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US-Vierteiler mit Meryl Streep: Viele Deutsche begriffen die Shoah erst durch diese Serie - die Dritten wiederholen "Holocaust"

Die Serie "Holocaust" ließ Ende der 70er Jahre Millionen Deutschen die volle Tragweite des Völkermordes an den Juden begreifen. Jetzt wiederholen die dritten Programme den Vierteiler noch einmal. Der Zeitpunkt ist gut gewählt.

Meryl Streep in der US-Serie "Holocaust"

Meryl Streep spielt in der US-Serie "Holocaust" Inga Helms-Weiss, die in den 1930er Jahren einen Juden heiratet.

ARD Degeto

Was zigtausende von Geschichtsbüchern, Dokumentationen und Zeitungsartikeln nicht vermocht haben, hat diese Serie geschafft: Erst durch den US-Vierteiler "Holocaust" haben Millionen Deutsche begriffen, was ihr Land zwischen 1933 und 1945 den Juden angetan hat. Es war diese Serie, die das bis heute nicht fassbare Verbrechen ein wenig verständlicher gemacht, die den Millionen anonymen Opfern konkrete Gesichter gegeben - und dadurch bei den Deutschen ein Bewusstsein für die historische Schuld ihrer Nation geschaffen hat.

Vor genau 40 Jahren, im Januar 1979 strahlten die Dritten Programme die vier Folgen der US-Serie innerhalb von fünf Tagen aus, zehn bis 15 Millionen Menschen sahen zu, was Einschaltquoten von bis zu 39 Prozent entsprach. Die Verfilmung eines Romans von Gerald Green, der auch das Drehbuch verfasste, löste Debatten aus. Erzählt wird die fiktive Geschichte der Familie Weiss: Im Mittelpunkt steht der Kunstmaler Karl Weiss (James Woods), der 1935 Inga Helms (Meryl Streep) heiratet. Weil Karl aus einer jüdischen Familie stammt, gilt die Ehe als "Mischehe" - und ist als "Rassenschande" unter Strafe gestellt. Die vier Teile erzählen von der grausamen Verfolgung, die das Paar sowie weitere Charaktere der Serie erleiden müssen.

Kritik und Lob für "Holocaust" 

Während es damals viele Kritiker problematisch fanden, den Mord an den Juden als Seifenoper aufzuarbeiten, wird die Serie heute als Meilenstein in der Mentalitätsgeschichte gesehen. Erst danach war auch ein Massenpublikum bereit, sich mit Verbrechen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.

Es gab auch konkrete politische Auswirkungen: Dass der Bundestag 1979 die Verjährungsfrist für Mord aufhob, wird ebenfalls dem Einfluss von "Holocaust" zugeschrieben.

Die Relativierer werden lauter

Das 40. Jubiläum der deutschen Ausstrahlung ist ein guter Anlass, die Serie noch einmal zu zeigen und die NS-Verbrechen in Erinnerung zu rufen. Denn es gibt in letzter Zeit wieder vermehrt Stimmen, die den Völkermord an den Juden relativieren. Diese Menschen sitzen mittlerweile im Bundestag und in den Landtagen. AfD-Chef Alexander Gauland bezeichnete Hitler und die Nazis als "Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, der thüringische AfD-Fraktionschef Björn Höcke nannte das Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande". 

Angesichts dieser Tendenzen zur Normalisierung und Verharmlosung kommt "Holocaust" genau zur rechten Zeit. Man wünscht der Serie möglichst viele Zuschauer.

Die Sendetermine im Überblick:

WDR Fernsehen: 

7.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 1 
8.1.2019, 22.10 Uhr, „Holocaust“ – Teil 2 
14.1.2019, 22.10 Uhr, Dokumentation „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“, 22.55 Uhr, „Holocaust“ – Teil 3 
15.1.2019, 22.10 Uhr, „Holocaust“ – Teil 4 

NDR Fernsehen:

7.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 1 
14.1.2019, 23.15 Uhr, „Holocaust“ – Teil 2 
16.1.2019, 23.45 Uhr, „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“
21.1.2019, 23.15 Uhr, „Holocaust“ – Teil 3
28.1.2019, 23.15 Uhr, „Holocaust“ – Teil 4 

SWR Fernsehen:

9.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 1 
16.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 2, 23.35 Uhr, Dokumentation „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“
23.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 3
30.1.2019, 22.00 Uhr, „Holocaust“ – Teil 4 

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