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Dschungelcamp 2014: Der Irre, der aus der Sanduhr kam

Piep, piep, piep, im Dschungel ham sich alle lieb. Selbst Larissa und Glatzenpeter knüpfen am sechsten Tag zarte Freundschaftsbande. Platonisch, natürlich. Nur einen juckt es dann doch "down under".

Von Jens Wiesner

Kein misslungener Ententanz, sondern echter Jubel: Glatzenpeter und Larissa kehren mit fetter Beute ins Camp zurück

Kein misslungener Ententanz, sondern echter Jubel: Glatzenpeter und Larissa kehren mit fetter Beute ins Camp zurück

Fast hätte es die übermächtige Froschlobby geschafft. Hätte uns eingelullt mit ihrem Kermit, dem lustigen Grünschnabel von nebenan. Dabei weiß jeder Zweitklässler, der ein wenig bei Herrn Grzimek geschmökert hat: Frösche können gefährlich werden. Und böse obendrein. Doch Dschungelcamperin Larissa kennt sie, die Gefahren alles Grünen, Glubschäugigen und Schleimigen.

Längst hatte sich der Tag geneigt, die Lichter im Camp waren erloschen, als ein unbekanntes Frosch-Objekt an die Schlafstätten der Dschungel-Zehnsation heranpirschte. Stante pede kickten Larissas natürliche Instinkte ein: Noch bevor der Schwippschwager von Sancho und Pancho seinen (wie auch immer gearteten, aber sicher teuflischen) Plan in die Tat umsetzen konnte, war es dem Alptraum der Klagenfurter Tourismusbehörde unter Einsatz jeglicher Restwürde gelungen, das Viech zurück in den Dschungel zu scheuchen. Der Dank für die Hängemattenakrobatik? Spott und Hohn von allen Seiten.

Dabei hätte es Miss Gabby Gabby Hey sicher auf einen Versuch ankommen lassen. Frosch. Prinz. Sie wissen schon. Ist ja sonst kein vernünftiges Männermaterial dabei im Camp. Der Typ, bei dem die Glocken von Rom tiefer hängen als das Seil? Nein, danke! FM-Dingsbums? Falsche Zielgruppe und potentielle Tripper-Gefahr. ("Irgendwie kribbelt's am Schniepi!") Dr. Sigmund Sommer? Redet sich um Kopf und Beischlaf. Sauertopf Mola? Spricht lieber über Erdgas und hätte sowieso an jeder Position was zu meckern. Bleibt noch Marco, der Typ mit der Mütze. Eigentlich ganz schnuckelig - nur leider viel zu boooooring.

Aus Glatzenpeter wird Atze später

Doch genau jener Marco hatte sich gute Chancen ausgerechnet, mit der "kleinä Schokomaus" mehr als nur zu snoozeln. In Mathe wohl nicht aufgepasst, Freundchen! So lagen die beiden des Nachts zwar beieinander, nicht aber im biblischen Sinne. Im Gegenteil: Dermaßen groß nahm sich der Sicherheitsabstand zwischen den beiden Pseudo-Turteltäubchen aus, dass selbst der dicke Klaus dazwischen gepasst hätte. Muss der Mützenmann wohl weiter Mütze-Glatze spielen.

Spaß weder unten- noch obenrum verhieß der neue Tag dagegen für Larissa. Mehr noch als die nächste Dschungelprüfung fürchtete die Prinzessin auf der Kokosnuss nämlich den Zorn des Glatzenpeters. Wir erinnern uns: Erst gestern hatte Curly Winfried angesichts der mangelnden Schluckbereitschaft der Wannabe-Actrice seinen inneren Klaus Kinski kanalisiert. Und nun waren ausgerechnet der alte Mann und das Gör zur gemeinsamen Prüfung auserkoren worden. Das Camp hielt den Atem an: Würde das HB-Männchen aus der SBZ nun endgültig in die Luft gehen?

Die Kommissare Kottan und Stockinger standen schon in den Startlöchern, um im ersten Live-Mord der Fernsehengeschichte zu ermitteln, als das Unglaubliche geschah: Deeskalation. Waffenstillstand. Ja sogar ein Hauch von Freundschaft lag in der Wendler-Parfüm getränkten Luft. Die Vorarbeit zum unwahrscheinlichsten Friedensschluss seit Modern Talkings Wiedervereinigung in den Neunzigern leistete, natürlich, Bendels Jochen. Der in Palmolive wiedergeborene Lager-Jaenicke nahm sich des zarten Alpenpflänzchens an und legte seine Muckis mit Herz tröstend um Larissas zitternden Körper.

Dieses Grinsen! Dieses Grinsen!

Und Furien-Winfried? Der musste einsehen, dass Druck in Sachen Marolt wohl keine Diamanten hervorbringen würde. Ein taktischer Strategiewechsel war angeraten, sollte das Abendmahl nicht vollends ausfallen. Der Glatzenpeter vollzog ihn mit der Galanz des langjährigen Vollblutschauspielers. Vom keifenden Senior zum strengen Vaterersatz in drei Schritten: Friedenszigarette. Peptalk. Händchenhalten. Alles wird gut, Larissa. Schließ einfach die Augen, Larissa. Mach deinen Mund zu, Larissa.

Larissa gehorchte - und hielt durch! Bis zum Hals eingeschlossen ließ sich der weibliche Jar Jar Binks des Camps in einer überdimensionierten Sanduhr mit Kakerlaken, Grillen, Mehlwürmern, grünen Ameisen und Soldatenkrabben berieseln. Winfried behielt ebenfalls die Nerven - und summte dazu noch die denkwürdigste "Hoch auf dem gelben Wagen"-Intonation seit Walter Scheel. Fünf Minuten später hatte das dynamische Duo zehn Sterne in der Tasche - und die eine oder andere Kakerlake in der Hose.

Bleibt nur dahingestellt, ob es tatsächlich Winfrieds Beruhigungstaktik war, die Larissa für einen Moment von ihrem fremden Stern auf den harten Dschungelboden zurückholte - oder doch nur die Angst vor Ersatzpapas irrem Grinsen. Hatte sich Glatzenpeter etwa den Kopf mit Pfeffi zugeknallt, als freundliches Lächeln auf dem Stundenplan seines Schauspielunterrichts in Babelsberg stand? Hatte er die versäumte Lektion dann alleine vor dem Spiegel nachgeholt - mit Jack Nicholson und dem Joker als Vorlage? Sicher ist: Nach diesem Dschungeltag muss die Frage erlaubt sein: Spielt der nur irre - oder ist er's schon?

Fragen, die bleiben

- Hat Doktor Bob gerade seinen Großzügigen und verteilt Gelbe Scheine auf Vorrat?

- Wollte der Wendler wirklich nur zurück ins Camp, weil er den Farbfilm vergessen hatte?

- Warum hat sich noch niemand von der PETA bei den Machern des Dschungelcamps gemeldet? Oder haben Kakerlaken keine Lobby?

- Übernimmt Mola Adebisi in der nächsten Realverfilmung von "Heidi" die Rolle der Fräulein Rottenmeier?

- Wer macht mit beim neuen Dschungel-Trinkspiel? Jedesmal, wenn Corinna Drews eine Schnute zieht, muss ein Korn geext werden.

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- Und wo war eigentlich Tanja... ach, vergessen Sie's!

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