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Nach 36 Jahren Abschied von der "Tagesschau": Diese Nachrichten bewegten Jan Hofer am meisten

Jan Hofer verabschiedet sich von der "Tagesschau"
Jan Hofer spricht seit 1985 die "Tagesschau", 2004 wurde er zum Chefsprecher befördert
© Hendrik Lüders (BFF) / Picture Alliance
Am Montagabend verliest Jan Hofer ein letztes Mal die Nachrichten: Der "Tagesschau"-Sprecher geht nach 36 Jahren in den Ruhestand. Dabei wäre er fast nicht in der ARD gelandet – Schuld war eine Flasche Rotwein.

Seit 1985 verkündet er die wichtigsten Meldungen des Tages, nun wird er selbst zur Nachricht: Jan Hofer verlässt die "Tagesschau" und begibt sich mit 68 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Am Montagabend führt er zum letzten Mal als Sprecher durch die 20-Uhr-Ausgabe von Deutschlands ältester Nachrichtensendung. Vor allem nach dem anstrengenden Corona-Jahr freue er sich auf mehr freie Zeit. "Mein letzter Urlaub war im letzten Jahr. Ich bin jetzt einfach durch", sagte Hofer der "Bild"-Zeitung.

Ein wenig Wehmut dürfte dennoch dabei sein, wenn Hofer zum letzten Mal das TV-Studio betritt. Von den Zuschauern wolle er sich mit persönlichen Worten verabschieden. "Es wäre nicht so gut, wenn man einfach sagt 'tschüs, das wars'. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen ihr ganzes Leben mit mir verbracht haben", sagte der gebürtige Rheinländer dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". 

Dabei wäre es fast gar nicht dazu gekommen, dass Jan Hofer bei der "Tagesschau" landet. Nach seinem Abitur studierte er BWL in Köln und absolvierte anschließend ein Volontariat bei verschiedenen Rundfunkanstalten. Erste Moderatorenjobs erhielt er Anfang der Achtziger beim Saarländischen Rundfunk. So wurde Werner Veigel, damals Chefsprecher der "Tagesschau", auf Hofer aufmerksam und bot ihm bei einem Treffen in Hamburg einen Job an. "Ich dachte erst, Veigel wolle mich auf den Arm nehmen, drehte mich um - und stieß dabei eine Flasche Rotwein um, direkt auf die Hose von Veigel. Der NDR-Moderator Carlo von Tiedemann, der auch mit am Tisch war, sagte daraufhin zu mir: Damit ist die Karriere zu Ende, bevor sie begonnen hat. Es kam dann aber doch anders", erinnerte sich Hofer im Interview mit "tagesschau.de".

Jan Hofer plante nur fünf Jahre bei der "Tagesschau"

Fast 36 Jahre blieb er der "Tagesschau" verbunden, obwohl er anfangs geplant hatte, nur fünf Jahre dort zu arbeiten. Doch private Umstände stimmten ihn um. In über drei Jahrzehnten hat Hofer Nachrichten verlesen, die die Weltgeschichte prägten. Am stärksten in Erinnerung geblieben sei ihm dabei die Sendung zum Mauerfall am 9. November 1989.

Besonders ergriffen zeigte er sich bei der Katastrophe von Rammstein. "Da ist bei der Flugschau ein Jet ins Publikum gerast und das ist bei uns live eingespielt worden, das hatte ich vorher nicht gesehen. Wir hatten einen Reporter vor Ort, der das dann berichtet hat. Da ist es mir wirklich kalt den Rücken heruntergelaufen und ich hatte Probleme, da weiterzumachen", sagte Hofer dem RND.

"Wenn man das 36 Jahre gemacht hat und das wie ein Wohnzimmer war, dann wird sicherlich was fehlen. Die tägliche Routine, die Kollegen und vielleicht auch der Gang vor die Kamera. Was mir nicht fehlen wird, ist das tägliche Geschminktsein", lautet Hofers Fazit zum Abschied von der "Tagesschau". Am meisten freue er sich nun darauf, auszuschlafen und ein komplettes Wochenende mit seiner Familie oder Freunden zu verbringen. Hofer ist in zweiter Ehe verheiratet und hat einen fünfjährigen Sohn. Aus erster Ehe stammen seine drei älteren Kinder.

Seinen Posten als Chefsprecher bei der "Tagesschau" übernimmt Jens Riewa, der seit 1991 Hofers Kollege war. Ihm wünscht Hofer vor allem eines: Gelassenheit.

Quellen:tagesschau.de; RND, "Bild"-Zeitung

jum

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