HOME

Moderator Constantin Schreiber: Der Posterboy des ägyptischen Fernsehens

In Ägypten ist er bereits ein Medienstar. Doch er könnte bald noch viel bekannter werden: Ab Oktober moderiert Constantin Schreiber als erster Deutscher für Al Jazeera - und wird damit in der gesamten arabischen Welt zu sehen sein.

Constantin Schreiber Poster

Auf den Straßen Kairos ist Constantin Schreiber allgegenwärtig: Der ägyptische Sender ONTV wirbt mit seinem Gesicht für die von Schreiber moderierte Wissenschaftssendung "SciTech - Unsere Welt von morgen"

Es kann schon mal passieren, dass sich eine Frau umdreht, wenn Constantin Schreiber sich in Deutschland auf der Straße blicken lässt. Der in Berlin lebende Fernsehjournalist (n-tv und RTL) ist ein attraktiver junger Mann, mit gepflegtem dunkelblondem Haar und blauen Augen, zumeist adrett gekleidet. Da schaut manche zweimal hin. Ansonsten kann er sich ganz normal bewegen.

Ganz anders sieht es aus, wenn sich der Deutsche in Kairo in der Öffentlichkeit zeigt. Da kann er schon mal kleinere Menschenaufläufe verursachen. Frauen fragen ihn, ob er verheiratet ist, machen ihm Angebote. Männer wollen wissen, ob er Muslim ist. Und fast alle sehen sie hin. Denn in Ägypten ist Constantin Schreiber eine bekannte Fernsehpersönlichkeit. Seit 2011 moderiert er beim dortigen Fernsehsender ONTV die Wissenschaftssendung "SciTech - Unsere Welt von morgen", ein Pendant zum ProSieben-Magazin "Galileo". Insgesamt produziert der Sender 24 Ausgaben pro Jahr, meist werden mehrere Folgen am Block produziert, Schreiber ist dann für 2-3 Wochen in Nordafrika. Rund vier Millionen Ägypter schalten den Sender regelmäßig ein - damit ist Schreiber eine echte Berühmtheit. Und ONTV nutzt die Popularität des 36-Jährigen, plakatiert sein Gesicht offensiv auf den Straßen Kairos, um für das Programm zu werben. 

Männer und Frauen schreiben ihm

Bald jedoch könnte Schreiber noch viel bekannter werden - auch in vielen anderen arabischen Ländern. Denn der renommierte Nachrichtenkanal Al Jazeera hat seine Sendung von ONTV lizensiert. Ab Oktober wird er eine umgeschnittene Ausgabe von "Unsere Welt von morgen" ausstrahlen. Dann wird Schreiber im gesamten arabischen Raum über die Bildschirme flimmern. Als erster Deutscher. Zuvor gab es zwar eine deutsche Journalistin, die bis vor ein paar Jahren bei Al Jazeera English gearbeitet hat, doch einen Deutschen, der für das arabische Programm auf dem Schirm ist - das hat es bislang noch nicht gegeben.

Aus seinen Erfahrungen in Ägypten kann Schreiber ungefähr abschätzen, was auf ihn zukommt: Dort erhält er nach jeder Sendung rund 60 Mails. Natürlich von Frauen, die ihm Komplimente machen, die wissen wollen, woher er kommt. Vor allem aber, ob er Moslem ist. Das interessiert auch die Männer, die ihm schreiben. In welche Moschee gehst du, warst du schon mal in Mekka - das sind die Fragen, die der Journalist gestellt bekommt.

Solche persönlichen Auskünfte gibt er allerdings nicht preis. Der junge Deutsche will sich und seine Familie schützen. Akut bedroht fühlt er sich zwar nicht. Einmal gab es jedoch eine Beschwerde: "Ein Imam in Oberägypten meinte, 'jetzt infiltrieren die Ungläubigen schon unsere Fernsehsender'", sagt Schreiber im Gespräch mit dem stern. Ansonsten sei die Resonanz auf seine TV-Präsenz fast überall positiv. Auf besonderes Interesse stößt sein Akzent. Weil Constantin Schreiber neben Dubai lange in Syrien und im Libanon gelebt und gearbeitet hat, hat er levantinisches Arabisch gelernt, das sich von ägyptischem Arabisch leicht unterscheidet. Viele Zuschauer denken daher, er sei syrischer Abstammung. Ein Mischling mit einer syrischen Mutter.

Er wäre der ideale Türöffner

Immer wieder wird er für einen Muslim gehalten, weshalb er wiederholt das Interesse von Islamisten geweckt hat: Ein blonder Deutscher wäre der ideale Türöffner, um in der Mitte der Gesellschaft zu missionieren. Des Öfteren fragen religiöse Gruppen bei ihm an, ob er zu ihnen in die Moschee oder ins Islamzentrum komme. Und auch der bekannte deutsche Salafist Pierre Vogel hat schon Kontakt aufgenommen: Über einen Mitarbeiter des Vereins "Die wahre Religion" ließ er anfragen, ob er für ihn auf der Straße Korane verteilen wolle. "Bruder", nannte der den Journalisten in einem Anschreiben. 

Ein anderes Mal erreichte Schreibers Redaktion ein rätselhaftes Paket ohne Absender. Es enthielt religiöse Schriften auf Arabisch. Doch was tun damit? Die Bücher wegzuwerfen kommt genauso wenig infrage wie sie auf Ebay zu versteigern. Beides könnte vom unbekannten Spender als respektlos empfunden werden.

All diese Anwerbeversuche sind vergeblich, denn der Deutsche ist zwar ein exzellenter Kenner der arabischen Welt, jedoch kein Moslem. Für seine Arbeit war das nie ein Problem: "Meine Erfahrung ist, dass das total in Ordnung ist", sagt er. Dagegen käme es bei den Ägyptern gar nicht gut an, wenn sich Gäste anbiedern. "Man kann schon zu seiner Kultur stehen. Und man kann zu seiner Religion stehen."

Bevor Schreiber allerdings in der arabischen Welt richtig durchstartet -  weitere Medienprojekte sind für Ende des Jahres geplant -, wird er sich ganz auf seinen Wohnort Berlin konzentrieren: Er nimmt Elternzeit.