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"Markus Lanz" Zoff zwischen Söder und Lanz: "Sie sind wieder sehr darauf aus, Ärger zu produzieren"

Markus Söder war bei der Sendung von Markus Lanz (v.) zugeschaltet
Kappelten sich per Bildschirm: Markus Söder war bei der Sendung von Markus Lanz (v.) aus Bayern zugeschaltet.
© Screenshot ZDF
Markus Söder stänkerte gegen Markus Lanz. Der stellte unbequeme Fragen. Auch wenn's dem bayerischen Ministerpräsidenten nicht gefiel – der Dialog hatte Unterhaltungswert.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Nun sagt schon, ab wann läuft das auf Netflix, also die Polit-Sitcom mit Markus Lanz und Markus Söder? Oder war das etwa alles? Dabei war das doch gar nicht mal so übel, was die beiden im Lanz-Talk am Mittwochabend abgeliefert haben. Hier und da müssten sie freilich noch an ihren Scharmützeln feilen, und auch noch die eine oder andere Schippe drauflegen, aber mit der nötigen Anstrengung wäre da vielleicht eine Serie mit Kultcharakter drin. Hören wir mal rein:

Söder (gewissenhaft): Ich bin ein braver ganz treuer gemeinsamer Unionswahlkämpfer und unterstütze dieses Wahlprogramm …  Lanz (süffisant): Ich habe selten so viele kleinere Schummeleien in einem einzigen Satz gehört. Söder (sauertöpfisch): Das ist aber jetzt nicht schön, wenn Sie das so sagen. Lanz (spöttisch): Dass sie der brave CDU-Wahlkämpfer sind, glauben Sie wohl selber nicht. Söder (bockig): Doch. Söder (legt nach): Aus tiefer Überzeugung, Herr Lanz. Lanz (sarkastisch): Natürlich.

Lanz vs. Söder hat Unterhaltungswert

Als sich der Moderator dann von dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef verabschiedete, konnte er sich den nächsten ironisch aufgeladenen Seitenhieb nicht verkneifen: "Ein starker Mann aus Bayern, ein aufrechter CDU-Wahlkämpfer, den wir da gehört haben."  Zuvor hatte Lanz noch gemeint, aus den Äußerungen Söders herausgehört zu haben: "Sie schätzen Robert Habeck sehr und Annalena Baerbock nicht." Worauf Söder versuchte, aus der Position eines Oberstufenlehrers zu parieren: "Sie sind heute wieder sehr drauf aus, Ärger zu produzieren, ich sehe das schon, aber ich lasse mich da nicht drauf ein." Lanz konterte lässig: "Sie produzieren ihn, ich muss da gar nicht viel dafür tun."

Einem Harald Schmidt machen die zwei natürlich keine Konkurrenz. Aber wenn der Lanz so aufdreht, wenn der Lanz also lanzelt, und man nicht weiß, nimmt er das überhaupt selbst noch ernst, dann hat das seinen Unterhaltungswert. Sagen die einen. Die anderen sagen, man, was nervt der wieder. Doch gefällige Fragen haben in einem Talk mit einem Politiker nichts verloren. Schon gar nicht, wenn es sich um solche handelt, die sich selbstverliebt staatsmännisch geben. Und selbst permanent gegen andere austeilen.

Auch bei Lanz ließ Söder mal wieder deutlich durchblicken, also wenn es einer draufhabe, und zwar so richtig, dann doch wohl nur er. Armin Laschets Wahlkampf? "Plätschert so dahin". Lanz zitierte Söder, wonach Laschet Wahlkampf im Schlafwagen mache und wollte wissen: "Wo sind sie gerade unterwegs im ICE? Oder Lokführer sogar?" Nächste Frage: "Das Programm der CDU, hat Sie das wirklich elektrisiert?" Söder lenkte schnell auf das, wie er sagte, "CSU-Schmankerl-Programm". Was er vom Programm der Grünen halte? "Ich dachte, die machen was Modernes, einen Schritt nach vorn. Und dann lese ich Anton Hofreiter in jedem Satz. Der lebt einfach in einer anderen Zeit und klimapolitisch im letzten Jahrhundert."

Söder will Ungeimpfte für Tests zahlen lassen

Und was ist mit denen, die sich nicht impfen lassen wollen? Für sie hatte Söder kein gutes Wort übrig. Er bekomme unzählige "unvernünftige Mails" und höre Argumente, "die an Schamanen" erinnern. Lanz wies darauf hin, dass man Ungeimpfte, "nicht pauschal in eine komische Ecke rücken dürfe." Söder betonte, natürlich, er respektiere diese Entscheidung, machte aber gleich darauf deutlich, dass diejenigen dann halt "die Konsequenzen" tragen müssten. Bedeutet: Ungeimpfte sollen Tests bald selbst zahlen. Und zwar, wenn alle ein Impfangebot bekommen hätten. Ab Oktober. "Laschet sagt aber etwas anderes", wandte Lanz ein. "Er hat einen anderen Akzent wie ich", versuchte Söder sich aus der Affäre zu ziehen und vermittelte den Eindruck, er würde da mit Laschet an einem Strang ziehen.

Und die soziale Frage? "Was sagen wir Menschen aus prekären Verhältnissen?", so Lanz, der zurecht darauf verwies, dass nicht jeder sich die Tests leisten könne. Söder schien das nicht weiter zu interessieren. Stattdessen sprach er von "anderen Teilen der Welt, wo sich nur Vermögende impfen können." Man könne froh sein, dass man sich hierzulande zwei Mal kostenlos impfen könne.

Corona-Patient Harland McPhun hatte sich nicht impfen lassen, jetzt bereut er seine Entscheidung.

Kostenlos? Die Bundesregierung unterstützt die Herstellung und Entwicklung der Impfstoffe gegen das Coronavirus mit um die 750 Millionen Euro. Aus Steuergeldern. Das berücksichtigend, hätte man vielleicht schnell Klarheit in der Frage, wie fair es ist, Tests für Ungeimpfte weiter zu bezahlen, da Menschen, die sich nicht impfen lassen können oder wollen, die Impfstoffe mitfinanzieren. Leider tauchte dieser Aspekt in der Debatte nicht auf. Ebenso sprach Lanz Söder nicht auf das aktuelle RKI-Papier an, in dem weiter an den Inzidenzwerten festgehalten werden soll. Doch Söder machte auch so klar: "Inzidenzwerte sind wichtig." Und: "Wir brauchen keinen zweiten Lockdown." Und was ist mit der Impfpflicht? Lanz hakte mehrmals nach, Söder bekräftigte, die sei nicht vorgesehen.

"Sie sind schon schlau und trickreich"

Doch Lanz ließ ihn nicht aus: "Sie vermeiden das Wort Impfpflicht, aber letztlich läuft es darauf hinaus." Söder: "Stimmt nicht, es geht um Grundrechtsschutz." Es sei verfassungswidrig, wenn Vollgeimpfte die gleichen Einschränkungen hätten wie Ungeimpfte. Wie es dann zu erklären sei, dass Laschet Vollgeimpfte die gleichen Rechte zugestehe wie Ungeimpften? Lanz sagte immer wieder, tut mir leid, Sie verwirren mich. Er komme da nicht mit. Aber, Herr Söder, sie kommen ja bald wieder, dann können wir weiterreden, am Donnerstag nach der Wahl, ich mache das jetzt öffentlich, damit Sie nicht im letzten Moment sagen, sie hätten doch keine Zeit. "Sie sind schon schlau und trickreich", kommentierte Söder. 


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