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Dschungelcamp 2014, Tag 1: Larissa reitet auf der Knappik-Welle

Abnutzungserscheinungen im achten Jahr? Pustekuchen! Zum Auftakt feuert das Dschungelcamp aus allen Rohren - Schleim, Kakerlaken und österreichische Zimtzicken inklusive.

Von Jens Wiesner

Die Befürchtungen waren so groß, dass Doktor Bob einen Elefanten darin hätte verstecken können: Würde Michael Wendler, dieses fleischgewordene Ego mit ausgeprägtem Faible für die dritte Person Singular, das Dschungelcamp in eine One-Man-Show verwandeln? In Dauerschleife "Sie liebt den DJ" grölend durch das Unterholz streifen und sich am Ende selbst zum geilsten King of the Jungle seit König Louie ausrufen? Der Einspieler zu Beginn der Auftaktfolge ließ Böses erahnen: Wendler, Wendler überall. Im Helikopter, im Schleim und natürlich auch als Kandidat bei der ersten Dschungelprüfung. Und dann immer wieder diese Nahaufnahmen von seinem Schritt. Doch Wunder, so weiß der Schlager-affine Mensch, gibt es bekanntlich immer wieder. Selbst bei einer Sendung, die Stars mit abgelaufenem Verfallsdatum und jenen, die es gerne wären, zur Gruppentherapie im Bootcamp Bob verdonnert.

Doch welcher der zehn übrigen Recken sollte dem selbsternannten "König des Popschlagers" Paroli bieten? Die unbekannten Gesichter von der Casting-Resterampe etwa? Der alternde Defa-Mime Glatzeder? Meine Hoffnung ruhte eher auf jenen Namen, deren Bekanntgabe mir als 90er-Jungen einen heftigen Stich ins Herz gejagt hatte: Dass sich ausgerechnet Mola "Viva-Rastagott" Adebisi, Jochen "Ruck Zuck" Bendel und Tanja "Kentucky Schreit Ficken" Schumann für die Truman-Show im Dschungelgewand hergaben, war nur als eindeutiges Zeichen zu lesen, dass meine Jugend nun auch popkulturell in der Mottenkiste schlummert. Fehlte eigentlich nur Jörg Draeger im lustigen 90's-Dreigestirn - Zonk inklusive.

Farblose Gesichter der 90er

Doch Herr Adebisi, äußerlich ein Jungspund wie zu besten Viva-Zeiten, entpuppte sich als Besserwisser ("Ignoranz ist eine Unart, mit der ich schlecht umgehen kann!") und notorische Stimme der Vernunft. In einem Debattierclub sicher hilfreich, im Kampf um die Zuschauergunst eher kontraproduktiv.

Früher an später denken, lautete dagegen die Devise von Jochen Bendel. Der wandelnde Schulterklopfer mit der Mittelscheiteltolle schielt offenbar auf eine Position als Gagschreiber für Zietlow und Hartwich. Einerseits hielt er sich aus dem Gruppengelage weitgehend raus, andererseits setzte er immer wieder Punchlines in Richtung Zuschauer ab. ("Larissa ist wie Fukushima. Da muss man auch immer weiter Wasser drauf kippen, um die Brennstäbe zu kühlen.") Micky Beisenherz, zitterst du schon?

Und Schanja Tumann, Verzeihung, Tanja Schumann? Der Comedy-Wirbelwind aus "RTL Samstag Nacht"-Zeiten blieb in der Auftaktfolge überraschend farblos: Die Augenlider hingen tief und so wirklich ließ sich nicht ersehen, ob nur die Müdigkeit ihre Hände im Spiel hatte. Bruder Gottfried!!!

A new Knappik in town

Nein, die Rettung vor der Wendler'schen Omnipräsenz kam aus einer ganz unverhofften Ecke - aus Österreich. Noch keine zehn Sendeminuten waren vergangen, da hatte sich Larissa Marolt, die Siegerin der österreichischen Topmodel-Show, schon eine veritable Knappik-Erdmann-Attitude zugelegt. Larissa meckerte über zu wenig Zeit beim Packen ("Dea Flug soll auf mia wade, ich muss mei Koffa backen!"), stürzte theatralisch über Stock und Stein und ließ auch sonst keine Gelegenheit aus, um ihr Zickentum, das sie dummerweise mit Koketterie verwechselte, kamerawirksam in Szene zu setzen.

