"Sie wissen, was du tust", lautet etwas plakativ der Untertitel des Romans "Zero" von Bestseller-Autor Marc Elsberg. Bereits 2014 erschien Elsbergs in einer nahen Zukunft spielendes Buch, in dem sich die Menschen über ihre "ActApp" in fast jeder Lebenssituation erzählen lassen, was in diesem Moment zu tun wäre. Teil dieser Welt ist die erfahrene Journalistin Cynthia Bonsant (Heike Makatsch), Witwe und alleinerziehende Mutter der 17-jährigen Viola (Luise Emilie Tschersich). Cynthia war nach dem Tod ihres geliebten Mannes eine Weile arbeitslos, bekommt aber nun vom einflussreichen Online-Medium "Daily" eine Chance zur Bewährung.
Sie soll einen Skandal erforschen: Kameradrohnen drangen illegal in ein Geheimtreffen von Carl Montik (Sabin Tambrea), Vorstandsmitglied des marktbeherrschenden Internetkonzerns "Freemee", mit Regierungsmitgliedern ein – und dokumentieren das Geschehen live im Internet. Die anonyme Netzaktivistengruppe "Zero", die von der Regierung als terroristisch eingestuft wird, bekennt sich öffentlich zu dem medialen Angriff. Als ein Freund von Cynthias Tochter bei einer im Netz übertragenen Hetzjagd auf einen Kriminellen erschossen wird, lenkt das ihren Verdacht auf die Machenschaften des Konzern "Freemee". Cynthia vermutet, dass die "ActApp" mitverantwortlich für den Tod des Jungen sein könnten. Die Journalistin beginnt mit der Recherche, die gemäß den Regeln des Science-Fiction-Thrillers natürlich auch sie selbst samt Tochter in Gefahr bringt.
2020/21 machte das Erste in Science Fiction
Woran die 2014 durchaus weitsichtige Vision Marc Elsbergs in der 2021-Filmumsetzung von Jochen Alexander Freydank (Regie) und Johannes Betz (Drehbuch) ein wenig krankt, ist die leichte Abgenutztheit der ein oder anderen pessimistischen Zukunfts-Idee sowie die etwas plakative Umsetzung des Stoffes mithilfe gängiger Krimi- und Thriller-Klischees. Das Thema des Films bleibt zwar sehr aktuell, seine Umsetzung aber doch weitgehend erwartbar.
Von wegen, die Zukunft würde Abenteuer bereithalten. Diese "Near Future" arbeitet doch ein wenig zu sehr mit Mitteln vielfach beanspruchter Dystopien in einer blässlichen TV-Welt, die zudem nach einem etwas zu schmalen Budget ausschaut. Der TV-Film war seinerzeit Teil einer ARD-Reihe mit realistischen Science-Fiction-Stoffen, zu denen auch Maria Schraders preisgekrönte Tragikomödie "Ich bin dein Mensch", der Smart-Home-Thriller "Das Haus" mit Tobias Moretti und die Cyber-Dystopie "Exit" mit Friedrich Mücke zählten
Zero – Mi. 27.05. – ARD: 20.15 Uhr