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"Tatort" aus Dortmund: Psycho-Duell im Krankenhaus: Peter Faber und sein persönliches Inferno

Tatort Krankenhaus: Eine Ärztin wird ermordet, doch der eigentliche Protagonist ist Peter Faber. Der Kommissar wird erneut von seiner Vergangenheit und dem Tod seiner Familie eingeholt. Es kommt zum dramatischen Showdown.

"Tatort" aus Dortmund

Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) stellen im Ruheraum der Klinik nach, wie der Mord passiert sein könnte

  • 3 von 5 Punkten
  • Ein Mord im Krankenhaus wird zum persönlichen "Inferno" von Kommissar Peter Faber. Kein packender Krimi, aber ein Showdown zwischen Ermittler und Chefarzt.

Worum geht's?

Dr. Gisela Mohnheim wird tot in einem Ruheraum eines Dortmunder Krankenhauses gefunden. Die Internistin ist nur mit Unterwäsche bekleidet und hat eine Plastiktüte über dem Kopf. Einen Suizid schließen Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) und sein Team aus, denn die Tür des Zimmers war von außen verschlossen. Chefarzt Dr. Dr. Andreas Norstädter (Alex Brendemühl) stellt sich vor seine Leute. Er bestreitet, dass einer seiner Ärzte oder Pfleger etwas mit dem Tod der Kollegin zu tun haben könnte. Niemand will etwas gesehen oder gehört haben, alle sind viel zu sehr mit dem laufenden Klinikbetrieb beschäftigt. Bliebe noch Mohnheims Ehemann Paul (Karsten Mielke), der wegen Körperverletzung vorbestraft ist und wusste, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem Kollegen hatte.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Das Krankenhaus als cooler Sehnsuchtsort, in dem nur attraktive Ärzte arbeiten, skurrile Fälle auftauchen und private Probleme gelöst werden - solch ein Bild zeichnen US-Serien wie "Grey's Anatomy" oder "Emergency Room". Der Dortmunder "Tatort" versucht das genaue Gegenteil und nimmt dem Krankenhaus jeglichen Glamour. In "Inferno", so der Titel der Eposiode, sind alle chronisch überarbeitet, gestresst und ausgelaugt. Die Flure sind grau, die Ärzte aschfahl und die Patienten bisweilen am Durchdrehen. Ein durchaus realistisches Bild des Krankenhausalltages.

Was stört?

Der Fall ist extrem auf Kommissar Faber und sein Schicksal zugeschnitten. Er leidet noch immer unter dem Tod seiner Frau und seiner Tochter, hat Albträume und Depressionen. Fabers persönliches Befinden dominiert den Fall und macht den Mord fast zur Nebensache. Am Ende ist es ein Showdown zwischen Faber und Chefarzt Norstädter. Auch die privaten Umstände des Opfers Gisela Mohnheim wirken etwas übertrieben: Die Ärztin war unglücklich verheiratet, nahm Psychopharmaka, war verschuldet und hatte einen drogenabhängigen Sohn. Dazu der cholerische und vorbestrafte Ehemann - alles etwas viel für ein Leben, zumal diese Facetten nur angerissen, aber nicht auserzählt werden.

Die Kommissare?

Bei den Dortmunder Ermittlern wird man das Gefühl nie los, dass vier Kommissare mindestens einer zu viel sind. Nora Dalay (Aylin Tezel) macht fast nur noch Schreibtischarbeit und scheint verzichtbar. Kein Wunder: Schauspielerin Aylin Tezel wird das Team im kommenden Jahr verlassen. Der neue Kollege Jan Pawlak (Rick Okon) ist noch gar nicht richtig integriert - sein Abschied wäre kein großer Verlust. Faber hat nur mit sich selbst und seinen Neurosen zu tun. Seine Methoden und Alleingänge sind für die Kollegen oft untragbar - und für den Zuschauer langsam ein alter Hut. Die Einzige, die wirklich ermittelt, ist Martina Bönisch (Anna Schudt).

Ein- oder Ausschalten?

Wenn Sie ein großer Anhänger des Zynikers Peter Faber sind und seine eigenwilligen Ermittlungsmethoden mögen, kommen Sie bei "Inferno" auf Ihre Kosten. Alle, die einen spannenden Kriminalfall sehen wollen, können den Fernseher auslassen.

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