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Dschungelcamp 2014, Tag 15: Das große Krabbeln in der Unterplinte

Das Martyrium der Tanja Schumann hat ein Ende: Die Zuschauer schickten das Häufchen Elend heim. Gar nicht glücklich war dagegen Larissa. Ihr Allerwertester erhielt ungebetenen Besuch.

Von Jens Wiesner

Vom Quartett zum Trio: Die anderen wollen König werden, Tanja Schumann wollte nur raus.

Vom Quartett zum Trio: Die anderen wollen König werden, Tanja Schumann wollte nur raus.

Vergesst Pilze, vergesst LSD! Lucy schmeißt sich im Himmel jetzt Bohnen rein. Oder war es doch Winfried auf Erden? Sicher ist: Seit seinem Rauswurf aus dem Dschungelcamp litt Häuptling Furchenpeter unter einer schweren Form von Molarismus. Noch immer wollte sich Meister Eder nicht eingestehen, seinem Pumuckl einen Schubs verpasst zu haben. RTL verdonnerte ihn deshalb zur Konfrontationstherapie mit sich selbst. Zurück im Hotel sollte ein Videobeweis die zerknautschte Wahrnehmung zurechtbringen.

Glatzeder vs. Glatzeder. Kommissar Roiters schwerster Fall. Für irgendetwas müssen diese verkorksten "Tatort"-Folgen doch gut gewesen sein. Doch selbst, als das Lügengerüst des Camp-Alter-Egos in sich zusammenfiel, ("Das war eine Ohrfeige, aber nicht auf's Gesicht, sondern an die Schultern!"), war von Reue nichts zu spüren:. "Das sind die Bohnen. Bohnen verändern die Hemmschwelle", schob der König der Kippenschnorrer jegliche Verantwortung galant auf das grüne Gemüse mit dem schlechten Leumund ab. Wahnfried, ick hör dir trapsen!

Die Geschubste träumte indes davon selbst zu schubsen - und zwar König Joey von seinem Thron. Einmal ein Krönchen auf dem Haupte tragen, wär das nicht fein? "Da kannst du jedem erzählen, i bin die Dschungelkönigin!" Sprach Larissa, warf das hauseigene Kopfkino an und strahlte fortan wie ein Honigkuchenpferd. Dumm nur, dass die andere Miss Wasserstoffperoxid ebenfalls nach der ultimativen Macht im Dschungel greift. Und es durchaus versteht, mit harten Bandagen zu kämpfen.

Heiße Schmuggelware

Die kamen am Tag 15 in Form eines "Geständnisses" daher. Wer sich schon immer wunderte, wie ausgeglichen und relaxt Frau Nackidei dem ganz alltäglichen bislang gegenübertrat, wurde heute mit einer Antwort belohnt. Denn weder Yoga noch Meister Yoda waren für diesen Geisteszustand verantwortlich. Der Zen kam - ganz wörtlich - aus Melis Innerstem: Das Pornosternchen hatte Liebeskugeln ins Camp geschmuggelt - und schwebte seitdem auf Wolke 6.

Doch kaum war das Gefühlupdate dahin - Meli hatte ihre Kügelchen dem Alm-Öhi der Grantler zum Auszug vermacht, der sie allerdings im Dschungel verbuddelte ("Die Aborigines werden es finden und sich wundern!") - kickte der Turkey ein: Bei der gemeinsamen Schatzsuche mit Springinsfeld Larissa riss Muttis Geduldsfaden. Meli wollte wegschaffen, Larissa trödelte. Ach Meli, die will doch nur spiel'n. Uhuuu. Die tut doch nichts. Der Zoff war allerdings schnell vergessen, als die Fantastischen Vier ihren gemeinsamen Schatz bestaunten: eine Flasche Gin und Tonic Water für das letzte Abendmahl vor dem großen Finale.

