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"Tatort" aus Münster Filmriss und Herrengedeck: Kommissar Thiel wird zum Mordverdächtigen

"Tatort: Des Teufels langer Atem" aus Münster
Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, l.) trifft mit Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) am Tatort ein
© WDR/Molina Film/Thomas Kost / ARD
Hinter Frank Thiel liegt eine wilde Nacht, doch er kann sich an nichts erinnern. Brenzlig wird's als im Wald eine Leiche gefunden wird – erschossen mit der Dienstwaffe des Münsteraner Kommissars.
  • 3 von 5 Punkten
  • 20-jähriges Jubiläum für den Münster-"Tatort": Die Episode "Des Teufels langer Atem" schwankt gewohnt zwischen Witz und Wahnsinn

Worum geht's?

Der Tag beginnt für Frank Thiel (Axel Prahl) mit einer Hiobsbotschaft: Sein Vater hat einen tennisballgroßen Hirntumor – inoperabel, attestiert die behandelnde Ärztin Dr. Kühn (Kim Riedle). Seinen Kummer ertränkt der Kommissare in einer Kneipe und kippt ein Herrengedeck nach dem anderen. Am nächsten Morgen erwacht er mit zerfetzter Kleidung und Blessuren in einem Hotelzimmer und kann sich nicht mehr erinnern, was passiert ist. Wenig später wird in einem Wald eine Leiche gefunden – erschossen mit Thiels Dienstwaffe. Der Tote ist Arne Hartnack, Thiels Ex-Chef aus seiner Zeit bei der Hamburger Mordkommission. Der Kommissar hat Hartnack vor 20 Jahren hinter Gitter gebracht, weil der seine Frau ermordet haben soll.

Warum lohnt sich der "Tatort"?

Der "Tatort" aus Münster feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Im Oktober 2002 wurde mit "Der dunkle Fleck" die erste Episode ausgestrahlt. Bis heute erreicht das Duo um Hauptkommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne regelmäßig Spitzen-Quoten und führt das Ranking der beliebtesten "Tatort"-Ermittler an. Die Mischung aus Krimi und Komödie hat sich als Erfolgsrezept erwiesen. Auch die neue Folge schwankt gewohnt zwischen Witz und Wahnsinn, ist aber spannender als so mancher Vorgänger. Nicht nur die Zuschauer:innen, sondern auch Thiel wollen wissen: Was zur Hölle ist in der Nacht passiert? Die unheimlichen Flashbacks von Thiel, in denen er sich vage an das Geschehen erinnert, sind visuell stark inszeniert. "Je besser man seine Charaktere kennt, desto leichter kann man sie in spannende Fälle und emotionale Untiefen stürzen", sagt Drehbuch-Autor Thorsten Weddcke, für den es bereits der fünfte Münster-"Tatort" ist.

Was stört?

Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) ist ein genialer Mediziner – aber auch ein gnadenloser Chauvi. Seiner Assistentin Silke Haller (ChrisTine Urspruch), die er abfällig "Alberich" nennt, trägt er auf, sie solle sich bei "etwas Frauenaffinem austoben: Bürokram, putzen, aufräumen". Eine andere Kollegin nennt er "Forensik-Matrone" und "trächtiges Walross". Die beiden Frauen lesen Boerne zwar die Leviten – besser wäre es, wenn derlei misogyne Bemerkungen gar nicht mehr vorkommen. Nach 20 Jahren darf damit auch im Münster-"Tatort" Schluss sein.

Der "Tatort" aus Münster im Check: Wie realistisch war der Fall?

Die Ermittler?

Frank Thiel wird vom Kommissar zum Verdächtigen und landet sogar zeitweise im Gefängnis. Die eigentliche Ermittlungsarbeit übernehmen Professor Boerne und die mit dem Fall beauftragte Polizistin Annika Kröger (Banafshe Hourmazdi). Eine entscheidende Rolle spielen auch Thiels Hippie-Vater (Claus Clausnitzer) und ein Plüsch-Koala.

Ein- oder ausschalten?

Die Aufklärung ist am Ende ziemlich hanebüchen. Fans von Thiel und Boerne sollten ihren 40. Fall trotzdem nicht verpassen.

Thiel und Boerne ermittelten zuletzt in diesen Fällen:


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