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"Tatort" aus Münster: Wohl bekomm's! Tierischer Klamauk mit Thiel und Boerne

Professor Boerne strebt eine Zweitkarriere als Fernsehkoch an, Kommissar Thiel muss derweil Elefantenkacke schaufeln: Der "Tatort: Schlangengrube" führt die Ermittler in den Münsteraner Zoo - und auf die Spur zweifelhafter Delikatessen.

Ein Pinguin in der Rechtsmedizin – mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, l.) und Prof. Boerne (Jan Josef Liefers, r.)

Ein Pinguin in der Rechtsmedizin – mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, l.) und Prof. Boerne (Jan Josef Liefers, r.)

  • 2 von 5 Punkten
  • Alberne Dialoge, überzeichnete Charaktere und ein kurioser Fall: Der "Tatort: Schlangengrube" erfüllt alle Erwartungen, die man an die Münsteraner Ermittler hat. Richtig Spannung kommt über 90 Minuten allerdings nicht auf.

Worum geht's?

Patrizia Merkens ist eine ausgesprochene Tierliebhaberin. Die schwer kranke Frau teilt ihre Wohnung mit sieben Katzen und spendet regelmäßig große Summen an den Münsteraner Zoo. Nach einem Streit mit ihrer Nachbarin, Staatsanwältin Wilhelmine Klemm, wird Merkens tot in ihrer Wohnung gefunden. Weil es regelmäßig Krach gab zwischen Klemm und Merkens, gerät zunächst die Staatsanwältin ins Visier der Ermittlungen von (Axel Prahl). Schließlich konzentrieren sich der Kommissar uns sein Kollege, Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne, jedoch auf den Zoo. Dort stoßen sie auf Männer, die alle etwas zu verbergen scheinen: der Zoodirektor Dr. Schönweis, der Tierarzt Dr. Gremlich und der Filmemacher Henry Schlör.

Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann, l.), Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, 2.v.l.) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r.) finden die tote Patrizia Merkens (Lilia Lehner)

Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann, l.), Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, 2.v.l.) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r.) finden die tote Patrizia Merkens (Lilia Lehner)

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Wer den Münster-"Tatort" einschaltet, weiß, was ihn erwartet: kuriose Fälle, Klamauk zwischen Thiel, Boerne und dessen Assistentin Alberich sowie ansehnliche Aufnahmen der Stadtkulisse. Das ist im neuen Fall "Schlangengrube" nicht anders. Boerne feuert gewohnt fiese Sprüche gegen seine kleinwüchsige Assistentin, etwa: "Alberich, jetzt reden Sie doch nicht länger, als Sie selber sind", und Thiel hat mal wieder sein Tun mit seinem kiffenden Vater. Heimlicher Star des "Tatorts" ist Pinguinweibchen Sandy aus dem Münsteraner Zoo. Das Tier sorgte vor neun Jahren für Schlagzeilen, weil es sich in seinen Pfleger verliebte. Regie führte übrigens Samira Radsi, die bereits die erfolgreiche Serie "Deuschland 83" verantwortete. Sie ist in 16 Jahren erst die dritte Frau, die für einen Münster-"Tatort" hinter der Kamera stand.

Was nervt?

Als im Oktober 2002 der erste "Tatort" aus ausgestrahlt wurde, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Die überzeichneten Figuren, die humoristischen Einlagen, die bissigen Dialoge - das hatte es in dem Format so bisher nicht gegeben. Doch 16 Jahre später überkommt einen immer öfter das Gefühl, das Konzept sei auserzählt, jeder Witz bereits gemacht und die Kommissare nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Trotzdem haben die Münsteraner noch immer eine große Fangemeinde und sind die mit Abstand beliebtesten Ermittler. Wem es nicht reicht, sich an den Frotzeleien zwischen Boerne und Thiel zu erheitern, dem dürfte dieser Fall schnell langweilig werden, denn die Geschichte ist am Ende mal wieder reichlich konstruiert.

Die Kommissare?

Kommissar Thiel hat eigentlich Urlaub und will mit seinem Vater eine Radtour nach Amsterdam machen. Staatsanwältin Klemm und Professor sorgen jedoch dafür, dass zunächst der Fall gelöst werden muss. Also darf Thiel zum Undercover-Einsatz in den Zoo und soll zwischen Elefanten, Schlangen und Pinguinen der Wahrheit auf die Spur kommen. Boerne träumt derweil von einer Zweitkarriere als TV-Koch und kredenzt seinen Kollegen "forensische Küche": Menüs, für die sich der Rechtsmediziner von Fällen auf seinem Seziertisch inspirieren ließ. Klingt schräg? Ist es auch! 

Ein- oder Ausschalten?

Ausgewiesene Thiel-und-Boerne-Fans sollten die Folge nicht verpassen, denn "Schlangengrube" ist 2018 der einzige " " aus Münster. Alle anderen dürfen sich einen fernsehfreien Abend gönnen oder einfach weiterzappen.


Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo