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Oxford Ist klassische Musik kolonialistisch? Universität will Mozart und Beethoven einschränken

Ludwig van Beethoven
Ludwig van Beethoven soll künftig in Oxford nur noch eingeschränkt gelehrt werden.
© Vladimir Gerdo/ / Picture Alliance
Mit dieser Ankündigung hat die Oxford University für Wirbel gesorgt: Man wolle das klassische Repertoire einschränken. Neben Komponisten wie Mozart und Beethoven sollen künftig auch andere Musikformen stärker behandelt werden.

Die "Black Lives Matter"-Proteste zeigen offenbar auch Auswirkungen auf den universitären Lehrplan. Wie die britische Sonntagszeitung "The Sunday Telegraph" berichtet, plant die Oxford Universität, künftig weniger klassische Musik, dafür mehr diversere Musikformen zu behandeln.

Die Begründung: Notation, auf der die westliche Kunstmusik basiert, werde von einigen Professoren als "kolonialistisch" gebrandmarkt. Die Änderung solle vor allem das Grundstudium betreffen. Offenbar waren aus dem Kollegium Stimmen laut geworden, die in dem Lehrplan "Komplizenschaft mit weißer Vorherrschaft" (white supremacy) sahen.

Die Tageszeitung zitiert die Kritik von Professoren, das in Oxford behandelte Repertoire würde zu viele Werke "weißer europäischer Komponisten aus der Ära der Sklaverei" behandeln. Gemeint sind damit die bekannten Klassiker wie Haydn, Mozart oder Beethoven. In Großbritannien wurde die Sklaverei 1807 abgeschafft, in den USA erst 1865.

Mehr HipHop und Jazz

In Dokumenten aus der Fakultät, die der Sonntagszeitung vorliegen, soll Notation als "kolonialistisches Unterdrückungssystem" bezeichnet worden sein. Sollte man weiterhin komponierte Musik lehren, die "ihre Verbindung zur kolonialistischen Vergangenheit nicht abgelegt habe", wäre das ein "Schlag ins Gesicht" für manche Studenten. Künftig solle mehr Wert auf andere Musikformen wie HipHop, Jazz sowie "nicht-eurozentrische Themen" gelegt werden.

Oxford: Ist klassische Musik kolonialistisch? Universität will Mozart und Beethoven einschränken

Befürchtungen, klassische Musik könne ganz von den Lehrplänen verschwinden, erteilte ein Sprecher der Oxford University auf Anfrage des Radiosenders "classic.fm" eine klare Absage: Man werde weiterhin kritische Analyse und die Geschichte in westlicher Kunstmusik lehren und das Angebot auf keinen Fall reduzieren. Gleichzeitig bemühe sich die Universität aber um Wege, den Studenten eine größere Bandbreite an nicht-westlichen Kulturen und populärer Musik aus aller Welt anzubieten, als dies bisher geschehen sei.

Die neuen Pläne stoßen innerhalb der Fakultät nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die westliche Kunstmusik und die Notation habe ihre Wurzeln in der liturgischen Musik des Mittelalters wie den Gregorianischen Gesängen - und trete damit zeitlich weit früher auf als die Sklaverei.

Verwendete Quelle: "The Sunday Telegraph""classic.fm"

che

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