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Musikgeschmack Studie: Menschen hören am liebsten Musiker, die ihnen charakterlich ähnlich sind

Frau hört Musik mit Kopfhörern auf dem Bett
Musikvorlieben orientieren sich am Charakter der Künstler, hat eine Studie herausgefunden
© Andrea Piacquadio / Pexels
Warum mögen wir bestimmte Musiker und andere nicht? Eine Studie hat herausgefunden, dass das eng mit der Persönlichkeit des Künstlers zusammenhängt – beziehungsweise dem, was wir dafür halten. Damit lässt sich für Musiker sogar Geld verdienen.

Welche Musik wir gerne hören, lässt sich meistens kaum rational erklären. Manche Menschen neigen eher dazu, sich in traurigen Phasen mit Gute-Laune-Musik aufzumuntern, manche brauchen dann eher melancholische Texte und Töne. Und welche Faktoren sind es überhaupt, die darüber bestimmen, wie sich unser Musikgeschmack ausprägt? Wirklich befriedigende Antworten darauf gibt es auch in der Wissenschaft (noch) nicht.

Forscher der Barl-Ilan-Universität in Tel Aviv und der Columbia Business School bieten einen neuen Erklärungsversuch an. In dem Fachjournal "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlichten die Psychologen eine Studie mit dem Titel "The self-congruity effect of music". Dafür befragten sie mehr als 80.000 Menschen zu ihren Musikvorlieben und kamen zu dem Ergebnis: Wir hören am liebsten die Musik von Künstlern, die uns charakterlich ähnlich sind – oder von denen wir es zumindest glauben.

Wissenschaftler untersuchten 50 bekannte Musiker

Die Probanden wurden in der Studie nicht nur nach ihrem Musikgeschmack gefragt, es wurden auch Persönlichkeitsmerkmale erhoben. Danach analysierten die Wissenschaftler die öffentliche Wahrnehmung von 50 berühmten Musikern und Bands verschiedener Genres – darunter befanden sich zum Beispiel Paul McCartney oder Bob Dylan, aber auch moderne Künstler wie Coldplay oder Taylor Swift. Aus deren Darstellung in der Öffentlichkeit und ihren Songtexten wurden Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Künstler gezogen.

Beim statistischen Abgleich der Künstlerpersönlichkeiten und der Merkmale ihrer Fans zeigten sich Übereinstimmungen, ein sogenannter "Selbst-Kongruenz-Effekt". Unser Musikgeschmack wird demnach stark davon bestimmt, wie ähnlich wir uns dem Künstler fühlen. Das ergibt insofern Sinn, als dass wir uns mit der Musik von Menschen, die uns ähnlich sind, natürlich eher identifizieren können und uns dadurch verstanden fühlen. Andererseits bedeutet es auch, dass wir mehr oder weniger uns selbst zuhören und in einer Art musikalischer und charakterlicher Filterblase gefangen bleiben.

Erkenntnisse lassen sich für kommerzielle Zwecke nutzen

Die Frage, ob jemand lieber Metallica oder Coldplay hört, hängt also laut der Studie zu einem großen Teil davon ab, ob man selbst eher Bad Boy oder perfekter Schwiegersohn ist. Über den wahren Charakter der Musiker sagt das allerdings nur bedingt etwas aus – bewusst sprechen die Forscher auf der Künstlerseite nicht von "Persönlichkeiten", sondern von "Personas". Damit ist gemeint, dass es sich lediglich um die öffentlich wahrgenommen Persönlichkeit handelt, die auch nur eine Inszenierung sein kann (und es oft auch ist).

Diese Inszenierungen kann die Musikbranche auf Grundlage der Erkenntnisse der Studie nun noch genauer planen. Verschiedene Zielgruppen können durch eine bestimmte Darstellung eines Künstlers in der Öffentlichkeit angesprochen werden. Sandra Matz von der Columbia Business School, eine der Autorinnen der Studie, sagt: "Die Ergebnisse können Plattenlabels und Musikmanagern den Weg für neue Herangehensweisen ebnen, um Fans zu gewinnen."

Quellen: "The self-congruity effect of music" / "Fast Company"

epp

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