"Die Viecher sind voll im Popo"

Fairerweise sollte an dieser Stelle festgehalten werden: Der Müller'sche Furor hatte Vorgeschichte. Bei der Dschungelprüfung, zu der das Quartett gemeinsam antreten musste, hatte sich die wohl berüchtigste Österreicherin dieser Tage nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Um aus einer Einzelzelle zu entkommen, mussten die Kandidaten drei Schlüssel mithilfe eines Magneten durch ein Labyrinth führen - während von oben Kakerlaken, grüne Ameisen und weiteres Kleingetier auf die Gefangenen herabprasselten. Lagerstreber Jochen und Meli bekamen den Bogen schnell raus, befanden sich nach ("Ich bin hier in der Einbahnstraße und komm' nicht weiter") und Larissas schlechter Vorlage uneinholbar im Rückstand.

Doch auch, wenn Geschick und Erinnerungsvermögen zu wünschen übrig ließen - die Zuckerpuppe aus der Dschungeltruppe schaffte es noch, einen Satz rauszuhauen, der gewiss in die Annalen des Dschungelcamps eingehen wird. "Die Viecher sind voll im Popo", kreischte Larissa, nachdem sich Ameisen, Kakerlaken und Co. einen Weg in ihre Unterbuchse gebahnt hatten - und fasste damit die Essenz der Sendung so kurz und treffend zusammen, wie es vor ihr nur wenige geschafft haben. Wir meinen: Einfach Arschbacken zusammenkneifen, Problem gelöst! Kakerlaken knacken so schön - zumindest mit dem entsprechenden Schließmuskel-Training.

Tanja hingegen juchzte nach ihrem Rauswurf so verzückt, als hätte sie Melis Liebesperlen aus dem Dschungeldreck geklaubt. Ja, Sie lesen richtig. Tanja Schumann, erklärte Nicht-Anwärterin auf den Königsthron und größte Aussitzerin seit Helmut Kohl, durfte endlich, endlich, ihr selbstgewähltes Gefängnis verlassen. Und plötzlich kam sogar Bewegung in das Camp-Faultier: Wie ein wildgewordener Gummibär auf Beerenschnaps hüpfte die Schumann umher, verteilte free hugs und jubelte lauter als Mola, Corinna und der Wendler bei ihrer Abwahl zusammen. Soviel Aktivität hatte man dem Passivhaus auf Beinen gar nicht mehr zugetraut.

Zwei Favoriten und ein Steigbügelhalter

Und Bendels Jochen? Der bewies immerhin Standhaftigkeit - körperlich wie mental. Pflichtbewusst ließ sich der Bäckchenschwabbler als emotionaler Mülleimer für die Nicht-Prominenz von morgen benutzen. Diesmal war Larissa an der Reihe, die von ihrer traumatischen Zeit im Schullandheim von "Germany's Next Topmodel" plauderte. Trotz allen emotionalen Engagements - der Campingkocher mit Herz geht angezählt ins Finale. Aber erinnern wir uns: Auch Joey Heindle hatte sich 2013 nach seinem Beinahe-Rauswurf noch überraschend gegen Olivia Jones durchsetzen können. Die Chancen dafür stehen diesmal jedoch schlecht: Der "Ruck Zuck"-Mann mit der Säuselstimme ist ohne Frage der blasseste Kandidat in der Truppe.

Nein, der wahre Kampf um die Krone spielt sich zwischen den beiden bloden Yin und Yangs der Hinterbliebenen ab. Wollen die Zuschauer lieber eine pragmatische Frau, die sich nicht scheut, die Hände schmutzig zu machen? Oder doch den kindlich-naiven Pippi-Pan-Typ, für den das Leben nur ein Quiz ist?

Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird - gewonnen haben beide schon jetzt: Die Müller konnte sich den Unkenrufen entgegen stellen, die sie allein auf nackte Tatsachen reduzierten. Larissa hingegen gelang es, nach einem desaströsen Start das Image der unerträglichen Zicke abzustreifen und ihren Bekanntheitsgrad in Deutschland mächtig steigern. Das reicht vielleicht nicht für den neusten Tarantono - die neuste Baumarkteröffnung in Wanne-Eickel sollte aber allemal geritzt sein. Und wenn es wirklich nur darum geht, einmal eine Krone auf dem Kopf zu spüren: Liebe Larissa, in der Not bleibt dir immer noch Burger King.

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