dark»), treibende House-Beats, liebevolle Großraumdisco-Zitate («Monkey Business»), bittersüße Balladen - und tolle Texte voll schlauer Ironie, mit ganz viel schwulem Selbst- und Stilbewusstsein.

«Very sophisticated», wie der Brite sagt - also sehr weltklug und elegant. Man fühlt sich an die grandiose Musik der Pet Shop Boys in den 80er und 90er Jahren erinnert, als Sänger Neil Tennant und Tastenzauberer Chris Lowe mit Welthits wie «West End Girls», «Suburbia» und «It's A Sin» die Tanzflächen beherrschten. Die dazugehörigen Studioplatten, von «Please» (1986) bis «Bilingual» (1996), werden bis heute als perfekter Pop gerühmt. Rund 100 Millionen Tonträger sollen die Pet Shop Boys seit ihrer Gründung vor fast 40 Jahren verkauft haben.

Nun also «Hotspot», das mit dem Starproduzenten Stuart Price aufgenommene «Berlin-Album» der beiden gut gealterten «Jungs aus der Tierhandlung». Der Titel dürfte nicht zufällig gewählt sein, denn Tennant (65) und Lowe (60) schätzen die deutsche Hauptstadt als besonders «heißen Ort» unter den europäischen Metropolen.

Im peitschenden Opener «Will O The Wisp» ist eine weibliche Ansagestimme der U-Bahn-Station «Hallesches Tor» zu hören; in den Songzeilen des Schmusesongs «You Are The One» über eine Berlin-Romanze tauchen «Mitte» und «Warschauer Straße» auf; das Video zur Single «Dreamland» wurde unter dem Alexanderplatz gefilmt.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur kommt Tennant kaum aus dem Schwärmen heraus: «Vor zehn Jahren haben wir ein Apartment in Berlin gekauft. Und wir haben da Songs geschrieben. Wir mögen Berlin also sehr, das ist ein sehr produktiver Ort für uns.»

Zudem sei das Leben in Berlin im Vergleich zu London angenehm entschleunigt. «Es gibt dort mehr Fläche für viel weniger Menschen, und es ist sehr grün. In 20 Taxi-Minuten sind wir von unserem Apartment aus an einem See. Und wir lieben auch die Musikszene, die vielen kleinen Clubs an der Warschauer Straße, die Galerien, das Herumflanieren.»

Als es darum ging, nach «Electric» (2013) und «Super» (2016) das dritte Album einer Trilogie mit rein elektronischer Musik zu produzieren, wurde Produzent Price von Los Angeles in die berühmten Hansa Studios gelotst. Die neue Umgebung beeinflusste den im besten Sinne nostalgischen Synthiepop-Sound von «Hotspot». Das Album sei «ganz anders geworden» als die beiden Vorgänger, sagt Tennant - und es klinge «wie ein Liebesbrief an die Stadt».

«Hotspot» endet mit einem ziemlich irrwitzigen Track namens «Wedding In Berlin», der den berühmten Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy per Synthie-Fanfare zitiert und sich tatsächlich um eine Hochzeit dreht. «Ein Freund von uns, der Künstler Thilo Heinzmann, hat in Berlin geheiratet», erzählt Tennant. «Wir konnten da nicht hin, weil wir gerade auf Tournee waren. Stattdessen haben wir für Thilo und seine Frau ein Stück geschrieben, es wurde nur ein einziges Mal gepresst, wir gaben es den beiden. Sie haben es auf der Hochzeitsparty gespielt.»

Dann habe ihr Produzent den Song gehört und empfohlen, ihn für «Hotspot» zu verwenden. «Jetzt passt er richtig gut ans Ende des Albums. Als Mixtur von Mendelssohn Bartholdys Hochzeitsmarsch und den Techno-Sounds aus dem Berliner Berghain - also zwei gute deutsche Traditionen in einem Lied», sagt der Sänger lachend.

So sehr die Pet Shop Boys auch heute noch für ihre Verdienste um eine smarte, kultivierte Tanzmusik geliebt werden - an der Spitze der Bewegung stehen sie logischerweise nicht mehr, daran wird auch ihr 14. Studioalbum nichts ändern. Für Tennant kein Problem: «Über unseren Status machen wir uns nicht so viele Gedanken. Wir finden immer noch ein Publikum, wir machen einfach weiter.»

Auf «Hotspot» ist er ziemlich stolz: «Wenn man die neue Platte hört - ich denke, man merkt ihr nicht an, dass sie von zwei Männern in ihren Sechzigern gemacht wurde, oder? Das ist doch schon mal eine tolle Sache.»

«Dreamland»-Konzerte mit den Single-Hits der Pet Shop Boys im Mai: 01.05. Berlin, Mercedes-Benz-Arena; 02.05. Oberhausen, König-Pilsener-Arena; 08.05. Leipzig, Arena; 10.05. Stuttgart, Porsche Arena, 19.05. München, Olympiahalle, 20.05. Frankfurt/Main, Jahrhunderthalle, 22.05. Hamburg, Barclaycard Arena

dpa