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Wunsch-"Tatort" Alberner wird's nicht – die Zuschauer wollen Weimar

Nora Tschirner, Christian Ulmen
Nora Tschirner und Christian Ulmen ermitteln im "Tatort" aus Weimar.
© MDR/Anke Neugebauer
Ja, wir haben verstanden: In Weimar darf gelacht werden. Der Wunsch-"Tatort" mit Nora Tschirner und Christian Ulmen als Kommissare schlägt mit "Der treue Roy" die Münsteraner an Absurdität um Längen.

Worum geht's?

Um Siegrid (Fritzi Haberlandt) und Roy (Florian Lukas), zwei Geschwister, die keine weißen Tiger zähmen, dafür aber in der gemeinsamen Wohnung eine Katze halten. Die landet leider in der Waschmaschine und Roy im Hochofen eines Stahlwerks. Erst vermuten die Weimarer Kommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) Selbstmord. Denn Roy ist schuld daran, dass der Ex-Verlobte seiner Schwester Siegrid nur noch ein Bein hat. Flamingo nennen sie ihn (Thomas Wodianka) im Stahlwerk seitdem, er kann seine Behinderung nicht akzeptieren, verlässt Siegrid deshalb. Plagte den depressiven Roy das schlechte Gewissen so sehr? Oder hat Flamingo etwas mit dem Tod von Roy zu tun? 

Warum lohnt sich der "Tatort?

Weil er von Regisseur Gregor Schnitzler ("Was tun, wenn's brennt?") mit viel Liebe zum Detail inszeniert wurde. Hier eine ungewöhnliche Kameraeinstellung, dort ein Videoclip-Moment und in schwarz-weiß Rückblenden wird auch erzählt - der Film bemüht sich, aus den üblichen Krimi-Sehgewohnheiten auszubrechen. Außerdem agieren viele der Figuren überzeichnet, fast cartoonhaft und sorgen damit für eine gewisse Komik. Dieser "Tatort" liebt alles Verspielte. 

Was stört?

In "Der treue Roy" schießen sie mit dem Hang zum Absurden etwas über das Ziel hinaus. Muss wirklich jeder Nebendarsteller einen Tick haben oder wie ein Dummchen/Bösewicht aus einem Musical aussehen? Schwierig auch, dass gegen Ende des Films eine wirklich bedrohliche Situation für Kommissarin Dorn entsteht, die man sich bei all den Kalauern hätte sparen können. Insgesamt wirken die Ermittlungsmethoden oft wie aus einem Fall für die fünf Freunde von Enid Blyton.

Die Kommissare?

Muss man mögen - oder eben nicht. Wer Ulmen in Interviews arrogant findet, der wird auch härter über sein Schauspielvermögen urteilen. Der Schlagball-Abtausch zwischen den beiden wirkt gelegentlich etwas hölzern, so dass man fast meint, die Lacher aus der Konserve zwischen den einzelnen Pointen zu hören. Es ist aber immer noch eine nette Abwechslung, dass die beiden als Paar ermitteln.

Ein - oder ausschalten?

Einschalten. So ein wahnwitziges Ende hat es seit der Sequenz, in der Maria Furtwängler aus einem Hubschrauber baumelte, im "Tatort" nicht mehr gegeben. Müssen Sie sehen.

Die "Tatort"-Folge "Der treue Roy" wurde erstmals am  24. April 2016 ausgestrahlt. Die ARD wiederholt den Film am Sonntag, 26. Juli 2020, um 20.15 Uhr.

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