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Kerner macht Schluss mit "Kerner": Das Ende eines Missverständnisses

Beim ZDF war er der große Zampano, doch seit seinem Wechsel zu Sat.1 ist die Karriere von Johannes B. Kerner ins Stocken geraten. Sein Gastspiel bei dem Privatsender hat von Anfang an nicht gepasst. Nun droht der Moderator in der medialen Versenkung zu verschwinden.

Von Carsten Heidböhmer

Selten hat sich ein Senderwechsel für einen Moderator so wenig ausgezahlt wie in diesem Fall. Als Johannes B. Kerner 2009 das ZDF verließ, um sich bei Sat.1 neuen Aufgaben zu widmen, gehörte er zu den wenigen Schwergewichten im deutschen Fernsehen: Er moderierte fürs ZDF vor einem zweistelligen Millionenpublikum die Spiele der Fußball-Nationalmannschaft, hatte eine überaus erfolgreiche Talkshow und durfte freitagabends kochen. Etwas mehr als zwei Jahre später ist Kerner aus der öffentlichen Wahrnehmung fast verschwunden. Einzig bei seinen Moderationen der Champions-League-Spiele kann er sich noch einem größeren Publikum präsentieren. Doch die Fußballrechte fallen im kommenden Jahr ans ZDF, Kerners alten Arbeitgeber. Spätestens dann hätte er sich komplett ins mediale Abseits katapultiert. Und nun wird auch noch "Kerner" eingestellt, jene Sendung, mit der der 46-Jährige sein Profil schärfen wollte.

Dabei sah zunächst alles nach einem klugen Karriereschritt aus. Kerner fühlte sich zu Höherem berufen, wollte wie sein Kollege Günther Jauch bei "stern TV" journalistisch arbeiten und nicht nur den fluffigen Moderator spielen. Folgerichtig sprach ZDF-Intendant Markus Schächter damals davon, Kerner strebe "nach neuen Horizonten".

Von Beginn an Probleme

Doch das neue Sat.1-Magazin hatte seit seinem Start im November 2009 mit Problemen zu kämpfen. Zunächst auf den Sendeplatz am Montagabend gepackt, fiel die schlicht "Kerner" betitelte Show beim Publikum komplett durch. Die erste Sendung kam auf einen Marktanteil von 7,6 Prozent und sank in der dritten Woche auf desaströse 4,5 Prozent. Erhofft hatte sich der Sender einen zweistelligen Marktanteil. So zog Sat.1 schon nach drei Folgen die Reißleine und verschob das Magazin auf den Donnerstagabend. Dort wurde es zunächst nur unwesentlich besser, die Marktanteile blieben im einstelligen Bereich, woran auch die ständig wechselnde Anfangszeit schuld ist.

Nach der Sommerpause 2010 versuchte Kerner mit seiner als "TV-Experiment des Jahres" angepriesenen Aktion "Wo ist Sven" mehr Publikum zu gewinnen. Dabei tauchte ein Reporter drei Wochen unter, die Zuschauer sollten ihn anhand seiner Spuren, die er mit Handy, EC-Karte und auf Überwachungsvideos hinterließ, auffinden. Trotz einer großangelegten Werbekampagne schalteten nur 1,15 Millionen Menschen ein, der Marktanteil lag erneut deutlich unter zehn Prozent. Zu allem Überfluss wurde Sven schon nach vier Tagen geschnappt. Neben dem Misserfolg erntete Kerner auch noch Hohn und Spott.

"Sternstunde des Betroffenheitsfernsehens"

Überhaupt standen die Kritiker mit dem Magazin von Beginn an auf Kriegsfuß. Höhepunkt dieser schwierigen Beziehung war Kerners im Dezember 2010 aus Afghanistan gesendete Show - inklusive Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und dessen Frau. "Sternstunde des Betroffenheitsfernsehens" schrieb "Zeit-Online" damals. Und SPD-Chef Sigmar Gabriel ätzte: "Ich finde, Frau Katzenberger fehlt noch."

2011 wurde es dann etwas besser. Seit Kerner mit dem Donnerstagabend um 22.15 Uhr einen festen Sendeplatz bekommen hat, haben sich die Quoten bei über zehn Prozent eingependelt. Doch im September hatte die Sendung erneut einen Zuschauerrückgang zu beklagen. Kerner selbst war offenbar auch nicht zufrieden: "Mein Urteil fällt im Zweifelsfall härter aus als das der Zuschauer", hatte er erst vor wenigen Wochen dem Branchenmagazin "DWDL" gesagt. Seine Annahme, es auch als Journalist schaffen zu können, war vielleicht das größte Missverständnis bei seinem Wechsel zu Sat.1.

Letzte Sendung am 15. Dezember

Daraus hat der Moderator nun Konsequenzen gezogen. Am 15. Dezember wird er "Kerner" zum letzten Mal moderieren. Sat.1 wird er weiter erhalten bleiben. Bis Mai präsentiert er die Spiele in der Champions League. Daneben soll er in diesem Herbst sechs Mal "Das große Allgemeinwissenquiz" moderieren. Geplant ist zudem ein Jahresrückblick, bei dem Kerner rund um die Welt reist.

Alles ganz nette Aufgaben. Für einen Moderator, der vor wenigen Jahren noch zu den bekanntesten Fernsehgesichtern des Landes gehörte und vor zig Millionen sendete, wohl doch eher ein Schritt in die Bedeutungslosigkeit.