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"Maria Magdalena"-Sängerin: Was macht eigentlich ... Sandra?

Der Song "Maria Magdalena" machte die Sängerin 1985 weltberühmt: Er wurde in über 20 Ländern zur Nummer eins.

Sandra,56, in München. Sie lebt in der bayerischen Hauptstadt und auf Ibiza

Sandra, 56, in München. Sie lebt in der bayerischen Hauptstadt und auf Ibiza

Dauerwelle, Schulterpolster, dicker Lidstrich – so sahen Sie früher als Popstar aus. Wann sind Sie zuletzt so herumgelaufen?

Das ist schon ewig her. Allerdings habe ich Naturlocken. Ohne Glattföhnen sehe ich immer noch so aus. Nur dass die Haare nicht mehr so lang sind. Und die Schulterpolster lasse ich natürlich weg. Heute finde ich: Weniger ist mehr!

1985 stürmten Sie mit "Maria Magdalena" die Charts und wurden über Nacht berühmt. Wie fühlte es sich an, plötzlich überall die Nummer eins zu sein?

Es war unfassbar, als der Song in den Charts immer weiter nach oben kletterte. Genau wie bei meinem zweiten Hit "In the Heat of the Night": Da überholte ich plötzlich Elton John. Damit hätte ich nie gerechnet.

Und, wie hoch war der erste Scheck der Plattenfirma?

Das weiß ich leider nicht mehr. Aber es war genug, um in den nächsten Jahren die Miete zu zahlen. 1987 kaufte ich dann auf Ibiza eine Finca.

Wie haben Sie sich sonst noch belohnt?

Sagen wir es so: Die nächste Boutique war meine. Ich shoppte bis zum Gehtnichtmehr. Ich liebte die Mode von Jean Paul Gaultier, besonders seine Jacketts. Was ich an Geld für Klamotten ausgab, Wahnsinn!

Hört sich nach einem Leben in Saus und Braus an.

War aber nicht so. Weil mein Englisch nicht so gut war, zog ich für acht Monate nach London und machte jeden Tag sechs Stunden lang einen Crash-Sprachkurs, um weltweit Interviews geben zu können. Nebenbei nahm ich Schlagzeug- und Gesangsunterricht. Das war anstrengend.

Damals waren Sie erst 23. Wie hat der Erfolg Ihr Leben verändert?

Nicht besonders. Schon vor meiner Solokarriere war ich als Leadsängerin des Mädchentrios Arabesque sehr viel unterwegs, vor allem in Japan. Dort waren wir so populär wie Abba, verkauften Millionen Alben und gaben Konzerte vor bis zu 40.000 Menschen. Ständig im Studio oder auf Tour zu sein war nichts Neues.

Bekamen Sie viele Liebesbriefe?

Dazu wirkte ich wohl zu unnahbar. Allerdings kamen jeden Monat zehn Kisten voller Autogrammwünsche. Ob im Tourbus oder Flieger: Damals unterschrieb ich ständig Autogrammkarten.

Haben Sie sich inzwischen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen?

Das sagen meine Freundinnen auch immer: "Du bist zu wenig präsent!" Das will ich aber auch gar nicht sein. Ich bin kein Fan des roten Teppichs, gehe grundsätzlich nicht auf Events. Das mache ich nur, wenn es sein muss. Die Bühne ist mein Ding.

Viele Popstars aus den Achtzigern sind heute in Osteuropa sehr begehrt. Sie auch?

Ja, besonders in Russland. Im September gehe ich wieder auf Tour und gebe dort bis April jeden Monat acht bis zehn Konzerte vor bis zu 60.000 Menschen. Es sind große Revue-Shows, bei denen ich mit bis zu zwölf Tänzern auf der Bühne stehe. Wir tragen glamouröse Kostüme, die ich selbst entworfen habe. 2019 werde ich dann auch mein neues Studioalbum veröffentlichen.

Sie leben seit gut 30 Jahren überwiegend auf Ibiza. Haben Sie mal über eine Rückkehr nach Deutschland nachgedacht?

Tatsächlich überlege ich, mein Haus zu verkaufen. Ibiza war schon immer eine Partyinsel, aber was heute hier los ist, geht mir auf den Senkel; vor allem die besoffenen Engländer. Ich habe in München noch eine Wohnung. Da zieht es mich hin. Die meisten meiner Freunde wohnen hier, und ich fühle mich in München sehr wohl.

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