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Dschungelcamp 2014, Tag 14: Danke, böser Greis!

Winfried Glatzeder ist raus. Das ist schade. Denn mit ihm verliert das Camp 50 Prozent Psychose. Jetzt muss Larissa ohne ihren wichtigsten Verbündeten durchdrehen. Keine leichte Aufgabe.

Von Mark Stöhr

Don't cry for me, Angina", sagte der Fürst der Finsternis und zündete sich eine letzte Zigarette an, dass man schon vom bloßen Zusehen Halsschmerzen bekam. Natürlich sagte er es anders. "Ihr müsst nicht traurig sein", hustete Winnie The Wrestler den Ringkollegen nach seinem Knockout zu. Ein guter Witz zum Abschied, immerhin. Der Richard III. der Reispfanne verlässt die Feuerstelle. Der Marlboromann reitet zurück zu den Boulevardbühnen von Berlin bis Bad Honnef. Danke, böser Greis. Wir wissen jetzt, warum Tarzan im Film nie altern darf.

Mit Winfried Glatzeder verliert das Dschungelcamp 50 Prozent Psychose. Das ist sehr bedauerlich. Denn zu welchen Höhen der Wahrnehmungsverschiebung sich der 68-Jährige aufschwingen kann, bewies er noch einmal am letzten Tag. Wahnfried at his best: Sein Bodycheck vom Vorabend, der nur auf uruguayischen Fußballfeldern nicht als schwere Tätlichkeit gewertet worden wäre, hat in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden. Alles war ganz anders als von fünfhundert Kameras dokumentiert.

"Larissa", so die Version von Win Il-sung, "hat sich erschrocken und dabei eine Körperbewegung gemacht." Dieses junge Ding ist einfach auch zu ungeschickt. Außerdem verfügt Winnie Geller über Fähigkeiten, die physikalisch nicht zu erklären sind: "Ich kann mich verbal wehren – und das ist manchmal wie ein Schlag." Bumm. Wir werden dich echt vermissen, Glatzeder, du alter Löffelverbieger.

Larissa zieht Leine

Nun ruht die ganze Last der mentalen Geisterbahn auf Larissa. Die Österreicherin gab gestern leider nur eine einzige Kostprobe ihres dadaistischen Könnens. Aus Langeweile zupfte sie an der Wäscheleine herum, die über ihre Pritsche gespannt war. Bis sie riss. Daran schloss sich eine schöne Beckett-Konversation an. Jochen: "Du hast sie durchgerissen?“ - Larissa: "Sie ist gebrochen." - Winfried: "Ja, sie ist von alleine kaputt gegangen." - Larissa: "Sie ist wirklich gebrochen." Um ihren Fauxpas wiedergutzumachen, stolperte Lady Gaga durch den Urwald und hielt nach Ersatzmaterialien Ausschau. Am Ende schleppte sie einen halben Brotbaum an und legte ihn über ihre Schlafstelle. Stolz verkündete sie: "Darf ich euch vorstellen: Unsere neue Hängeleine." Diese Show, man kann es nicht oft genug betonen, ist ein wirkliches Premiumprodukt. Jetzt auch empfohlen für Primatenforscher.

Angehenden Psychologen könnte man bestimmte Passagen richtiggehend als Lehrfilme zeigen. An Tanja Schumann etwa lässt sich eine ganze Reihe von Auffälligkeiten ablesen. Faulheit im Fernsehen zum Beispiel. Oder das seltene Phänomen des Tropentiefs. Wahre Glücksmomente schenkt die Ex-Komikerin jedes Mal Verhaltenstherapeuten. In jeder, aber auch wirklich in jeder Folge demonstriert sie aufs Neue, wie kreuzdämlich man sich anstellen kann, um immer das Gegenteil von dem zu erreichen, was man eigentlich will.

Ihre bisherige Strategie - Depression und Bitte um sofortige Demission - scheiterte an der Tatsache, dass die Welt draußen voller Psychopathen und Menschenquäler ist, die gerade ihre Prepaidkarte aufgeladen haben. In der letzten Folge nun versuchte es Schumann anders: mit Aktivität. Auwei. Das ging so richtig in die Hose.

Tanja kann weder werfen noch fangen

Um sich als normallangweilige Kandidatin zu präsentieren, schlug sich die 51-Jährige selbst zur Dschungelprüfung vor und bestieg gemeinsam mit Melanie eine große Wippe inmitten eines Sees. Dort sollten sie sich Sterne zuwerfen und diese dann in einem Netz verstauen. Natürlich können die beiden Frauen weder werfen noch fangen. Gerade mal ein kümmerlicher Stern landete im Sack. Schnarch-Schumann mit ihrem verschreckten Eichhörnchen-Gesicht jagte die ganze Geschichte sichtlich Respekt ein. Wer keine Menschen mag, könnte sie sich auch gut in einem Bottich mit alten Fischabfällen oder in einem unterirdischen Labyrinth vorstellen, das mit Wasser und Ratten geflutet wird.

Und weil Tanja nun mal nicht aus ihrer Haut kann, düngte sie den Urwaldboden mit Tränen und Selbstmitleid. "Ich weiß nicht, warum ich immer die Arschkarte kriege", jammerte sie. Und: "Ich dachte, 2014 wird ein schönes Jahr." Musik in den Ohren von Sadisten. Doch Winfried beließ es bei einer Ermahnung: "Du machst es doch nicht umsonst. Man darf nicht undankbar sein." Es war das letzte Vermächtnis eines Vollprofis. Danke auch dafür.