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TV-Kritik

Premiere für Luke Mockridge: Die Not-so-Greatnightshow

Flashmobs, Männer mit BHs, Roberto Blanco, David Hasselhoff und alte Bond-Filme - wo ist eigentlich Andrea Kiewel, wenn man sie wirklich mal braucht? Das Beste an der ersten Freitagabend-Show mit Luke Mockridge: Es sind nur noch sieben Sendungen.

Von Ingo Scheel

Luke Mockridge startet mit einer neuen Freitagabend-Show auf Sat1

"Wir sehen uns jetzt jeden Freitag", brüllte Luke Mockridge am Ende ins Mikro und es stellten sich einem schon angstvoll die Nackenhaare auf. Zumindest denjenigen unter den Zuschauern, die sich die Sendung zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Bloody Mary oder Batteriesäure schöngetrunken hatten. Auftakt für die große Sat1-Freitagabend-Offensive, der erste Durchlauf von "Luke! Die Greatnightshow" stand an und zu Beginn hatte man noch ganz kurz das Gefühl, das könnte möglicherweise doch partiell, nun ja, lustig wäre zu hoch gegriffen, aber zumindest nicht in die Hose gehen.

Roberto Blanco als Wiedergänger Morgan Freemans, als lieber Gott, geriet durchaus charmant. Mit dem Einstiegsliedchen aber lief direkt einiges aus der Spur. War da der Teleprompter falsch eingestellt? Der Text zu weit unten, unleserlich geschrieben? Mocky Luke, mit Sergeant-Pepper-Jacken-Imitat von Kik, schiefem Blick und satter Lampenfieber-Steife um die Wangen, brachte das Ding jedenfalls über die Rampe wie Tommi Ohrner direkt nach dem Zahnarztbesuch.

Hasenmützen und Kinderwitze

Aber hey, aller Anfang ist schwer, also direkt hinein in die große Fernsehgarten-Enthüllungsprozedur und siehe da: Die Witze stammten von Kindern. Da saß Mockridge nun also wie einst Marijke Amado mit den Dreikäsehochs zusammen und ließ sich die Pointen für den bevorstehenden Kiwi-Kongress von ein paar Steppkes ins Stammbuch schreiben. Rentner riechen nach Kartoffeln. Fürze aus der Achselhöhle. Bananen als Telefonhörer - alles Schülerwitze. Auch das ein lustiger Einfall, der vor dem Hintergrund des Empörungs-Overkills der vergangenen Wochen jedoch irgendwie versandete.

Wo ist der Witz, wenn Mockridge bekennt, sich selbst beim Anschauen des Auftritts "fremd"geschämt zu haben, um gleichzeitig jedoch für die Pennäler-Pointe in der Zweitverwertung Applaus einzufahren? Zumindest ergab die X-te Wiederholung der von Andrea "Never Again!" Kiewel abgebrochenen Performance noch einmal die Gelegenheit, sich diese Frau mit der Hasenmütze und den wackelnden Ohren im Publikum direkt hinter Mockridge anzuschauen. Irre gut. Beste Zuschauerin ever.

Collage: Matze Knopp mit Social Media Screenshots

Sehnsuchtsort Fernsehgarten

Bald vierzig Minuten wurden so rumgebracht, bis der Fortgang des Geschehens das veranschaulichte, was Kevin Spacey einst in "American Beauty" über den Moment nach dem morgendlichen Onanieren unter der Dusche sagte: "Das war der Höhepunkt des Tages. Von nun an geht’s bergab." Im Falle der "Greatnightshow" fühlte es sich kurz darauf an, als hätte man K.O.-Tropfen verabreicht bekommen und wäre halbnackt auf einem Schlagermove von vor 20 Jahren wiederaufgewacht. Bräsige Guerilla-Aktionen zeigten Mockridge in einem Mix aus Flashdance und Flashmob an einem Kölner Zebrastreifen, alberne Perücken, Überraschungsgezappel und Guck-mal-Luke-tanzt-oben-ohne-nur-mit-BH-Schwachsinn inklusive. 

Und auch die nachfolgenden Programmpunkte ließen Kiwis Show-Interruptus im Fernsehgarten zu einem Sehnsuchtsort werden. Erst wurde Mockridge in einen ollen Bond-Film montiert, um zwischen Daniel Craig und Mads Mikkelsen zu kalauern, später gab's Stand-up-Comedy im Sitzen vom an Muskeldystrophie erkrankten Carl Josef. Sexwitzchen von 14-Jährigen als Programmpunkt? Wer auf sowas steht, trägt wohl auch T-Shirts mit kackenden Pferden vorne druff.

Anschließend Trauerkloß-Pop von Lewis Capaldi, der die Geschichte seines Liebessongs erzählen wollte, stattdessen aber zunächst einmal rülpste,. Kurz danach, als Capaldi mit Mockridge zusammen eben dieses Liedchen trällerte, saß augenscheinlich der Typ am Knopf mit der Werbung, der neulich auch schon bei Magdeburg und THW Kiel im Dienst war - und diesmal skrupellos zur Verkaufsankurbelung des produktplazierenden PKW-Hersteller rüberflankte.

Ironische Allzweckwaffe

Mit Nora Tschirner schließlich setzte sich dann noch eine echte Allzweckwaffe auf die Show-Couch, wie gewohnt mit chronisch ironisierender Brechung, im Sinne von "Ich weiß, das hier ist Grütze, aber da müssen wir jetzt irgendwie zusammen durch". Einer Haltung also, die so große Teile ihres Schaffens durchzieht, dass man sich fragt, warum sie nicht mal was macht, worauf sie Bock hat. Wobei - macht sie ja, denn eigentlich ist sie nur gekommen, um ihren neuen Film "Gut gegen Nordwind" zu promoten und den findet sie ja wohl doch ganz knorke.

So knorke, dass sie sich dafür sogar noch einmal David Hasselhoff an den Hals wirft, der am Ende eines "East Side Musicals" - zu grausam, um es an dieser Stelle detailliert auszuführen - tatsächlich noch "Looking For Freedom" schmettert. Und auch The Hoff ist gekommen, um zu werben. Sein neuestes Produkt heißt "Up Against The Wall. Mission Mauerfall", ein Hörbuch. In diesem Sinne: Eine geschafft, sieben Sendungen sind es noch. Es sei denn, Andrea Kiewel…