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"Tatort" aus Hamburg Horror im Hotel, Udo Lindenberg und eine verknallte Kommissarin: Dieser Krimi ist großes Kino

"Tatort: Alles kommt zurück" mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm
Tatort "Atlantic"-Hotel: Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) trifft bei ihren Ermittlungen auf mehrere Udo-Lindenberg-Doubles
© NDR/Frizzi Kurkhaus / ARD
Kommissarin Charlotte Lindholm wollte ein heißes Date, stattdessen bekommt sie eine nackte Leiche. Bei den Ermittlungen im Hamburger Hotel "Atlantic" wird sie selbst zur Tatverdächtigen – und trifft auf Sänger Udo Lindenberg.
  • 4 von 5 Punkten
  • Schaurig, spannend, schräg: Sehenswertes "Tatort"-Debüt von Regisseur Detlev Buck

Worum geht's?

Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) reist für ein Wochenende von Göttingen nach Hamburg. Dort will sie sich mit einem Mann im "Atlantic"-Hotel treffen, den sie zuvor auf einer Dating-Plattform kennengelernt hat. Doch als sie in das Zimmer kommt, liegt er tot im Bett – nackt und mit Handschellen gefesselt. Wie sich herausstellt, heißt der Mann nicht Boris James, wie Charlotte Lindholm glaubte, sondern Roy Schöne und ist eine bekannte Kiezgröße. Dass Lindholm nach Hamburg und in das Hotelzimmer gelockt wurde, ist kein Zufall: Der Mord soll ihr in die Schuhe geschoben werden. Den zuständigen Kripo-Kollegen Ruben Delfgau (Jens Harzer) und Jana Zimmermann (Anne Ratte-Polle) traut sie nicht recht über den Weg und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, wer sich an ihr rächen wollte.

Warum lohnt sich der "Tatort"?

Der Film wartet mit einem großartigen Ensemble und brillanten Charakteren auf. Neben Maria Furtwängler als Kommissarin Charlotte Lindholm ist Udo Lindenberg zu sehen – und zu hören. Der Sänger wohnt seit vielen Jahren im "Atlantic". Zudem führte Detlev Buck nicht nur erstmals Regie bei einem "Tatort", sondern liefert selbst einen kuriosen Auftritt als Lude Einstein mit Minipli-Frisur und nacktem Bad im Whirlpool. Auch die Nebenrollen sind grandios besetzt. Anne Ratte-Polle gibt die Hamburger Ermittlerin Jana Zimmermann, die einen hysterischen Auftritt nach dem anderen hinlegt. Charlotte Lindholm beschimpft sie als "verrückte Tante aus der Provinz" und die Mitarbeiter der KTU nennt sie abfällig "die Schlümpfe". Ihr gegenüber steht der schrullige Kommissar Ruben Delfgau, der stets Sonnenbrille trägt und permanent Kaugummi kaut. Für Kida Khodr Ramadan blieb nur ein kleiner Part als Gast, der in einer Karaokebar Lindenberg-Hits schmettert – aber selbst der ist großartig. Und nicht zu vergessen: Das Hamburger Hotel "Atlantic", das im Film auch eine glanzvolle Hauptrolle spielt und in den besten Szenen an den Horrorfilm "Shining" erinnert.

Was stört?

Zum Ende hin wird der Film leider zu abgedreht. Die eigentlich starke Geschichte verliert sich in wirrem Klamauk. Zudem geht es die ganze Zeit um Charlotte Lindholms Vergangenheit und einen alten "Tatort" aus dem Jahr 2017. "Der Fall Holdt", so der Titel der damaligen Episode, handelte von einer missglückten Entführung und sorgte für Lindholms Versetzung von Hannover nach Göttingen. Die genauen Zusammenhänge dürften nur noch die wenigsten Zuschauer parat haben.

Maria Furtwängler

Die Kommissarin?

Charlotte Lindholm ist und bleibt eine Einzelgängerin. Der Fall ist von vorn bis hinten auf sie zugeschnitten. Dabei stand ihr in Göttingen zuletzt die toughe Kollegin Anaïs Schmitz gegenüber. Eine Bereicherung für die "Tatort"-Familie, nicht nur, weil Darstellerin Florence Kasumba die erste schwarze Ermittlerin in dem Krimi-Format ist. Im aktuellen Fall "Alles kommt zurück" gibt es nun einen erneuten Soloauftritt von Charlotte Lindholm – inklusive Sexszenen der Kommissarin.

Ein- oder ausschalten?

Grusel, Sex und Udo Lindenberg: Dieser "Tatort" sticht aus der üblichen Krimi-Palette heraus. Sie sollten ihn nicht verpassen.

Charlotte Lindholm ermittelte zuletzt in diesen Fällen:

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