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"Tatort" mit Christian Ulmen: In Weimar kennt Witzischkeit keine Grenzen

Ein toter Milliardär, eine hysterisch trauernde Witwe und ein Bordellbesitzer, den sie "Fritte" nennen: Der neue "Tatort" aus Weimar unterläuft mal wieder gekonnt jeglichen gesellschaftlichen Bildungsauftrag - krankt aber daran, auf Teufel komm raus witzig sein zu wollen.

Weimar-"Tatort"

Gleich sagen sie bestimmt etwas Lustiges: Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) verhören Simone Schröder (Paula Kroh, l.).

  • 2 von 5 Punkten 
  • Eine gewohnt skurrile "Tatort"-Folge aus Weimar - die es jedoch mit der Witzigkeit hemmungslos übertreibt.

Worum geht's?

Der Milliardär Alonzo Sassen wird in seiner Villa erschossen, und der Mörder gleich dazu. Kurz vor seinem Tod wollte er der Stadt Weimar ein Grundstück für das geplante "Goethe-Geomuseum" schenken. Dabei spekuliert der abgebrannte Steinbruchbesitzer Martin Schröder darauf, dass ihm die Stadt den Boden teuer abkauft. Damit hätte er ein Motiv. Auch sein Bruder Fritjof, genannt "Fritte", ist den Ermittlern Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) verdächtig, denn die Witwe des Milliardärs hat früher in seinem Bordell gearbeitet - und kehrt dorthin wieder zurück. Es geschehen mal wieder allerhand verrückte Dinge in diesem Fall.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Mögen die Teams in Köln und anderswo gesellschaftlich relevante Themen behandeln, in Weimar darf hemmungslos geblödelt werden. Auch diesmal hat sich Autor Murmel Clausen nicht lumpen lassen und allerhand skurrile Gestalten aufgefahren, darunter eine hysterische Witwe, einen finnischen Auftragskiller und einen thüringischen Glücksritter im Steinbruch. Sie suchen das kleine Glück im Puff "Chez Chériechen" oder hoffen auf den großen Geldsegen durch das "Goethe-Geomuseum".

Was nervt?

Kennen Sie Menschen, die zwanghaft permanent witzig sein wollen? Ein bisschen so ist dieser Krimi. Es gibt kaum eine Szene, die nicht auf lustig gebürstet wird. Das beginnt schon am ersten Tatort: Die Medizinerin stellt fest: Schüsse in Hirn, Herz und Hoden. Worauf Dorn einwirft: "H-H-H. Ein Clown?" Zu Professor Bock sagt die Kommissarin, er solle nicht so "bockig" zu sein. Sprüche der Kategorie "Ich glaub, mein Hering hupt" runden das Bild ab. Dazu der Titel: Nach "Die fette Hoppe", "Der irre Iwan", "Der treue Roy", "Der scheidende Schupo" und "Der wüste Gobi" ist auch der neue Titel wieder gekalauert: "Der kalte Fritte". Zu Zeiten, als derlei Humor lustig war, hätte man wohl gesagt: Witz komm raus, du bist umzingelt.

Die Kommissare?

Die Ermittler-Ehepaar Lessing und Dorn, das sich im Dienst konsequent mit Nachnamen anredet, sorgt sich um den Nachwuchs: Während Lessing den gemeinsamen Sohn für hochbegabt hält, empfiehlt die Kindergärtnerin, einen Psychologen zu konsultieren. Auch ihr Chef Kurt Stich (Thorsten Merten) hat familiäre Probleme: Sein Vater ist in aufgetaucht, und fällt mehr als einmal mit betrügerischen Aktivitäten auf. Zu seinen Opfern zählt auch Lupo, der treudoofe Helfer der Weimarer Kommissare.

Ein- oder Ausschalten?

Solange noch nicht jeder Kalauer gemacht ist, geht der Weimar-"Tatort" seinen Weg konsequent weiter. Wer noch lachen kann, sollte einschalten. Wer dagegen Christian Ulmen in Bestform erleben will, sollte auf die zweite Staffel "Jerks" warten - diese Serie verzichtet auf lauwarmen Schmunzelhumor und geht konsequent an die Schmerzgrenze.

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