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Krimi-Reihe: Im «Tatort» tauchen immer wieder dieselben Gesichter auf

Häh? Zuschauer von Deutschlands beliebtester Krimireihe reiben sich die Augen. Auch jenseits der wiederkehrenden Kommissare treten beim «Tatort» oft dieselben Schauspieler auf. Mörderbesetzung?

Katharina Marie Schubert

Ein bekanntes «Tatort»-Gesicht: Katharina Marie Schubert. Foto: Horst Galuschka

Schon wieder die? Katharina Marie Schubert war am Sonntagabend zum dritten Mal innerhalb von vier Monaten im «Tatort» zu sehen.

Die 42-Jährige spielte diesmal in Weimar die Mörderin, erst vor drei Wochen war sie im Frankfurter Krimi «Falscher Hase» die Täterin und im Mai sehr eindrucksvoll als Pflegerin im Stuttgarter Krimi «Anne und der Tod» zu sehen. Es ist nicht das erste Mal, dass dieselbe Schauspielerin oder derselbe Schauspieler gehäuft in Episodenrollen besetzt wird - manchmal ist es arg nah beieinander.

Besonders extrem war es dieses Jahr mit Peter Trabner (dazu später mehr), 2012 mit Ole Puppe, 2006 mit Annett Renneberg oder im Jahr 2000 mit Rolf Illig, die alle jeweils sogar an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen mitspielten.

Was das Publikum vielleicht wundert - Motto: Hat Deutschland eigentlich keine anderen Schauspieler? - stößt bei den Sendern eher auf Unverständnis: «Das Wiedersehen mit beliebten Gesichtern im Fernsehen ist für die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer nach unserer Erfahrung zunächst einmal ein Grund zur Freude», teilt WDR-Fiction-Chef Alexander Bickel mit. Er spricht im Auftrag von ARD-Fernsehfilmkoordinator Jörg Schönenborn. Beschwerden dazu gebe es beim «Tatort» nicht mehr als für andere Programme.

Auf die Frage, wie es denn öfter zu den gleichen Schauspielern beim Sonntagskrimi komme, erläutert Bickel: «Die 'Tatort'-Produktionen werden von den ARD-Landesrundfunkanstalten unabhängig voneinander redaktionell betreut und produziert, dies betrifft auch Besetzungen von Filmen.» Die ARD-übergreifende Planung trage aber Aspekten wie Themen, Motiven oder eben auch Besetzungen Rechnung. «Durch unterschiedliche Produktionsabläufe in den Landesrundfunkanstalten ist eine Häufung freilich nicht immer zu vermeiden.»

Dem «Tatort»-Experten François Werner fallen eine Menge Häufungen bei Episodenhauptrollen oder Nebenrollen ein. Christina Große war 2018 zum Beispiel in drei «Tatorten» dabei und ist auch dieses Jahr in zwei Produktionen - sogar vom selben Sender - zu sehen.

«Gefühlt tauchen einige Darsteller immer wieder im 'Tatort' in sehr kurzen Abständen auf», sagt Werner von «tatort-fundus.de». Die hohe Schlagzahl bei den Wiederholungen verstärke vielleicht noch diese Wahrnehmung. «'Ärgerlich' wird es für Fans aber meist nur bei kurzen zeitlichen Abständen, in denen ein Darsteller gleich wieder der Mörder ist.» In den fast 50 Jahren «Tatort» gab es demnach immer wieder Darsteller, die besonders angesagt waren oder als Neuentdeckungen bei den Krimiproduzenten galten.

«Dann entstehen Phasen, in denen diese Darsteller kurz hintereinander häufig im 'Tatort' auftauchen - das gibt sich dann meistens wieder auch», hat Werner beobachtet. «Ich persönlich erinnere mich an Karl Kranzkowski, Bernhard Schütz oder Florian Bartholomäi, die subjektiv in jedem zweiten mitspielten, was faktisch natürlich gar nicht stimmt und auch kein Werturteil ist. Bei vielen Fans entstehen dann aber Gefühle und Meinungen wie 'Den kann ich nicht mehr sehen' oder 'Der ist doch wieder der böse Bube', ein sogenannter 'Besetzungsmörder' - also wenn die Besetzung schon fast die Auflösung des Krimis verrät.»

Anderseits sieht Werner auch das Problem für die Sender, dass eine Begrenzung der Auftritte pro Darsteller einer Art Berufsverbot gleichkäme und eine künstlerische Einschränkung wäre. «Es darf dennoch die Frage gestellt werden, ob man Frau Schubert dreimal in kurzer Folge als Mörderin sehen muss. Auch wenn die Programmverantwortlichen behaupten, das ließe sich nicht immer vermeiden, glaube ich, dass man sich da besser abstimmen könnte.»

Katharina Marie Schubert selber möchte sich übrigens auf Nachfrage nicht zu ihren gehäuften Auftritten beim «Tatort» äußern, dankt aber freundlich für das Interesse an ihrer Person und Schauspielkunst.

Fast ein anderes Thema, aber geradezu verwirrend sind die Fälle, in denen feste Nebenrollendarsteller aus der «Tatort»-Welt bei anderen Teams der Reihe auftauchen.

Peter Trabner zum Beispiel, der im Dresdner «Tatort» den Gerichtsmediziner Falko Lammert spielt, mimte kürzlich nach seinem Einsatz in Sachsen Ende April eine Woche später in Berlin den Mörder. Und zwei Wochen nach seinem Dresdner Einsatz vom 18. August war er der brave Ehemann Hajo der Katharina-Marie-Schubert-Figur Biggi im Frankfurt-Krimi «Falscher Hase».

Thorsten Merten, der in Weimar den Kommissariatsleiter Kurt Stich spielt, war dieses Jahr schon einmal Mörder in Franken und einmal Mordopfer in Frankfurt. Vergangenes Jahr im Oktober trat er außerdem in einem Münchner «Tatort» als Bösewicht auf.

Britta Hammelstein, die bei Til Schweiger Tschillers Kollegin Ines Kallwey spielt, war dieses Jahr in Dresden eine Mutter, die ihre Söhne zum Mord am Vater anstiftete und letztes Jahr die Ehefrau im Stuttgarter Fall «Der Mann, der lügt».

In beiden ARD-Sonntagskrimireihen präsent ist Uwe Preuss, der seit fast zehn Jahren beim Rostocker «Polizeiruf 110» Hauptkommissar Henning Röder spielt und jetzt im Dresdner «Tatort» die Rolle des Vaters von Ermittlerin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) übernimmt.

Von der Fernsehfilmkoordination heißt es zu alledem: «Das Ziel der ARD-Koordination Fernsehfilm ist eine für die Zuschauer attraktive Planung. Dazu gehört das Einvernehmen, dass die Darsteller und Darstellerinnen aktiver Ermittlerteams von 'Tatort' oder 'Polizeiruf' nicht die Mörder innerhalb der beiden Reihen spielen sollen. Tatsächliche Verbote, in anderen Reihen mitzuwirken, wären aber nur durch unverhältnismäßig kostspielige Exklusivverträge möglich.»

dpa