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Sonntagskrimi: Der lange Schatten der RAF - darum geht's im Stuttgart-"Tatort"

40 Jahre nach der Todesnacht von Stammheim werden die Stuttgarter "Tatort"-Kommissare mit RAF-Terroristen, Sympathisanten und V-Männern konfrontiert. Dabei übertreibt der Film es etwas mit seinen Verschwörungs-Theorien.

"Tatort" aus Stuttgart

Der "Tatort" aus Stuttgart führt ins Milieu der RAF und ihrer Sympathisanten: 1974 nehmen Wilhelm Jordan (Elias Popp) und Astrid Frühwein (Emma Jane) an einer Demo nach dem Tod von Holger Meins teil. Mehr als 40 Jahre später treffen sie wieder aufeinander.

Bewertung

 - 3 von 5 Punkten

- Dieser "Tatort" widmet sich einem spannenden Kapitel der deutschen Geschichte: dem RAF-Terror. Dabei ergeht er sich jedoch in Spekulationen und Theorien, sodass der Zuschauer am Ende etwas verwirrt zurück bleibt.

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Marianne Heider wird tot im Kofferraum ihres Exmanns gefunden. Die Polizei ging bislang von einem Unfall aus, doch ihr Ex behauptet, sie sei von ihrem Lebensgefährten Wilhelm Jordan (Hannes Jaenicke) ermordet worden. Zwar weist Oberstaatsanwalt Lutz (Friedrich Mücke) ausdrücklich an, den Fall nicht weiter zu verfolgen. Doch Thorsten Lannert und Sebastian Bootz gehen der Sache nach - und finden Spuren, die bis zur Todesnacht von Stammheim führen, die sich vor 40 Jahren zugetragen hat. Dann geschehen weitere Morde.

Warum lohnt er sich?

Zu Beginn dieses Filmes erklingt aus dem Off die Stimme Gudrun Ensslins: "Aber ich will etwas getan haben dagegen." Gesagt hat die spätere Terroristin diese Worte 1968 im Kaufhaus-Prozess, noch vor der Gründung der RAF. Der "Tatort" zeigt, was aus dieser Bewegung geworden ist: jämmerliche Banditen, die heute Banken und Geldtransporter überfallen, um irgendwie zu überleben. Es ist eine spannende Zeitreise zurück in die umkämpften 70er Jahre, die dieser Film unternimmt. Geschickt verwebt Regisseur Dominik Graf dokumentarisches Filmmaterial und nachgedrehte, in jener Zeit spielende Szenen mit dem aktuellen Fall.

Was nervt?

Ein bisschen ermüdend ist es schon, sich einmal mehr mit der Mordthese zur Todesnacht von Stammheim auseinandersetzen zu müssen. Demnach hätten sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der Nacht zum 18. Oktober 1977 nicht selbst das Leben genommen, sondern seien umgebracht worden. Dominik Graf deutet diese Möglichkeit hier an, wirklich neue Beweise bringt er nicht hervor. Stattdessen spielt er mit Verschwörungstheorien und dem diffusen Gefühl, dass der Staat Mörder deckt.

Die Kommissare?

Für Thorsten Lannert (Richy Müller) bedeutet dieser Fall eine Reise in seine eigene Vergangenheit: In den 70er Jahren trug er selbst lange Haare und lebte in einer WG mit RAF-Sympathisanten, wie er seinem Kollegen Sebastian Bootz (Felix Klare) erzählt. 

Ein- oder Ausschalten?

Die Handlung ist extrem verworren. Immer wieder springt die Geschichte zwischen der Gegenwart und den 70er Jahren hin und her. Dazu agieren im Hintergrund ständig dunkle Mächte, die weder die Ermittler noch der Zuschauer zu Gesicht bekommen. Das schmälert den Fernsehgenuss ein wenig. Dennoch ist dieser ästhetisch eindrucksvoll umgesetzte Krimi sehenswert.

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