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Dschungelcamp 2014, Finale: Melanie Dschungelkönigin? Seid's ihr deppert!

Melanie holt die Krone und weist Larissa in die Schranken. Es ist der Triumph einer straighten Spießerin. Doch diese großartige Staffel hätte eine andere Siegerin verdient gehabt. Eine Empörung.

Von Mark Stöhr

Boah, Leute, ihr seid so langweilig. Langweilig wie eure Siegerin. Die Müller? Eine Streberin. Eine Aufsteigerin. Eine Karrieristin. Die schluckte alles, um nach oben zu kommen. Die zog blank für die sabbernden Vattis aufm Sofa und heulte bittere Tränen für die sentimentalen Muttis daneben. Dahinter steckte eine perfekte Erfolgsstrategie, akribisch geplant wie das Aufpimpen ihrer Brüste auf Superillu-Format. Sie ist das Bürgermädchen und die Bitch in einem. Das gefällt euch, stimmt's? Wer Melanie Müller gut findet, der steht auf Wies'n-Gaudi und Energy-Drinks. Der freut sich ein Hörnchen, wenn Sebastian Vettel Weltmeister wird.

Jetzt werdet ihr sagen: Mensch, die Melli, die ist so eine Toughe und Tapfere, die hat die Krone verdient. Die trank die pürierte Leber mit Blut, als wäre es Tomatensaft. Die bot dem ollen Glatzeder die Stirn, dass dem fast der Klimmstengel aus den arthritischen Fingern fiel. Und dann diese Nummer mit den geschmuggelten Lustperlen. War das nicht ein niedlicher Streich? Nein, das war Marketing. Die Müllerin ist Geschäftsfrau durch und durch oder will es werden. Eigentlich fehlte nur noch die Onlineadresse ihres Erotikversands auf ihrer linken Pobacke.

Überangepasstheit ans Über-Ich

Melanie ließ keine Gelegenheit aus, um ihre ärgste Konkurrentin Larissa zu diskreditieren. Sie tat das nicht so dummdreist wie Gabby ("Ich glaube, die nimmt Drogen"), sondern mit der ihr eigenen Bauernschläue: im Tarnrock der fürsorglichen Stationsschwester. Sie behandelte die Österreicherin wie eine Psychopatientin, der man immer wieder die Spielregeln klar machen muss. Sie war die Gouvernante, Larissa das ungezogene Kind. Mal versuchte sie es im Guten, mal musste sie es so richtig ausschimpfen.

Dieser permanente Vernunftterror ging euch nicht auf die Nerven, liebe RTL-Voter, diese unerträgliche Überangepasstheit ans Über-Ich?

Gestern in der Finalfolge ließ sie sich über Larissas vermeintlich verpfuschte Karriere als Model aus. Wenn sie, Melanie, mit 16 alle Trümpfe in der Hand gehalten hätte wie die Gewinnerin von "Austria’s Next Topmodel" 2009, hätte sie alles für eine erfolgreiche Laufbahn im Modelbusiness getan. Das glaubt man ihr gerne. Ein Ausscheren aus dem Gewohnten oder Erwarteten kommt in der Welt der 25-Jährigen nicht vor. Sie funktioniert wie ein VW Golf. Fragt sich nur, welche Funktion die billigen Pornofilmchen in ihrem Karriereplan einnehmen. Sie wird auch darauf eine Antwort wissen. Irgendwie passen die ganz gut zu der Swinger-Spießigkeit, die sie umweht.

Melanie hat in den 16 Tagen Dschungel nicht ein einziges Mal etwas Überraschendes gemacht. Eigentlich tat sie immer nur das, was von ihr verlangt wurde. Dass man dafür schon die Dschungelkrone bekommt, gab es in den sieben Staffeln davor noch nicht. Alle Sieger bisher, die Nicks, Antonys, van Bergens oder Nielsens hatten etwas Schrilles und Spleeniges oder wenigstens krachende biografische Bauchplatscher, die sie in die Waagschale werfen konnten. Selbst einer wie Joey Heindle bot letztes Jahr eine Art Heldenreise von völlig verpeilt zu nur verpeilt.

Larissa war Dada

Doch nun musste es offenbar unbedingt die Patente und Ehrgeizige sein, liebe Freunde des Carports und der Komplettenthaarung zuhause an den Telefonen. Sperrige Persönlichkeiten wie Larissa, die nicht wie eine Wetter-App schnurren, haltet ihr nicht aus. Die haltet ihr für verrückt. Dabei war die 21-jährige Kärntnerin die einzige Teilnehmerin im Feld, die das Showkonzept voll erfasst hat. Das Dschungelcamp ist kein Selbsterfahrungsexperiment im dritten Programm. Das ist Dada, das ist Kunst. Und Larissa gab perfekt die unberechenbare Aktionskünstlerin, die es krachen ließ. Die überspannte Schauspielschülerin, die noch nichts dosieren kann. Borderline mitten im Boulevard – das muss man sich erst mal trauen.

Bleiben werden auch Larissas hinreißende und hinreißend vorgetragene Geschichten, wobei völlig unerheblich ist, ob sie stimmen oder nicht. Gestern blinzelte sie in den Himmel und sagte: "Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Das ist meine Oma." Was für ein schönes Bild. Und dann erzählte sie von der Glückskette, die ihr eben diese Oma vermacht hat und die sie eigentlich mit in den Dschungel nehmen wollte. Doch der Talisman rutschte ihr vor der Abfahrt zwischen einen Heizkörper. "Ich wollte die Heizung rausreißen", sagte sie. Das wäre mal ein origineller Luxusartikel als Camp-Mitbringsel gewesen. Origineller als jedes Sexspielzeug.

Was für Welten zwischen Melanie und Larissa liegen, zeigte sich auch bei der Belohnung, die sie sich für den fünften Stern bei der letzten Dschungelprüfung wünschen durften. Melanie bestellte sich einen "Sex on the Beach". Larissa wollte keinen Cocktail, sondern einfach nur fünf Zigaretten. Sie wäre die aufregendere Siegerin gewesen.

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