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Swinging Sixties Nackt mit Perlenkette – BBC verfilmt die Skandalscheidung der "Dirty Duchess"

Claire Foy in "A Very British Scandal"
Claire Foy in "A Very British Scandal"
© BBC / PR
1963 zeigte ein Polaroidfoto die Duchess of Argyll beim Sex – splitternackt und nur mit ihrer dreireihigen Perlenkette bekleidet. Diese Sex-Selfies wurden ihr zum Verhängnis. Der Ehestreit der Aristokraten führte zur schmutzigsten Scheidung Englands und wird nun verfilmt. 

Die Swinging Sixties gelten als Jahrzehnt, in dem die Metropole London vor Lebenslust vibrierte. Britische Mode und Musik waren Top of the World. In diesem Jahrzehnt wurde die bitterarme dunkle Nachkriegszeit hinter sich gelassen und die britische Ständegesellschaft bekam ernsthafte Risse. Das lag an den Skandalen, die die Oberschicht lieferte. So etwas gab es schon früher, doch zuvor wurden diese Dinge unter den Teppich gekehrt. Über die Art der sexuellen Beziehung zwischen Edward VIII. und Wallis Simpson gab es zahlreiche Gerüchte, aber niemals wurden sie in der Presse breitgetreten. Doch in den 1960ern lieferten sich Boulevardpresse, Rundfunk und das neue Medium Fernsehen einen gnadenlosen Wettbewerb um die Gunst der Massen. Schonung für die oberen Zehntausend und ihre Privilegien konnte es da nicht mehr geben.

Und diese Meute zerriss auch die Herzogin von Argyll, die danach nur als die "Dirty Duchess" bekannt wurde. Ihr aufsehenerregender Scheidungsprozess wird nun von der BBC verfilmt. Claire Foy spielt die Duchess of Argyll in "A Very British Scandal". Sie spielte die junge Königin Elisabeth II. in der Serie "The Crown" , dafür erhielt sie 2017 den Golden Globe Award.

Das Leben eines wilden Mädchens

Margaret Whigham führte ein wildes Leben, bevor sie Ian Douglas Campbell, den 11. Duke of Argyll, ehelichte. Ihn soll vor allem das Geld, dass die Erbin in die Ehe brachte, verzaubert haben. Margaret liebte den Titel und vertraute auf den Comment der Aristokratie, die jede eheliche Demütigung dem öffentlichen Skandal vorzog. Unter diesem Schutz gedachte sie, ihr ausschweifendes Sexleben weiterzuführen. Aber offenbar überspannte sie den Bogen. Der Duke ertrug ihre Eskapaden nicht und suchte die Scheidung.

Im Geist der Zeit konnte eine Ehe nur wegen schweren Fehlverhaltens geschieden werden. Trennten sich die Paare einvernehmlich, musste eine Partei – meist der Mann – die Schuld auf sich nehmen. Die Gummiformeln lauteten dann "seelische Grausamkeit" oder "fortwährende Missachtung". Bei diesem Paar sah es anders aus, der Duke schreckte nicht davor zurück, seine Frau offen des Ehebruchs zu beschuldigen. Und zwar nicht mit einem Galan, sondern mit über 88 Männern. Dazu wurden die Beschuldigungen mit Fakten untermauert. Denn die Duchess liebte nicht nur den sexuellen Exzess, sie hielt die Spektakel auch noch mit der Kamera fest. Auf einem der Polaroids ist die Duchess beim Oralverkehr mit einem Mann zu sehen, auf einem anderen steht sie neben einem anderen nackten Mann, dessen Gesicht nicht zu erkennen ist. Auf beiden Fotos trägt sie die dreireihige Perlenkette. Ein Erbstück, für das sie in der Gesellschaft berühmt war. Diese Bilder vernichteten ihre gesellschaftliche Stellung.

Die geborene Aristokratin

Margaret Whigham, so ihr Geburtsname, hatte ihre ersten Affären als Teenager. Mit 15 wurde sie schwanger, der Missgriff wurde von der reichen Familie mit einer heimlichen Abtreibung vertuscht. Der Vater soll der damals 18-jährige David Niven gewesen sei, der später ein großer Filmstar werden sollte. 1930 wurde sie bei Hofe als Debütantin vorgestellt und sogar zur "Debütantin des Jahres" gewählt. Sie galt als eine der schönsten Frauen Londons und heiratete den Geschäftsmann Charles Sweeny. Die Ehe war turbulent auch wegen der beidseitigen Untreue und wurde geschieden. Mit 35 Jahren war sie wieder alleinstehend. Sie soll Affären mit den mächtigsten Männern Großbritanniens gehabt haben, mit dem Duke of Kent, dem Filmstar Cary Gran, mit Bankiers und Kunsthändlern. Das ging solange, bis sie den Duke of Argyll kennenlernte und heiratete. Der Duke hatte es auf ihr Geld abgesehen und sie auf den Ruhm und die Stellung der Familie. Sie liebte den Stammsitz seiner Vorfahren, Inveraray Castle. "Die Spitze war der Ort, an dem ich sein sollte", schrieb sie später. "Ich war eine Herzogin und Herrin über ein historisches Schloss geworden. Das Leben war anscheinend durch und durch rosig."

