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"Tatort" aus Ludwigshafen Großstadtwestern am Rhein: Lena Odenthal spielt das Lied vom Tod

"Tatort: Unter Wölfen" aus Ludwigshafen
Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) auf einem ihrer Alleingänge
© SWR/Jacqueline Krause-Burberg / DPA
Der Bösewicht residiert im Bahnwaggon, Lena Odenthal hantiert mit zwei Pistolen und zum Schluss gibt es einen Showdown: Der neue "Tatort" aus Ludwigshafen spielt mit Western-Motiven. Leider wenig überzeugend.
  • 3 von 5 Punkten
  • Lena Odenthal als "lonesome Sheriff": Die Kommissarin kämpft allein gegen Verbrecher und Gesetzlose

Worum geht's?

Er fährt Ferrari und trägt eine Uhr für 20.000 Euro: Timur Kerala war als Clubbesitzer und Chef einer Security-Firma gut im Geschäft. Doch eines Nachts wird er an einer Ampel überfallen und am nächsten Morgen tot auf einer Baustelle gefunden. Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) vermuten die Täter im Milieu privater Sicherheitsdienstleister, die Personenschutz anbieten oder Türsteher stellen. Der unangefochtene Platzhirsch auf diesem Gebiet ist der Unternehmer Gerhard Arentzen (Thure Riefenstein). Er bekommt die lukrativen Aufträge und hat beste Kontakte in die Politik. Kerala wollte ihm den Rang streitig machen. Musste er dafür mit seinem Leben bezahlen? Als auch noch die Ex-Frau und die Mitarbeiter Keralas bedroht werden, nimmt sich Odenthal den zwielichtigen Arentzen persönlich zur Brust.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Sparen, wo immer es geht – diese Devise gilt seit Jahren auch für die Polizei. Es werden Mittel gekürzt, Posten gestrichen und sogar der Sprit rationiert. Der Fall "Unter Wölfen" stellt in diesem Zusammenhang eine brisante Frage: Was, wenn so sehr am Budget für innere Sicherheit gespart wird, dass der Staat am Ende nicht mehr für die Sicherheit seiner Bürger sorgen kann? Im Film wird diese Lücke von privaten Sicherheitsdiensten gefüllt, die zunehmend Aufgaben für Behörden übernehmen und vom Innenminister protegiert werden. Heikel wird es, wenn einige dieser Security-Firmen mit der organisierten Kriminalität in Verbindung stehen. Das ist keine Fiktion, sondern längst Realität.

Was stört?

Lena Odenthal mag die dienstälteste "Tatort"-Kommissarin sein, aber dass sie in diesem Fall wie ein Supersheriff alles allein regelt, ist dann doch etwas übertrieben. Sie legt sich mit dem Oberschurken Arentzen an und erledigt ganz nebenbei noch Mathehausaufgaben, backt Pizza und kauft Katzenfutter. Da hat es Regisseur und Drehbuchautor Tom Bohn mit den Fertigkeiten seiner Heldin etwas zu gut gemeint.

Die Kommissare?

Der Film ist voll und ganz auf Lena Odenthal zugeschnitten, ihre Kollegin Johanna Stern bleibt denkbar blass. Der Figur fehlt es bisher an Profil. Stern wirkt dilettantisch, stellt einfallslose Fragen und hat mal wieder Stress mit ihren Kindern. Dafür bekommt der Zuschauer ungewohnt private Einblicke in Odenthals Leben. Die Hauptkommissarin lebt in einem modernen Loft, besitzt einen Kater namens Mikesch und schläft mit der Dienstwaffe auf dem Nachttisch. Zudem zeigt die sonst so kühle Ermittlerin plötzlich Muttergefühle für die Tochter des Mordopfers.

Ein- oder ausschalten?

Es ist der letzte "Tatort" in diesem Jahr. Fans dürfen einschalten, allen anderen sei das vielfältige TV-Programm am zweiten Weihnachtsfeiertag empfohlen.

Lena Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern ermittelten zuletzt in diesen Fällen


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