Buntstifte, Eros live und die Katzenmütze Meine magischen Momente mit "Wetten,dass..?"


Als "Wetten, dass..?" 1981 startete, war Kester Schlenz schon zu alt für Sofaabende mit den Eltern. Geguckt hat er die Show trotzdem - und war sogar live dabei. Ein persönlicher Rückblick.

Ach, wie nett von den Kollegen. Die riefen mich an und fragten, ob ich nicht Lust hätte, einen kleinen nostalgischen Rückblick auf "Wetten, dass..?" zu schreiben. Ich würde das doch sicher kennen, dieses Gefühl, nach dem Baden in ein großes Handtuch eingewickelt mit den Eltern auf dem Sofa zu sitzen und die Show zu gucken. Nun, ja, meine Eltern hätten sich gewundert, damals. 1981, als zum ersten Mal "Wetten, dass..?" lief, war ich 23 Jahre alt, machte Zivildienst und spielte in der Punkband "Sadoboys".

Nackt in ein Handtuch eingewickelt, pflegte ich damals nicht den Samstagabend bei meinen Eltern zu verbringen. Das hatte viel früher stattgefunden: Bei "Einer wird gewinnen" mit Hans-Joachim Kulenkampff, einem genial dampfplaudernden Sugardaddy aus dem TV-Pleistozän. Aber nett von Euch, Kollegen, dass Ihr mich rund 15 Jahre jünger macht.

Als Gottschalk übernahm, wurde die Show cool

Dennoch haben wir Jugendlichen damals "Wetten, dass..?" geguckt. Das war ja auch ein veritables TV-Ereignis. Alles, was im Showgeschäft Rang und Namen hatte, trat dort live auf. Privatfernsehen und Internet gab es noch nicht. Man war mit weniger zufrieden damals. Und als bei Frank Elstner ein lungenstarker Typ eine Wärmflasche aufblies, war das am nächsten Tag überall Thema. Auch bei den Proben der "Sadoboys".

Als Thomas Gottschalk dann 1987 übernahm, wurde die Show richtig cool. Der Mann hatte diesen "Lümmel von der ersten Bank-Charme" und war herrlich durchgeknallt. Matte auf dem Kopf, grelle Garderobe und Wortwitz mit Kalauer-Garantie. Also guckten wir immer mal wieder rein in die Sendung, bevor es auf die Piste oder auf eine Fete ging. Ja, damals sagten wir "Fete", nicht Party. Ich steh' dazu! Vielleicht erinnere ich mich an einiges aus der Show noch so gut, weil wir zu dieser Tageszeit meist noch weitgehend nüchtern oder nicht bekifft waren.

Wenn ich also die letzten dreißig Jahre Revue passieren lasse, dann fallen mir einige besondere Momente bei "Wetten, dass..?" ein:

  • Die legendäre Buntstift-Wette, bei der Bernd Fritz aus der Titanic-Redaktion Gottschalk und sein Team reinlegt, indem er behauptete, er könne Buntstifte am Geschmack erkennen, aber einfach nur frech an der Brille vorbei lugt, die ihm die Sicht rauben soll. Das war große Verarschungs-Kunst.
  • Eine Telefonzelle wird 1987 auf vier Makkaroni gestellt. Ein würdiger Nachfolger für den Lastwagen auf vier Biergläsern ein paar Jahre zuvor.
  • Eros Ramazzotti (das Jahr weiß ich nicht mehr) singt und spielt allein am Klavier, nur begleitet von drei Sängerinnen und zeigt, was für ein großartiger Musiker er eigentlich ist.
  • Michael Jackson und Gerhard Schröder (mit Hillu) sind 1995 gemeinsam zu Gast. Nur Jackson singt. Der Saal kocht. Man sah, wie groß Jacko damals war. Schröder war fehl am Platz.
  • Die AC/DC-Kinderwette. 2011 errät der elfjährige Hagen Songs der Band und spielt auf seiner E-Gitarre sehr amtlich "Thunderstruck". Solche Söhne braucht das Land.
  • Götz George tickt 2003 in der Sendung aus und macht Gottschalk wegen seiner blöden Fragen an ("Ich sitze halt nicht 40 Jahre lang auf einer Couch und nerve Leute"). Gottschalk kontert. Herrlich, als mal in aller Öffentlichkeit live die Masken fielen..

Und zu guter Letzt muss ich einen sehr persönlichen, magischen Moment nennen. Es heißt ja immer, dass Tom Hanks damals in Bremen nach der legendären Katzenmützen-Sendung mit Markus Lanz tierisch genervt gewesen wäre. Stimmt nicht! Ich saß bei dieser Sendung im Publikum. Atze Schröder (als Cindy verkleidet) holte mich auf die Bühne, weil noch eine Person fehlte, der ein Fingernagel für eine Wette angemalt werden sollte. Tom Hanks saß neben mir.

Nach der Sendung trafen wir uns auf der Toilette. Ein denkwürdiger Moment für mich. Together pieseln mit Tom Hanks. Auf jeden Fall aber kann ich eines sagen: Tom Hanks war bombig gelaunt, sagte, dass das alles herrlich crazy gewesen wäre und er eine Menge Spaß gehabt hätte. Ja, er hat später über die Sendung Witze gemacht. Aber wer diesen Mann mal erlebt hat, weiß, dass er ständig über alles mögliche Witze macht – vor allem über sich selbst.


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