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"Polizeiruf 110" mit Matthias Brandt: Rechte Mörder und der lange Arm des Verfassungsschutzes

Vier Rechte haben einen Flüchtling tot geprügelt. Kommissar von Meuffels ermittelt - und gerät mit dem Verfassungsschutz in Konflikt. Ein "Polizeiruf 110", der Erinnerungen an den NSU-Skandal weckt.

"Polizeiruf 110" mit Matthias Brandt

Szene aus dem "Polizeiruf 110": Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt, r) möchte, dass Farim (Jasper Engelhardt) im Mordprozess aussagt.

  • 3 von 5 Punkten
  • Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) ermittelt in der rechten Szene und muss sich mit dem Verfassungsschutz rumschlagen. Starkes Thema, leider nicht durchgehend überzeugend umgesetzt.

Worum geht's?

Ein muslimischer Flüchtling soll in einer Unterführung eine junge Frau belästigt haben - und wird daraufhin von vier Männern aus der rechten Szene zu Tode getreten. Die Täter werden zwar zunächst festgenommen, doch sie kommen kurz darauf wieder auf freien Fuß. Denn der Verfassungsschutzmitarbeiter Peter Röhl (Joachim Król) hat einen von ihnen als V-Mann angeworben  - den Halbiraner Farim (Jasper Engelhardt). Der junge Mann ist auf diese Rolle jedoch nicht im Geringsten vorbereitet - und bringt sich in große Gefahr. Hanns von Meuffels möchte ihn gerne als Kronzeugen in seinem Mordprozess benutzen - und gerät mit dem aneinander.

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

Sollte der Verfassungsschutz V-Männer anwerben, um Informationen über die rechte Szene zu erhalten? Oder provoziert er damit erst Straftaten, die ohne die eingeschleusten Spitzel vielleicht gar nicht begangen würden? Eine Frage, die sich nicht erst seit den NSU-Morden stellt, die bis heute nicht umfassend aufgeklärt werden konnten - auch weil der Verfassungsschutz unzählige Akten vernichtet hat. Der " : Das Gespenst der Freiheit" (Regie: Jan Bonny, nach einer Idee von Günter Schütter) legt den Finger in die Wunde und stellt wichtige Fragen.

"Polizeiruf 110"

Das ist keine Ballermann-Party: Die hier feiern, sollen rechte Gewalttäter sein. So stellt zumindest dieser "Polizeiruf 110" die rechte Szene dar.

Was nervt?

So relevant das Thema ist, die Umsetzung ist alles andere als gelungen. Das liegt vor allem an der Besetzung der vier Gewalttäter aus der rechten Szene. Ein korpulenter Langhaariger mit Männerbrüsten, ein sensibler Halb-Iraner auf Wolke sieben, ein blonder Dauerschwätzer und ein unscheinbarer Schmächtling - diese vier Clowns sollen einen Muslim ermordet haben und sich mit einer rumänischen Zuhälterbande anlegen? Das ist geradezu lachhaft. Natürlich kann man anerkennen, dass die Rechten hier nicht klischeehaft als Glatzköpfe in Springerstiefeln dargestellt werden. Aber warum benehmen die sich dann wie solche und brüllen "Heil Hitler" und "Wir sind das Volk"?

Der Kommissar?

Hanns von Meuffels ist ein konservativer Mensch im besten Sinne: Er besitzt Stil, Anstand und tritt bedingungslos für seine Werte und Überzeugungen ein. Das macht ihn in einer Zeit, da viele entweder ihr eigenes Weiterkommen im Blick haben oder keinen Ärger haben wollen, schon zum Querulanten. Dabei müsste es viel mehr Menschen wie ihn geben.

Ein- oder Ausschalten?

ist immer ein Grund einzuschalten. Umso mehr, als dies sein vorletzter Fall als "Polizeiruf"-Ermittler ist.

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