Unfreiwillig sorgte die junge Dame so für die wohl am besten erprobte Teambuilding-Maßnahme der Menschheitsgeschichte: Hass auf einen gemeinsamen Feind. Der schweißt zusammen. Und so waren sich plötzlich alle einig im Camp, ganz gleich ob junges Küken, alter Haudegen oder Wendler: Larissa. Geht. Gar. Nicht. Eine Meinung, die offenbar auch die Zuschauer teilten. Sie nominierten das nölige Model - und nicht etwa den Wendler - für die Dschungelprüfung am Samstag.

Die Zicke und der Schlagerpopper

Der musste natürlich trotzdem ran. In Ermangelung eines Zuschauervotings durften sich die Kandidaten gegenseitig zu einer Best-of-Dschungelprüfung nominieren. Ob die Saat der Zwietracht allerdings tief genug gesät würde, um die noch recht harmonische Gruppe in kleine Lästerzirkel aufzusprengen, wird nur die Zeit zeigen. Dass mit dem Wendler ausgerechnet jener Mann, der im Vorfeld posaunt hatte, keine Prüfungen ablegen zu wollen, gewählt wurde - geschenkt. Auch Larissas Nominierung lässt sich im Nachhinein nur als Glücksgriff bezeichnen. Hatten die Dschungelnauten etwa schon geahnt, dass das Model auf der Knappik-Welle reiten wollte?

Bemerkenswert aber, dass sich ausgerechnet diese beiden enfants terribles im Angesicht der Prüfung zusammenrissen und sich passabel schlugen: Ohne Murren schluckte der Schlagersänger ein stinkendes fermentiertes Ei, ließ sich mit Schleim und Kakerlaken duschen und mit mehreren Pythons (und Larissa) in einen Käfig schließen. Ist es tatsächlich möglich? Steckt sie doch irgendwo tief in ihm drin, die vernünftige Seite des Mannes, der sich Wendler nennt? Wunder gibt es immer wieder.

Kurz und knackig

- Zitat des Tages: "Der hat Zuckerwürfel in den Arsch geblasen gekriegt!" (Gabby über den Wendler)

- Außenseiter des Tages: Winfried Glatzeder. Köstlich mitanzusehen, wie viel Spaß der Charaktermime dabei hat, sich zum Stinkstiefel des Camps zu stilisieren. ("Ich versuche auf eine, wenn nicht genussvolle, sondern halbwegs erträgliche Art zu leben!")

- Dschungelprüfung für den Zuschauer: der Kameramann, der aus unerfindlichen Gründen immer wieder auf den Schritt des offenbar nicht schlecht bestückten Wendlers zoomt.

- Schönster Kopfkino-Moment: Als Jochen Bendel im Hubschrauber die Kopfhörer aufsetzt, klopft ihm von hinten Rudi Carrell auf die Schulter und versucht den Begriff "Würde" zu erklären.

- Politisch inkorrektes Statement des Tages: Larissa beeindruckt mit ihren Geschichtskenntnissen über australische Aborigines: "Die Ureinwanderer haben mehr als wir! Melonen und so." Zweiter Platz: Gabby, die Tatsache kommentierend, dass sich mit ihr und Mola die beiden Teilnehmer mit dunkler Hautfarbe dem Fallschirmsprung verweigert haben: "Is' nix für Schwarze. Die weißen Leute springen gern von Klippen. Wir stehen auf dem Boden!"

- Falls Sie sich fragen, wo Corinna Drews, Marco Angelini und Julian F. M. Stoeckel waren - wir auch!

- Hat sich Melanie Müller ihren Schönheitsfleck eigentlich von der Dame aus "Hot Shots II" geliehen?

- Liebe Österreicher, nehmt es dem Autor dieser Zeilen nicht übel, aber: Wenn ihr uns noch mehr von der Sorte Larissa über die Grenze schickt, plädiere ich für eine Aussetzung des Schengen-Abkommens.