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Legendäres Duo Zum Ende von Daft Punk: Roboter mit Seele

Daft Punk 2006 beim Coachella Festival
Daft Punk im Jahr 2006 während ihres legendären Auftritts beim Coachella Festival
© Karl Walter / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP
Sie haben der elektronischen Musik fast drei Jahrzehnte lang den Weg gewiesen: Daft Punk wurden mit ausgefeiltem künstlerischen Konzept zu Weltstars – und blieben im Herzen trotzdem Punks. Jetzt beenden die beiden Franzosen ihre Zusammenarbeit. Eine Würdigung.

Dieses Ende ist seiner Protagonisten würdig, aber das ist auch kein Wunder, denn Daft Punk absolvierten ihre 28-jährige Geschichte stets mit so viel künstlerischer Würde, wie sie ein globaler Act der Popkultur eben aufzubringen vermag.

Das Ende dieser Bandkarriere ist ein würdiges: weil es aus dem Nichts kam, wie so viele Visionen und Sounds des Duos in der Vergangenheit. Einen letzten Knalleffekt per Epilog ins Netz gestellt – und Schluss:

Daft Punk machten dem zweiten Teil ihres Namens alle Ehre

Das passt zur kompromisslosen Haltung von Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo, die heute durch zahlreiche Adaptionen ihrer Nachahmer längst zur Pose verkommen ist. Aber Daft Punk waren die Vorreiter, die lange vor einem deutschen Rapper wie Sido hinter Masken agierten. 

Auch an die Grenzen, die sie mit Alben wie ihrem Debüt "Homework" (1997), das seinerzeit vom Musikmagazin "Spex" als "Urknall" bezeichnet wurde, oder mit Musikvideos wie "Da Funk" ausloteten, hatte sich vorher kaum jemand gewagt, zumal aus ihrem Genre. Und wie es nur echte Halunken ihres Fachs vermögen, nutzten sie die von den vorangegangenen Pop-Jahrzehnten abgestumpften Hörgewohnheiten ihrer Fans, um sich mit elektronischen Ohrwürmern, die sich immer scharf an der Grenze zur Nervtöterei bewegten, in deren Gehirne zu fräsen. Deshalb waren sie auch immer mehr als bloß die Roboter, die sie vorgaben zu sein: mindestens nämlich Roboter mit Seele.

Vor allem machten Daft Punk dabei dem zweiten Teil ihres Namens stets alle Ehre: Der repetitive Sound ihres ersten Welthits "Around The World" war nicht weniger zwingend als das Gitarrengeschrammel der Ramones. Bangalter und de Homem-Christo schlugen damit Brücken von einem legendären Rockschuppen wie dem CBGB’s in New York in die House-Clubs von Paris.

Später übernahmen ihre musikalischen Verehrer diese Verschmelzung der Grenzen. Kanye West sampelte zu einem Zeitpunkt, als er im Jahr 2007 zum heißesten Künstler der Welt hochgehandelt wurde, den Daft-Punk-Hit "Harder, Better, Faster, Stronger", um damit die erste Single seines dritten Albums around the world zu schicken.

Die frühen Daft Punk waren, so abgedroschen das klingt, ihrer Zeit am liebsten voraus, später machten sie bestimmten Zeiten auch gerne mal ein Ende: "One More Time" war 2000 nicht nur omnipräsente Hymne, sondern auch ironischer Abgesang auf den Hype um die europäische Tanzmusik der 90er – nur folgerichtig machte sie der Track als ihr erster US-Hit auch auf der anderen Seite des Atlantiks zu Stars.

Girlband

Die perfekte Pointe ihres Werks

Und während Daft Punk einerseits die Punk-Attitüde pflegten, verwalteten sie andererseits mit ihrer Interpretation von musikalischen Mensch-Maschinen auch das Erbe von Kraftwerk, den anderen Vorreitern der elektronischen Klänge auf kontinentalübergreifendem Niveau. 

Aber als wären sie davon irgendwann selbst gelangweilt gewesen, ließen sie es auf ihrem letzten Album "Random Access Memories" von 2013 plötzlich menscheln wie nie zuvor und luden sich eine illustre Schar an Gastmusikern von Julian Casablancas über Pharrell Williams und Nile Rodgers bis Chilly Gonzalez ins Studio: Das Ergebnis war ihre kommerziell erfolgreichste Platte, fünf Grammys und mit "Get Lucky" der größte Hit der Bandgeschichte.

"Sie tun zwar noch immer so, als bestünden sie nur aus Schaltkreisen, als kämen sie aus dem All und brächten uns fremde Klänge mit", schrieb der deutsche "Rolling Stone" damals in seiner Rezension. "Aber die besten dieser Klänge, und das geben Daft Punk mit dieser Platte zu, stammen ab: von den älteren lebenden Exemplaren der Gattung Homo Sapiens."

Wenn dem so ist, haben Daft Punk die perfekte Pointe ihres Werks in Albumform geschaffen. Nur wussten sie dann wahrscheinlich schon seit acht Jahren, dass danach nichts mehr kommen kann. Die Halunken.


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