Die Duchess war mit sich im Reinen: "Ich war reich, ich sah gut aus. Als junge Frau war ich ständig fotografiert worden, man schrieb über mich, umschmeichelt und bewundert, ich war auf der Liste der zehn bestgekleideten Frauen der Welt, und Cole Porter hatte mich in seinem Lied "You're the Top" besungen."

Sex-Selfies werden ihr zum Verhängnis

Sie sah kein Problem darin, ihr altes Leben mit dem neuen Status zu verknüpfen. Margaret Campbell reiste um die Welt und flirtete mit berühmten und weniger berühmten Männern. Einmal soll sie einen 17-jährigen Teenager auf ihr Schloss zu einem Bad eingeladen haben. Als der Junge in der Wanne lag, schlüpfte sie nackt zu ihm. Ihr Verhalten belastete die Ehe schwer. In seinen Unterlagen führt der Duke seine Gattin nur als "S" – für Satan. Sie warf ihm Trunksucht und Diebstahl vor. Er hatte herausbekommen, dass seine Gattin versuchte, zu beweisen, dass die Söhne ihres Mannes aus früheren Ehen nicht seine eigenen Kinder waren. Dann wollte sie einen Jungen adoptieren, der dann legitimer Erbe gewesen wäre.

Dieses irrwitzige Manöver führte dann wohl zum endgültigen Bruch. Der Duke untersagte ihr per Gericht, das Schloss zu betreten und verlangte die Scheidung. Wenn die ihn nicht ruinieren sollte, musste er seiner Gattin den Ehebruch nachweisen. Also ließ er einen Schlosser den Schrank seiner Frau aufbrechen. Dort fanden sich die 13 Polaroids, die ihre Verfehlungen festhielten. Ein Mann, der von ihr einen Oralverkehr bekam, soll übrigens der Schwiegersohn von Winston Churchill, Duncan Sandys – damals Verteidigungsminister - gewesen sein. Die Duchess enthüllte bis zum Tod nie die Namen ihrer Liebhaber.

Schlammschlacht des Jahrzehnts

Ihr selbst fehlte in dem Prozess die Einsicht, die Fahne zu streichen, wenn eine Schlacht verloren war. Margaret Campbell war offenbar charmant, aber nicht klug. In einem Artikel hieß es: "Mag sein, dass ihr Vater in der Lage war, ihr schöne Ohrringe zu geben, aber zwischen den Ohren befindet sich nichts." Mit einem frühen Schuldeingeständnis hätte sie die peinliche Geschichte beenden können und sich die öffentliche Demütigung ersparen können. Stattdessen versuchte ihr Verteidiger, ihre Unschuld zu beweisen, indem er etwa anführte, dass Ehebruch um 9 Uhr morgens ganz unwahrscheinlich sei, weil niemand so früh Sex haben könne.

Ihr Gatte legte dem Gericht eine Liste mit 88 Männern vor, die allesamt Liebhaber seiner Frau gewesen sein sollen. Prominente, aber auch Knaben aus der Nachbarschaft. Sehr viel später beschrieb einer der Jungen, wie er seine Unschuld durch die Duchess verloren hatte. Der Prozess zerstörte ihren Ruf und ihre Stellung in der Gesellschaft. Der Richter war entsetzt. Die Urteilsbegründung umfasste 50.000 Worte und gilt als längste in der schottischen Rechtsgeschichte. Vor Gericht wurde ihr bescheinigt, sie sei "sexuell pervers" und "eine völlig promiskuitive Frau, deren sexueller Appetit nur mit einer Reihe von Männern befriedigt werden könne".

So gebrandmarkt konnte sie niemand mehr offiziell empfangen. Auch der Titel beruhte auf der Ehe, sie selbst war "nur" die Tochter eines amerikanischen Millionärs. Als sie auch die Reste ihres Erbes vertan hatte, lebte sie in einer kleinen Wohnung. 1993 starb sie vollkommen verarmt. Umsorgt wurde sie von einer Haushälterin, die alte Freunde und ihr erster Mann bezahlten, denn die Duchess war selbst nicht einmal in der Lage, sich einen Tee zuzubereiten.


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