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"Tatort" aus Stuttgart: Ein Leben voller Lügen

Der Stuttgarter "Tatort" feiert zehnjähriges Jubiläum und liefert mit "Der Mann, der lügt" einen interessanten Perspektivwechsel. Nicht die Kommissare, sondern der Verdächtige steht im Mittelpunkt. 

Die Kommissare Lannert und Bootz befragen den Verdächtigen Jakob Gregorowicz

Die Kommissare Lannert und Bootz befragen den Verdächtigen Jakob Gregorowicz

  • 3 von 5 Punkten
  • Der "Tatort" schildert aus der Sicht des Verdächtigen wie es ist, von der Polizei in die Mangel genommen zu werden

Worum geht's?

Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) führt ein scheinbar perfektes Leben. Mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter bewohnt er ein Haus in Stuttgart, sein Geld verdient er in einer Maschinenbau-Firma und in seiner Freizeit spielt er Tennis. Doch dann stehen eines Morgens die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) in seinem Büro. Sie ermitteln im Fall der Familie Berger: Der Vater Uwe Berger wurde ermordet, sein Sohn Linus ist verschwunden. Gregorowicz behauptet zunächst, den Anlageberater Berger seit Längerem nicht gesehen zu haben, doch dann muss er zugeben, dass er mit ihm verlustreiche Geschäfte gemacht hat. Der Familienvater verstrickt sich in immer mehr Widersprüche und führt scheinbar ein Doppelleben: Er ist "Der Mann, der lügt" - so der Titel des "Tatorts".

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Der österreichische Schauspieler Manuel Rubey spielt den Tatverdächtigen Jakob Gregorowicz

Der österreichische Schauspieler Manuel Rubey spielt den Tatverdächtigen Jakob Gregorowicz

Die Stuttgarter wagen beim "Tatort" immer mal wieder etwas Neues. Auch die 22. Episode ist ungewöhnlich erzählt, denn sie schildert die Geschichte aus der Sicht des Betroffenen Jakob Gregorowicz. Wie fühlt es sich an, als Verdächtiger in einer Mordermittlung zu gelten? Diese Frage versucht der Film über 90 Minuten zu beantworten. Die Kommissare Lannert und Bootz treten nur auf, wenn sie Gregorowicz oder sein Umfeld befragen. "Da wir aus der Perspektive des Verdächtigen erzählen, wird das Auftauchen der Ermittler als bedrohlich und beunruhigend wahrgenommen", sagt Martin Eigler, der das Drehbuch mit Sönke Lars Neuwöhner geschrieben hat. "Aber gleichzeitig wissen wir aus über 20 Filmen: Lannert und Bootz sind die Guten."

Was nervt?

Auch wenn erst zum Schluss geklärt wird, ob Jakob Gregorowicz nun der Täter ist oder nicht - so richtig packt einen die Geschichte nicht. Bisweilen ist sie zu konstruiert, es fehlt etwas Dynamik und Spannung. Zudem spielt der "Tatort" im Sommer, alle schwitzen und die Sonne brennt - Anfang November ein eher ungünstiges Timing.

Die Kommissare?

Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) feiern ihr zehnjähriges Dienstjubiläum. 2008 lief mit "Hart an der Grenze" der erste "Tatort" des neuen Stuttgarter Ermittlerteams. Einige Dinge haben sich über all die Jahre nicht verändert. Lannert fährt noch immer seinen braunen Porsche Oldtimer und Bootz trägt meist eine braune Lederjacke - so auch in "Der Mann, der lügt". Im 22. Fall sind die Kommissare nur in ihrer klassischen Ermittlerrolle zu sehen: Befragung durchführen, Hausdurchsuchung veranlassen, Haftbefehl beantragen, Tatort begehen. Privates kommt dieses Mal überhaupt nicht vor.

Ein- oder Ausschalten?

Die Stuttgarter Ermittler Lannert und Bootz gehören laut dem Statistik-Portal "Statista" zu den zehn beliebtesten "Tatort"-Teams. Zum zehnjährigen Jubiläum sollten Sie deshalb ruhig einschalten.

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