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TV-Kritik

Dschungelcamp 2018: Warum Kattia ihre Untertitel mit nach Hause nehmen darf

Während Taschi Ochsenknecht sich an Fake-Huhn labt, dekubitiert der Camp-Rest weiter zwischen Nikotin-Not und Melasse-Schmiererei. Zwischendurch gibt es Aluhüte, Rattenscharfes und Untertitel. Letztere darf Kattia jetzt mit nach Hause nehmen.

Von Ingo Scheel

Schluss mit Untertitel: Kandidatin Kattia muss aus dem Camp ausziehen

Schluss mit Untertitel: Kandidatin Kattia muss aus dem Camp ausziehen

Kurz bevor das Camp losgeht, bekommt der Bachelor im Trailer für die nächste Sendung eine geschallert. Klatsch, macht das. Aber sowas von. Das Ding sitzt so passgenau, es ist eine Wonne. Könnte man der Rosenfrau, die da die geschwungene Rechte so locker sitzen hat, nicht vielleicht einen Zwanziger zustecken und sie mal eben durchs Camp schicken? Zack! Und den. Und den noch. Und du auch. Obwohl - lohnt es sich, die Bande so kurz vor dem Ende noch aufzuwecken? Erinnert so ein bisschen an den alten Witz vom Aufwecken und den Schlaftabletten. Lassen wir das.

Der Countdown läuft, in wenigen Tagen klingelt sowieso der Wecker und dann heißt es wieder anstellen, wie alle anderen auch. Oder mit Macht erstmal wieder hinlegen. Und dann, ja dann wird flugs die Dampfmaschine angeschmissen, dann nämlich heißt es: Lungenzüge bis zur Morgendämmerung. Bis es jedoch so weit ist, müssen die Zeitraffer-Kameras im Camp die wenigen Bewegungsausschläge rund ums Lagerfeuer aufzeichnen.

Duschen, Felsen, Kakerlaken: Das ist alles fake im Dschungelcamp

Dschungelcamp: Daniel und Sonja sind urlaubsreif

Daniele, gedankenversunken in einer Art Schmauch-Entzugs-Yoga, einer post-hospitalistischen Ernte-23-Starre, summt Zeilen von Michael Jackson. Tina schleicht zwischen den Sterbebetten umher, wie Axl Roses Großtante an einem guten Tag. Kattia erfindet mittlerweile Worte wie ‚kalemilisiert‘ und bringt die Untertitel-Abteilung von RTL an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die Grillen zirpen, irgendwo knackt ein Ast, nicht auszudenken, wenn jetzt die Backpfeifen-Beauftragte von RTL hier doch noch die Runde machen würde.

Draußen wird derweil die frischgeschasste Natascha Ochsenknecht zur nächsten Burgerbude kutschiert, um zusammen mit irgendeiner Ex von Mario Basler gülden-krossen Nährschlamm zu sich zu nehmen. Endlich Urlaub. Wurde aber auch Zeit. Mindestens ebenso urlaubsreif ist mittlerweile das Personal in der Moderatoren-Etage. Wie Daniel Hartwich und Sonja Zietlow da plötzlich mit Aluhüten stehen und ins Nichts starren, ihre Sketch-Zeilen in die Nacht senden, das lässt versonnen an Faschingsfeste während der Zivildienst-Zeit denken.

Gegen 22.43 Uhr ein Zeichen des Dschungelgottes oder wem auch immer: Der heimische Fernseher färbt den Monitor hellblau, die Worte "Verschlüsseltes Signal" stehen plötzlich in mini-kleiner Schrift mittig auf dem Screen. Seufzen. Ein Moment stoischer Erleichterung, sakrale Stille im nachttrunkenen Wohnbereich. War es das jetzt? Die Erleuchtung währt nur kurz, da flackert schon wieder der Kopf von Matze Manschepampe über den Screen. War nix von wegen Bildausfall, stattdessen Dschungelprüfung in progress. 

Dschungelcamp, Tag 13: Was erlaube Mangiapane?
Matthias Mangiapane

"Tunnel-Trauma" heißt die Dschungelprüfung, zu der Matthias Mangiapane an Tag 13 im Dschungelcamp antreten muss. Traumatisch wird es allerdings vor allem für Daniele Negroni. Denn der wird Opfer der Schrei-Tiraden seine Partners. Weil die Sternensuche nicht gelingen will, flippt Muffel-Mangiapane aus. 

Dschungel-Prüfung: Schnatterinchen aus Kolumbien muss gehen

In zwei parallelen Tunneln kriechen Dan und Man auf der Hatz nach Sternen, umwimmelt von Ratten und Geschnetz. In der Mangiapane-Röhre ist freie Sicht, für Daniele, nebenan im abgedunkelten Blindflug unterwegs, muss er die Kommandos sprechen, während beide versuchen, die geforderten sechs Sterne einzusammeln. Wie in einer satanischen Slushy-Maschine kwitscht und kwatscht dabei von oben, als wenn Nager und Insekten nicht schon genug wären, die miese Melasse hektoliterweise auf den knochigen Negroni-Rücken, gefolgt von Maden und Federn. Kurz darauf ist Danieles Biboisierung vollendet, vernünftiges Fresserchen gibt es für den Federmann dennoch nicht, irgendwo im Gallert-Getümmel ist ein Stern auf der Strecke geblieben. Also weiter darben und dämmern.

Für Kattia hatte sich das Ganze am Ende dann endlich erledigt. Während Tina, tränentief erschüttert vom erneuten Votum der Zuschauer, weiter vom Titel tagträumen darf oder muss, tritt Schnatterinchen aus Kolumbien den Heimweg an. Dabei hatte die Gruppe sich doch gerade erst am Gemeinschaftsgefühl berauscht. Ein Nikotinpflaster für die Seele, was Jenny da proklamierte: "Ich glaube, dass uns dieses Projekt für immer zusammenschweißt!" Irgendwo in der Ferne meint man, ein Longboard brechen zu hören.

Ich schließe zur Feier des Tages (der Wahn dringt auch auf die andere Seite des Bildschirms durch) mit einem Gedicht:

Tunnel Tunnel und Sterne

Sterne Sterne und Federn

Tunnel Tunnel und Federn

Tunnel und Sterne und Federn und wieder nix zu rauchen 

RTL-Dschungelcamp: Das sind die Kandidaten für 2018