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ZDF-Satire: Storch, Maus und Hering: "heute-show" zu harmlos für die AfD

Die "heute-show" schlägt einen neuen Weg ein. Beim AfD-Parteitag versuchte es Lutz van der Horst mal mit Nettigkeit - doch der Versucht ging in die Hose.

Beatrix von Storch in der "heute-show"

Lutz van der Horst besucht die AfD und schenkt Beatrix von Storch eine abrutsch-sichere Maus

Was wäre die "heute-show" ohne die AfD? Seit die FDP aus dem Bundestag gewählt wurde, ist die rechte Partei die bevorzugte Zielscheibe für den Spott der ZDF-Satiresendung. Erst recht, seit die Gruppierung Wahlerfolg um Wahlerfolg feiert und in immer mehr Parlamente einzieht.

Nachdem das Team um Moderator Oliver Welke in der Vergangenheit häufig konfrontativ vorging und die Politiker dieser Partei mit kritischen Fragen aus der Reserve locken wollte, versuchte es Lutz van der Horst diesmal mit einem ganz neuen Angang: Jahrelang habe man die AfD kritisiert, was in letzter Konsequenz zu zweistelligen Ergebnissen geführt hätte, so van der Horst. Nun wolle er es mal andersrum versuchen: mit Lob. "Vielleicht kriege ich sie ja so kaputt."

Die "heute-show" auf dem AfD-Parteitag

Mit einer Charme-Attacke stürzte er sich auf den erstbesten Parteitagsdelegierten und überhäufte ihn mit Komplimenten: "Ich finde die AfD super. Und ich find Sie super. Ich finde Ihr Jackett super. Und ich find Ihre Frisur super. Sie sind ein super Typ."

Die Europaparlamentarierin Beatrix von Storch überraschte er mit einem Geschenk: Er übergab ihr eine rutschfeste Maus - in Anspielung auf ihre Ausrede, sie sei auf der Computermaus ausgerutscht, als sie auf Facebook den Schießbefehl auf Frauen und Kinder gerechtfertigt hatte.

Dem sachsen-anhaltinischen AfD-Landeschef André Poggenburg stellte er die folgende Frage: "Sie sind jetzt Oppositionsführer. Hätten Sie diesen Titel auch gerne ohne Opposition?" Ein plumper Versuch, auf den Poggenburg nicht reinfiel.

Wie überhaupt sich immer wieder zeigt, dass der Partei mit der plumpen Satire der "heute-show" nicht beizukommen ist. Zum Beispiel im Interview mit einem Delegierten, der die Schuldfrage nach dem Zweiten Weltkrieg ausweichend beantwortete und einen "jüdischen Wissenschaftler" zitierte, der gesagt habe: "Es kommt nicht drauf an, wer den ersten Schuss abgibt, sondern wer den gezwungen hat, den ersten Schuss abzugeben."

Das ist haarsträubender Geschichtsrevisionismus, den ihm van der Horst durchgehen ließ. Eine Erwiderung kam dann an ganz anderer Stelle: Als der Mann über Otto von Bismarck sprach, fiel dem Komiker nichts besseres ein, als den Bismarckhering ins Spiel zu bringen. Woraufhin der Herr das Gespräch abbrach. Für den plumpen "heute-show"-Humor ist inzwischen selbst so mancher AfD-Politiker zu schlau.