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"Tatort" aus Berlin Geteiltes Land, gemeinsames Leid: Ein Krimi zum 30. Jubiläum der Deutschen Einheit

"Tatort" aus Berlin
Die Kommissare Robert Karow (Mark Waschke, l.) und Nina Rubin (Meret Becker) finden Klaus Keller (Rolf Becker) an seinem 90. Geburtstag tot auf. Um seinen Hals hängt eine seltsame Nachricht.
© rbb/Stefan Erhard / ARD
Die Berliner Kommissare Nina Rubin und Robert Karow ermitteln im Umfeld der Unternehmerdynastie Keller. Ein Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs und historische Umstände haben die Familie über drei Generationen hinweg entzweit.
  • 4 von 5 Punkten
  • Ein lehrreiches Stück Zeitgeschichte gepaart mit Familiendramen

Worum geht's?

Der Berliner Bauunternehmer Klaus Keller (Rolf Becker) wird an seinem 90. Geburtstag erschossen auf seiner Terrasse aufgefunden. Um seinen Hals trägt er ein Schild mit der Aufschrift: "Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen". Kellers Firma plante ein Holocaust-Gedenkzentrum in Israel. Handelt es sich also um einen antisemitischen Anschlag? Kurz nach Klaus Keller stirbt auch dessen Bruder Gert. Die beiden Männer verband ein tragisches Schicksal, das die Familie seit drei Generationen prägt und zu zahlreichen Konflikten führt.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Wiedervereinigung ist das zentrale Thema dieses "Tatorts" und wann wäre es passender als zum 30. Jubiläum der Deutschen Einheit. Der Film zeigt eindrücklich, wie die deutsch-deutsch Teilung Familien zerrissen und zu konträren Lebensbiografien geführt hat. Drehbuchautor Christoph Darnstädt geht sogar noch weiter zurück und thematisiert die Frage von Schuld und Vergebung im Zusammenhang mit den Naziverbrechen des Zweiten Weltkrieges. Es geht um die immer noch vorhandenen Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland, das Verhältnis von Deutschland zu Israel, das Erstarken rechter Parteien und ganz vordergründig um eine Familie, die die Geschichte entzweit hat. 

Was stört?

Die Auflösung des Falls gerät zum Ende etwas theatralisch, denn eigentlich ist schon früh klar, in welche Richtung es geht. Trotzdem ist es kein Krimi zum nebenbei gucken. Man muss genau aufpassen, um alle Verwicklungen zu verstehen. "Tatort"-Fans dürfte die Geschichte zudem an den Fall "Das Leben nach dem Tod" erinnern, der im vergangenen Jahr zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls ausgestrahlt wurde. Auch dort gab es einen toten Rentner und eine Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte.

Die Kommissare?

Es ist ein Fall, der die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) auch persönlich tangiert. Rubin ist Jüdin, aufgewachsen in Westdeutschland, Karow stammt aus der ehemaligen DDR. Während sie sich vor allem Gedanken über ihren Glauben und das Wohl ihres Sohnes macht, zeigt sich Karow beim Essen mit seinen Eltern von einer erstaunlich familiären Seite. Es wird Tafelspitz serviert und dazu die herrliche Anekdote, dass sich der Kommissar nach der Wende als erstes eine Stretchhose gekauft habe.

Ein- oder Ausschalten?

Der Film ist ein gelungenes "Tatort"-Debüt der 35-jährigen Regisseurin Lena Knauss. Einschalten lohnt sich.

Die Kommissare Karow und Rubin ermittelten zuletzt in diesen Fällen:


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