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BBC-Serie: "The Trial of Christine Keeler" zeigt den größten Sex-Skandal der Briten aus weiblicher Sicht

Christine Keeler war das Sex-Symbol von Swinging London. Ihre Affären brachten die Regierung zum Wanken. Eine neue BBC-Serie erzählt ihre Geschichte neu für die #MeToo-Generation.

Sophie Cookson (links) spielt Christine Keeler und Ellie Bamber (rechts) übernimmt die Rolle ihrer Freundin Mandy Rice-Davies.

Sophie Cookson (links) spielt Christine Keeler und Ellie Bamber (rechts) übernimmt die Rolle ihrer Freundin Mandy Rice-Davies.

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In den 1960er Jahren versetzte eine junge Frau dem britischen Establishment einen Schlag, von dem es sich nie erholen sollte. In dem Verfahren gegen Christine Keeler wurden erstmals die sexuellen Eskapaden der britischen Oberschicht vor der Öffentlichkeit ausgebreitet.

Skandale gab es auch schon zuvor, aber zum ersten Mal hatte die Presse keine Bedenken, die oberen Schichten vor der ganzen Bevölkerung zu blamieren.

Nun hat die BBC den Skandal um Christine Keeler für das weibliche Publikum von heute in einer sechsteiligen Serie aufgearbeitet. Die damals 19-jährige Keeler arbeitete in einem freizügigen Klub, in dem die Spitzen der Gesellschaft verkehrten. Sie sah hinreißend aus, ließ sich gern aushalten und war dafür den Herren der Oberschicht erotisch gefällig. Soweit war das nichts Besonderes im Swinging London. Doch Keeler teilte das Bett mit zwei Männern: Dem britischen Kriegsminister John Profumo und dem sowjetischen Marineattaché Eugene Ivanov – einem Spion. Dadurch lösten ihre Affären eine Regierungskrise aus. Lesen Sie hierzu auch: Christine Keeler - die schönste Frau Londons, die als "Hure der Nation" endete

Heldin, die nicht schweigen wollte

Die weibliche Hauptrolle von "The Trial of Christine Keeler" wird von Sophie Cookson gespielt. Sie sieht Keeler nicht als leichtfertiges Showgirl, sondern als "wunderbare Heldin mit Fehlern". Die Serie ist ein echtes Frauenprojekt: Regisseurin ist Andrea Harkin, Produzentin Rebecca Ferguson und Drehbuchautorin Amanda Coe. "Es gibt einen klaren Unterschied zwischen dem männlichen und dem weiblichen Blick", sagt Ferguson. "Du liest viele Drehbücher, aber nur wenige landen auf deinem Schreibtisch, die solche politischen Landschaften abbilden, mit einer jungen Frau im Zentrum."

"Die Sichtweise von Amandas Drehbuch auf die Affäre ist zeitgenössisch, auch wenn es ein historisches Drama ist. Sie hat eine Art, Christine zu beleben, dass sie jede Frau hätte sein können, zu jeder Zeit." Die Themen der Affäre seien auch heute noch im Spiel - Männer in Autoritätspositionen, die ihren Einfluss und ihre Macht nutzen, um jeden zum Schweigen zu bringen, der sie bedroht.

Abgestempelt als "Hure der Nation"

Um die tragische Figur der Keeler für heutige Frauen attraktiv zu machen, darf man es mit der historischen Wahrheit allerdings nicht so genau nehmen. Die junge Schönheit war eines der Sex-Symbole der wilden 1960er Jahre. Sie selbst beschrieb die Erotik ihrer Affären später sehr ernüchternd, es sei meist wie ein Termin beim Zahnarzt gewesen, erinnerte sie sich. Kriegsminister Profumo sei noch ein verhältnismäßig angenehmer Liebhaber gewesen, denn er sei immer schon fertig gewesen, bevor die Sache richtig begonnen wurde.

Die echte Christine Keeler wurde Zeit ihres Lebens von dieser Affäre verfolgt. Sie sagte, sie sei zur "Hure der Nation" gemacht worden. Nachdem ihre Schönheit verflogen war, begann ein langer Abstieg. 2017 starb Christine Keeler mit 75 Jahren.

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