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"Tatort"-Kritik: Langeweile auf Langeoog

Der zweite Fall der Hamburger "Tatort"-Kommissare Falke und Lorenz verlangt von den Zuschauern viel Geduld. Das Ermittlerduo wirkt auf Langeoog fehl am Platz - überzeugt aber als Team.

Von Dominik Brück

Vom Kiez in die Dünen: Für seinen neuen Fall tauscht Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) den Trubel der Großstadt gegen das beschauliche Leben auf Langeoog ein. Als das Inselidyll durch einen blutigen Mord jäh gestört wird, schaltet sich Falke in die Ermittlungen ein - bleibt jedoch den gesamten "Tatort" hindurch ein Fremdkörper, der seine eigentlichen Stärken kaum ausspielen kann. Für die Zuschauer wird der Fall daher zur Geduldsprobe, den auch das temporeiche Finale nicht mehr rettet.

Nur der Pulli bleibt im Gedächtnis

Die Handlung an sich ist einfach gestrickt: Falke besucht seinen Freund und ehemaligen Kollegen Jan Katz (Sebastian Schipper), der inzwischen mit seiner Frau Mimi (Laura Tonke) und dem gemeinsamen Kind auf Langeoog lebt. Als Mimis psychisch kranker Bruder Florian (Leonard Carow) neben einer ermordeten Frau gefunden wird, schaltet sich Falke in die Ermittlungen ein, weil er die Unschuld des Verdächtigen beweisen will. Für den Zuschauer ist schon nach wenigen Minuten klar, dass Florian nicht der Mörder ist, zu offensichtlich ist die anfängliche Beweislage. Die Versuche, Unsicherheit zu streuen und den Verdacht immer wieder auf den Schwager von Falkes Freund Katz zu lenken, ziehen den "Tatort" unnötig in die Länge.

Der Hamburger Kommissar tritt dabei deutlich weniger in Erscheinung als noch bei seinem ersten Fall. Auch wenn in Kneipenszenen mit der Verwendung der typisch norddeutschen Begrüßungsformel "Moin" versucht wird, eine Verbindung zwischen Falke und den Inselbewohnern zu erzeugen, fehlt ein starker Auftritt des Ermittlers. Falke ist eben in den sozialen Brennpunkten Hamburgs und auf dem Kiez zu Hause. Hier kann der eher untypische Polizist er selbst sein - in den Langeooger Dünen wirken seine Versuche, mit einem kleinen Drogendealer im Straßenjargon zu sprechen, hingegen befremdlich.

Vom Fall auf Langeoog bleiben dem Zuschauer somit nur wenige markante Szenen im Gedächtnis. Besonders einprägsam dürfte dabei - neben den wunderschönen Landschaftsaufnahmen der Insel - der neue Pulli von Kommissar Falke sein. Katz hat den Wollpullover für seinen Freund selbst gestrickt. Der Pulli ist ein Symbol für die endgütige Versöhnung von Falke und Katz. Falke scheint davon so begeistert, dass er das Kleidungsstück den gesamten Film über nicht mehr auszieht. Nach den Differenzen der Freunde über den Rückzug von Katz in den Innendienst während des ersten "Tatort" mit Kommissar Falke, gibt die aktuelle Produktion der Beziehung zwischen den beiden viel Raum zur Versöhnung - manchmal etwas zu viel. Es sind dabei nicht nur die langen Gespräche zwischen Falke und Katz, über die sich die Beziehung der Männer neu ordnet. Gerade das Verhalten des frischgebackenen Familienvaters zeigt, dass Katz jetzt Verantwortung für sein Kind übernimmt, während Falke der alte Draufgänger geblieben ist. Der Pulli ist daher auch ein Symbol dafür, dass beide Männer die Rolle des anderen akzeptiert haben. Wenn auch streckenweise etwas langweilig macht die Versöhnung von Katz und Falke den Weg frei für das neue Ermittlerteam Thorsten Falke und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller).

Falke und die Lorenz - ein starkes Team

Kommissarin Lorenz kommt aufgrund eines Amtshilfeersuchens der Polizei vor Ort nach Langeoog und kann im Gegensatz zu Falke, der offiziell nicht ermitteln darf, direkt an dem Fall arbeiten. Die beiden Kommissare ergänzen sich perfekt. Lorenz ist mit ihrer ruhigen und überlegten Art ein guter Gegenpol zu Falke, der oft aus dem Bauch heraus entscheidet. Letztlich sind es auch die Recherchen der Kommissarin, die auf die Spur des tatsächlichen Mörders führen. Der hatte in der Vergangenheit schon einmal getötet und war damals ungeschoren davon gekommen. Die Kommissarin und der Kommissar kommen sich während des Falls auf Langeoog sowohl menschlich, als auch kollegial näher. Haben sie anfangs eine kühlere Distanz, schweißen die Ermittlungen sie zu einem echten Team zusammen. Der Kommissar ist geradezu panisch, weil er denkt seine Kollegin sei auf dem Boot, das der Mörder in Brand setzt, um sich selbst zu töten. Die Erleichterung in Falkes Gesicht, als er Lorenz in Sicherheit findet, spricht Bände. Auch wenn der "Tatort" hin und wieder langweilig ist, schafft er die Grundlage für weitere Fälle des neuen Ermittlerduos - nächstes Mal hoffentlich wieder in Falkes Heimatstadt.