HOME
TV-Kritik

ZDF-Dreiteiler mit Tom Schilling: Spione, Sex und Schlaghosen - das bringt "Der gleiche Himmel"

Mit dem Dreiteiler "Der gleiche Himmel" führt das ZDF den Zuschauer ins Berlin der 70er Jahre und erzählt eine packende deutsch-deutsche Geschichte. Tom Schilling allein lohnt das Einschalten.

"Der gleiche Himmel" mit Tom Schilling

Der DDR-Romeo Lars Weber (Tom Schilling) soll in West-Berlin eine Datenanalystin des britischen Geheimdienstes verführen.

Jahrelang haben hiesige Fernsehfans neidisch ins Ausland geblickt. Während in den USA, England oder Skandinavien Serien produziert wurden, die weltweit auf Begeisterung stoßen, mussten sich deutsche Zuschauer zumeist mit biederem Mittelmaß begnügen. International konkurrenzfähige Produktionen wie "KDD - Kriminaldauerdienst" oder "Im Angesicht des Verbrechens" blieben ohne Nachfolger, dagegen entwickelten sich ambitionslose Serien wie "In aller Freundschaft", "Der Bergdoktor" oder "Um Himmels Willen" zu Dauerbrennern.

Doch das ändert sich gerade, Deutschland holt auf - und wird auch für den Weltmarkt attraktiver. Dafür gibt es einige Hinweise. Die 2015 ausgestrahlte, von Ufa Fiction produzierte Serie "Deutschland 83" wurde an 38 TV-Sender und Videoplattformen in aller Welt verkauft. Nach nur einem Wochenende gab Amazon eine zweite Staffel der von Matthias Schweighöfer verantworteten Serie "You Are Wanted" in Auftrag.

Öffentlich-rechtliche Qualität: "Charité" und "Der gleiche Himmel"

Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen greift in den Wettbewerb um mehr Qualität ein. Mit "Charité" hat die ARD vergangene Woche gezeigt, dass anspruchsvollere Stoffe durchaus ihr Publikum finden. Nun legt das ZDF mit einem Dreiteiler nach: "Der gleiche Himmel" erzählt eine packende Agentengeschichte im geteilten Berlin der 70er Jahre. Ähnlich wie bei "Deutschland 83" wird auch hier ein junger Ost-Agent in den Westen geschickt. Der 25 Jahre alte Lars Weber (Tom Schilling) wird als Romeo auf die alleinstehende Lauren Faber (Sofia Helin) angesetzt, die als Datenanalystin für den britischen Geheimdienst arbeitet.

ZDF-Dreiteiler "Der gleiche Himmel": Spionage, Sex und Schlaghose
"Der gleiche Himmel"

Im Mittelpunkt des ARD-Dreiteilers "Der gleiche Himmel" steht der 25-jährige Lars Weber, brillant gespielt von Tom Schilling. Er ist linientreuer DDR-Bürger und lässt sich zum Romeo-Agenten ausbilden. Sein erster Einsatz: Er soll nach West-Berlin und eine Frau verführen, die beim britischen Geheimdienst arbeitet.


Der ZDF-Dreiteiler will allerdings mehr als nur eine spannende Geschichte erzählen. An zeitgemäßen US-Serien geschult, baut der Film (Buch: Paula Milne, Regie Oliver Hirschbiegel) mehrere parallele Handlungsstränge auf und führt eine Vielzahl von Charakteren ein, anhand derer er einen Einblick in das Leben in beiden deutschen Staaten gibt. So kann der Dreiteiler viele Themen anreißen: die von der Stasi geförderte Blockwart-Mentalität, Staatsdoping schon bei Kindern, Schwule in Ost und West, um nur einige zu nennen. Einziger Wehrmutstropfen: Um all die Stränge sinnvoll zu Ende zu erzählen, hätte es mehr als drei Folgen gebraucht. So fällt das Ende ein wenig unbefriedigend aus. Eine Fortsetzung von "Der gleiche Himmel" ist aber bereits angedacht. Noch vor der Ausstrahlung konnte Produzent Ufa Fiction die Rechte in 100 Länder verkaufen, die Rechte für den englischsprachigen Raum hat sich Netflix gesichert. Deutsche Geschichte scheint derzeit im Ausland stark angesagt zu sein.

Die Serie lohnt nicht nur wegen der Zeitreise in die 70er. Allein der großartige Tom Schilling als Spion mit der Lizenz zum Verführen ist ein Grund zum Einschalten. In weiteren Rollen treten Jörg Schüttauf, Anja Kling, Claudia Michelsen und Ben Becker auf. Daneben gibt es ein Wiedersehen mit der schwedischen Schauspielerin Sofia Helin, die als autistische Kommissarin Saga Norén aus der Krimi-Serie "Die Brücke" bekannt geworden ist. Hier spielt sie eine ganz zarte, einsame Seele, die dem DDR-Romeo verfällt. Der Zuschauer könnte dagegen diesem Dreiteiler verfallen.

"Der gleiche Himmel" läuft am 27., 29. und 30. März um 20.15 Uhr im ZDF.