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Uni Mainz: Studie: "Lügenpresse-Vorwürfe sind nicht haltbar"

Besonders während der Flüchtlingskrise 2015 wurde den Medien vorgeworfen, einseitig zugunsten der Zuwanderer zu berichten. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis: Das trifft nicht zu.

Ein Mann steht vor einem Zeitschriftenregal

Das Vertrauen in die Medien hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen

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Das Vertrauen in die Medien ist in den vergangenen Jahren stark gesunken – auch wegen der Kritik durch die AfD und die Pegida-Bewegung. Immer wieder macht dabei das Schlagwort "Lügenpresse" die Runde. Vor allem seit 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland eingewandert sind, wird den Medien vorgeworfen, überwiegend zugunsten der Zuwanderer zu berichten, negative Meldungen zurückzuhalten und so die Wirklichkeit zu verzerren.

Ein Forscherteam des Instituts für Publizistik an der Universität Mainz hat diesen Vorwurf nun wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse ihrer Studie "Auf den Spuren der Lügenpresse. Zur Richtigkeit und Ausgewogenheit der Medienberichterstattung in der 'Flüchtlingskrise'" präsentierten Marcus Maurer (Professor für Politische Kommunikation an der Uni Mainz) und seine Mitarbeiter Pablo Jost, Jörg Haßler und Simon Kruschinski in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift "Publizistik". Sie kommen darin zu dem Schluss: "Die Medienberichterstattung stellte die relevanten Fakten überwiegend korrekt dar."

Presse berichtete weitgehend korrekt

"Lügenpresse-Vorwürfe sind nicht haltbar", fasste Pablo Jost, einer der Forscher, in einem Tweet zusammen. Die Untersuchung habe gezeigt, dass die Medien keineswegs nur zugunsten der Flüchtlinge berichtet hätten. In der Berichterstattung seien Gewalt- und Sexualdelikte im Vergleich dazu, wie oft solche Vergehen in der Realität vorkommen, überrepräsentiert gewesen. Bei Alter, Geschlecht und Herkunft der Zuwanderer hätte sich die Presse in der Regel an die Fakten gehalten. Auch sei die Berichterstattung in Bezug auf Flüchtlinge nicht nur positiv gewesen, sondern vor allem nach den Geschehnissen der Kölner Silvesternacht 2015/16 zunehmend kritischer geworden.

Die Medienforscher hatten insgesamt 5000 Artikel und Beiträge zwischen Mai 2015 und Januar 2016 aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "Süddeutschen Zeitung" und "Bild" sowie den Fernsehnachrichtensendungen "Tagesschau" (ARD), "heute" (ZDF) und "RTL Aktuell" analysiert.

Quellen: Pablo Jost auf Twitter / "Publizistik" (Abstract)

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